WÜRZBURG

Das Touristen-Bähnle ist jetzt eingebürgert

Jetzt gehört es zu Würzburg: Das Touristen-Bähnle hat endlich kein Regensburger Kennzeichen mehr.
Jetzt gehört es zu Würzburg: Das Touristen-Bähnle hat endlich kein Regensburger Kennzeichen mehr. Foto: Norbert Schwarzott

Es gibt rundliche, kleinformatige Sachen, die sind einfach knuffig. Dieser Zwerg-Fiat zum Beispiel. Oder diese winzigen Handtäschchen. Oder auch diese kleinen Digitalkameras. Der City Train, der seit einigen Wochen wieder durch die Stadt zuckelt, gehörte bislang nicht wirklich dazu.

Dabei hätte er durchaus das Zeug zum Knuffig-Sein. Er ist klein, er ist rundlich, er kommt in netten Farben daher. Trotzdem schrieben böse Journalisten etwas von „Gelsenkirchener Barock“ auf zwölf Rädern, von „Touri-Vehikel“ und ein älterer Mitbürger schaute dem Teil auf der Neubaustraße hinterher, schüttelte den Kopf und sagte, dass das „schon a weng a Scheiß'“ sei.

Irgendwie fehlte dem City Train der Sympathie-Faktor. Zumal er sich seit Ostern 2011 mit dem Kennzeichen „R – CT 112“ durch die Stadt bewegte. Ausgerechnet Regensburg. Oberpfalz. Als ob es nicht schon reicht, dass die „Altneihauser Feuerwehr“ den fränkischen Fasching unterwandert hat.

Aber nun ist alles anders. Das Bähnle ist eingebürgert und hat ein neues Nummernschild bekommen: WÜ – CT 1002. „Das war ein Wunsch Ihres Oberbürgermeisters“, erzählt Armin Sendlbeck im Gespräch mit dieser Zeitung.

Sendlbeck ist Geschäftsführer der „Regensburger Stadtrundfahrten GmbH“, die den City Train betreibt – und er hat keine Mühen gescheut, Rosenthals Wunsch zu erfüllen. „Um ein Würzburger Kennzeichen zu kriegen, brauchten wir eine zusätzliche Gewerbeanmeldung“, sagt er. Nun hat sein Unternehmen in der Sanderau eine „unselbstständige Niederlassung“. Und zwar bei der Würzburger Straßenbahn (WSB).

Die gehört bekanntlich zum WVV-Konzern und dessen Boss Thomas Schäfer und Tourismus-Chef Peter Oettinger hat die Stadt den City Train zu verdanken. Man habe überlegt, wie man Touristen am besten durch Würzburg karren kann, erzählt Oettinger. Nachdem Busse als ungeeignet verworfen worden seien, habe man sich auf das Bähnle geeinigt. Nun rollt es seit über einem Jahr im Dienste des Tourismus durch die Stadt und hat bislang fast 20 000 Gäste befördert. Und es funktioniert so, wie man es im Rathaus mag: Betreiber des City Train sind die „Regensburger Stadtrundfahrten“, das Bähnle verursacht der Stadt also keine Kosten, spült ihr aber ein paar Euro in die Kasse. Wie viele es sind, verrät Oettinger nicht. „Das sind die gängigen Margen“, sagt er – und betont, dass man „damit nicht reich“ werde.

„Alles ist für Sie bequem von der Bahn aus zu bestaunen“, lockt die Stadt auf ihrer Homepage die Touris in den City Train. „Nebenbei erfahren Sie Witziges und Wissenswertes, Altertümliches und Aktuelles, Glanzvolles und möglicherweise auch Grausames, Romantisches und temperamentvolles von Würzburg und seinen Bewohnern“, heißt es weiter in nicht ganz fehlerfreiem Deutsch.

Erläuterungen von Peter Süß

Die Erläuterungen, die den Touristen im City Train wahlweise in englischer oder deutscher Sprache vom Band ins Ohr geblasen werden, stammen von Kunsthistoriker Peter Süß. Gesprochen werden sie von Moderatoren des Funkhauses Regensburg. Womit wir wieder beim Thema Regensburg sind.

Dort hält man nicht allzu viel vom Würzburger Pflaster. Die Straßen, so Sendlbeck, seien so schlecht, dass sich ein paar Fahrgäste über die „holperige Fahrt“ beklagt hätten. Und da habe man Abhilfe schaffen müssen.

Natürlich nicht etwa durch Behebung der Straßenschäden. Sondern durch den Einsatz eines funkelnagelneuen City Train „mit luftgefederten Achsen“. Das Bähnle, das im vergangenen Jahr durch Würzburg fuhr, hatte diese Achsen nicht. Es ist jetzt im niedersächsischen Goslar unterwegs. Wahrscheinlich gibt's dort weniger Schlaglöcher.

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