Würzburg

Demo-Freitag: Blau machen fürs Klima kann den Job kosten

Kirchen und Gewerkschaften rufen zur Teilnahme am Klimastreik von "Fridays for Future" auf. Wie Unternehmen der Region reagieren und wo Gefahren für Beschäftigte lauern.
Schülerinnen und Schüler demonstrieren in der Würzburger Innenstadt für mehr Klimaschutz. Für die Kundgebung am Freitag, 20.September, erhalten sie Unterstützung aus Kirchen und Gewerkschaften. Foto: Daniel Peter

Während das Klimakabinett der Bundesregierung an diesem Freitag ihre Maßnahmen zur CO2-Minderung verkünden will, werden deutschlandweit voraussichtlich zigtausende Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen. Die Fridays-for-Future-Bewegung hat zu einem internationalen Aktionstag aufgerufen.

Unterstützung bekommen die Schüler diesmal von Kirchen, Verbänden und Gewerkschaften. Verdi und IG Metall haben auch in Unterfranken ihre Mitglieder aufgerufen, sich an den Demos zu beteiligen - "im Rahmen der arbeitsvertraglichen Möglichkeiten", erklärt Thomas Höhn, 2.Bevollmächtigter der IG Metall in Schweinfurt. Heißt: Arbeitnehmer sollten nicht einfach ihre Betriebe verlassen, sondern sich über Gleitzeit oder Urlaub für die Demos frei nehmen.

"Das ist kein Streik nach deutschem Arbeitsrecht."
Fachanwalt Bernd Spengler, Würzburg

Wer ohne Erlaubnis dem Arbeitsplatz fernbleibt, riskiert eine Abmahnung oder bei Vorbelastung gar die fristlose Kündigung. Schließlich geht es nicht um einen Arbeitskampf. "Das ist kein Streik nach deutschem Arbeitsrecht, der sich gegen den Arbeitgeber richtet", erklärt der Würzburger Fachanwalt und Experte Bernd Spengler. Einen politischen Streik kenne man hierzulande nicht, die Teilnahme an Klima-Aktionen befreie nicht von der Arbeitspflicht.

Das weiß auch die IG Metall. Trotzdem ruft sie zu den Kundgebungen auf, fordert einen raschen "ökologischen Umbau  unseres Wirtschaftens". Die IG Metall teile das Ziel von "Fridays for Future", die Klimakatastrophe abzuwenden. Jedoch solle der Umbau möglichst sozial gestaltet werden, sagt Funktionär Höhn, der selbst schon einige Male an den Freitagsdemos teilgenommen hat.  

Regionale Firmen: Ja zur Klimademo - in der Freizeit

Größere Firmen aus der Region zeigen zwar Sympathie für die Anliegen der "Fridays-for-Future"-Bewegung. Sie verweisen auf eigene Anstrengungen, um Energie einzusparen und den CO2-Ausstoß zu senken. "Aber wir sind als Unternehmen unseren Kunden verpflichtet, haben Lieferfristen", sagt Lilli Heyer, Sprecherin der Warema-Unternehmensgruppe mit 2400 Beschäftigten am Stammsitz Marktheidenfeld. Man wolle niemandem die Chance zur Teilnahme am Klimastreik nehmen. Doch müssten dafür Überstunden abgefeiert oder Urlaub genommen werden, andernfalls drohen arbeitsrechtliche Sanktionen, "dann ist ein Gespräch zu führen."

So auch bei der ZF Friedrichshafen AG in Schweinfurt, mit dort fast 10000 Beschäftigten. "Es gibt keinen Freibrief", kommentiert Sprecher Michael Lautenschlager.  Mit Blick auf Freitag sei man entspannt. "Wir rechnen nicht damit, dass der Betrieb stillgelegt wird." Relevant ist der Klimaschutz für das Unternehmen allemal: In Schweinfurt ist die Zentrale der ZF-Sparte Elektromobilität angesiedelt.

Bossardt: Urlaub nehmen oder Arbeitszeitkonto abbauen

Die Bosch Rexroth AG in Lohr am Main verweist darauf, dass der Energieverbrauch der Fabriken zwischen 2011 und 2018 um 20 bis 50 Prozent gesenkt worden sei. Mitarbeiter könnten sich über Urlaubstage und Arbeitszeitkonto an der Klimademo beteiligen.

Hier finden am Freitag Klimademos statt:

Bertram Bossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und am Montag Gast bei der CSU-Klausurtagung im Kloster Banz mit dem Schwerpunkt Klimaschutz, ließ mitteilen: „Wie bei allen privaten Anlässen können Arbeitnehmer Urlaub beantragen oder sich um den Abbau vorhandener Arbeitszeitkonten bemühen, wenn das Bedürfnis der freien politischen Willensäußerung in die Arbeitszeit fällt.“

Uniklinikum: Patientenversorgung darf nicht gefährdet werden

Zwar haben auch Kirchen zum "Klimastreik" am Freitag aufgerufen. Freigeben wird allerdings auch die Caritas im Bistum Würzburg ihren Mitarbeitern nicht. "Wir tun viel für den Umweltschutz, ein Streik wäre da widersprüchlich", so Caritas-Sprecher Sebastian Schoknecht. Zuspruch für die Ziele der Klimabewegung auch am Uniklinikum, mit gut 6000 Beschäftigten größter Arbeitgeber der Stadt. Effizienter Energieeinsatz habe am Klinikum einen hohen Stellenwert, so Ärztlicher Direktor Georg Ertl. Man unterstütze eine Demo-Teilnahme von Mitarbeitern "außerhalb der Arbeitszeit", die Patientenversorgung dürfe nicht gefährdet werden.

Und die kommunalen Arbeitgeber? Für die Stadt Würzburg beraten am Dienstag Oberbürgermeister und Referenten. Klar ist laut Sprecherin Claudia Lother: Man wolle keinen Präzendenzfall schaffen - für denkbare andere Streikthemen.

"Fridays for Future": Klimastreik am Freitag in der Region
Für den 20.September hat die Bewegung "Fridays for Future" in der Region Mainfranken Kundgebungen in Würzburg (11 Uhr Hauptbahnhof), Schweinfurt (13:30 Uhr Schillerplatz), Lohr am Main (15 Uhr Seewegparkplatz), Haßfurt (11.30 Uhr Hauptstraße) und Tauberbischofsheim (11 Uhr Schlossplatz) angekündigt. In Marktbreit (Lkr. Kitzingen) trifft man sich um 9.40 Uhr am Bahnhof und beteiligt sich an der Kundgebung in Würzburg. Bundesweit sind bislang mehr als 400 Demonstrationen geplant. Grüne und SPD in Baden-Württemberg begrüßten am Montag die Teilnahme von Arbeitnehmern am "Klimastreik" und die Bereitschaft von Arbeitgebern, dies ihren Angestellten zu ermöglichen. Hierzu ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund in Baden-Württemberg die Unternehmen auf. So beteiligen sich bundesweit gut 200 Mitgliedsfirmen des ökologisch orientierten Verbands UnternehmensGrün aktiv am Klimastreik. Sie schließen ihre Geschäfte und appellieren an ihre Mitarbeiter, für mehr Klimaschutz auf die Straße zu gehen.
Anmerkung: In einer früheren Version war der Klimastreik in Schweinfurt für 11 Uhr angekündigt. Dies haben wir nun korrigiert.

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