WÜRZBURG

„Das ist meine zweite Familie“

Marco Körner, Gabriel Krapf, (unten von links) Sozialpädagoge Kilian Schick, Lukas Harjung, Ricarda Gräf, Alexandra Wickowski (stehend), Eva Uckermann, b-hof-Leiterin Linda Grauschopf und Anja Topel (oben von links) freuen sich auf eine tolle Geburtstagsparty. Foto: Pat Christ

In den b-hof kam Lukas Harjung durch einen Zufall: „Ich wollte eigentlich nur ein Ticket für das Honky Tonk Festival abholen.“ Plötzlich landete er im Café des Jugendzentrums: „Dort lernte ich gleich Leute kennen.“ Lukas gefiel es so gut, dass er ein paar Tage später wiederkam. Das war vor acht Jahren. Heute ist Lukas im Juz-Rat des vor 25 Jahren gegründeten Zentrums aktiv. Ohne den Bechtolsheimer Hof, sagt er, wäre sein Leben wahrscheinlich völlig anders verlaufen.

„Durch den b-hof erwachte mein Interesse am Sozialen“, erzählt der 22-Jährige. Die Arbeit der Sozialpädagogen im JUZ faszinierte ihn. Er beschloss, sich zum Kinderpfleger ausbilden zu lassen, und absolvierte anschließend den sozialen Zweig der BOS. Inzwischen studiert Lukas in Schweinfurt zwar Technomathematik. Aber seine soziale Ader pflegt er weiter. So hängt er sich stets richtig rein, wenn es darum geht, große Aktionen im b-hof auf die Beine zu stellen: „Zum Beispiel letzten Herbst unsere ,Integrative Refugees Welcome Disco?.“ Zwei Monate bereiteten die Jugendlichen aus dem b-hof das Event vor. 150 Leute kamen. Ein riesiger Erfolg.

„Dass sich so viele Jugendliche ehrenamtlich einbringen, ist ungewöhnlich“, sagt Sozialpädagoge Kilian Schick vom Hauptamtlichen-Team. Schick kennt Jugendzentren, wo es viel weniger Partizipation gibt. „Um die 40 Ehrenamtliche haben wir in jedem Jahr“, bestätigt Einrichtungsleiterin Linda Grauschopf, die seit 22 Jahren im Bechtolsheimer Hof tätig ist. Die Jugendlichen engagieren sich im Zentrumsrat, machen Thekendienst, sind an der Kasse, sorgen bei Konzerten für Licht- und Tontechnik oder bieten Workshops an.

Das große Engagement ist eine Konstante des Bechtolsheimer Hofs über seine 25-jährige Geschichte hinweg. Anderes hingegen änderte sich in den zweieinhalb Dekaden deutlich. So machen sich die Einführungen des G8 und die längeren Schulzeiten bemerkbar. „Dadurch haben wir unter der Woche im offenen Bereich weniger Besucher“, sagt Grauschopf. Manchmal sind es nur 25 Jugendliche, die sich im Jugendcafé zum Plausch treffen, dort Billard oder Kicker spielen. Wobei es nach wie vor Tage gibt, in denen der b-hof auch unter der Woche voll ist. Bis zu 75 Jugendliche sind dann zugange.

Das ehrenamtliche Engagement mit den langen Schulzeiten in Einklang zu bringen, ist nicht immer einfach, meint Anja Topel vom Juz-Rat, die kurz vor dem Abi steht. „In der 11. Klasse ging es noch. Aber jetzt in der 12. wird es schwierig“, so die Ursulinen-Gymnasiastin, die gerade dabei ist, im b-hof ein Referat zum Thema „Vietnam“ zu schreiben.

Dass die Jugendlichen das Zentrum auch dazu nutzen, um Schularbeiten zu machen, ist keineswegs ungewöhnlich. Auch Alexandra erarbeitete ihr Referat zu Thema „RAF“ kürzlich an einem der Rechner des b-hofs. „Technisch ist alles vorhanden“ meint sie: „Außerdem kann man, wenn man nicht weiterkommt, immer jemanden fragen.“

Auch Marco Körner nutzt die Computer im b-hof. Wobei er längst nicht mehr so lange vor der Kiste hockt wie noch vor fünf Jahren. Damals kam er über seine Schwester in das Jugendzentrum: „Die wollte mich daheim von der Playstation wegholen.“ Exzessiv hatte er zu jener Zeit gezockt. Im b-hof entdeckte Marco plötzlich, dass auch Menschen spannend sein können. Ähnlich wie Lukas Harjung begann er, sich für soziale Arbeit zu interessieren.

Auch Marco könnte sich sein Leben ohne den Bechtolsheimer Hof nicht mehr vorstellen. Immer, wenn es ihm mal schlecht ging, wurde er vom Team des Zentrums aufgefangen, sagt er. Mit allen Problemen, bestätigt Thekenmitarbeiterin Alexandra Wickowski, könne man zu Linda Grauschopf und Kilian Schick kommen: „Und wer hat als Teenie nicht ab und an ein Tief.“ Marco nickt: „Darum ist der b-hof für mich zur zweiten Familie geworden. Und Linda ist meine zweite Mutter.“

Das Jubiläumsprogramm

Der Bechtolsheimer Hof wurde im April 1991 als Nachfolgeeinrichtung des legendären Würzburger Jugendzentrums „Falkenhof“ gegründet.

Der „Falkenhof“ musste Ende der 1980er Jahre der Erweiterung der Stadtbücherei weichen.

Vom 14. bis 16. April feiert der b-hof sein 25-jähriges Jubiläum.

Am 15. April ab 17 Uhr können Interessierte an Kicker- und Billiardturnieren teilnehmen. Ab 19 Uhr ist der Konzertsaal geöffnet.

Mit Fatoni kommt einer der angesagtesten Deutschrapper im Underground zum Jubiläum. Außerdem sind Edgar Wasser mit den Tribes of Jizu zu hören. Würzburger Musiker bestreiten die Support-Acts.

Am 16. April präsentiert sich der b-hof ab 16 Uhr. Vor dem Haus wird Skaten und Bullriding geboten, im Jugendzentrum gibt es den ganzen Tag unplugged Konzerte. Um 20 Uhr treten Hatesphere, Necrotted, Coldburn und Deadbeat Hero auf.

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