WÜRZBURG

Demonstranten fordern Umweltreferenten zum Rücktritt auf

Demonstranten fordern Umweltreferenten zum Rücktritt auf
Gut 130 Demonstranten protestierten auf dem Stadtring Süd gegen Luftverschmutzung und Lärm. Foto: Thomas Obermeier

Elf Bürgerinitiativen, Organisationen und Parteien des Bündnisses „Gemeinsam für ein lebenswertes Würzburg und sein Umland“ hatten aufgerufen, gut 130 Teilnehmer kamen: Damit hatte die Demonstration für eine Verkehrswende auf dem Stadtring am Freitag immerhin doppelt so viele Teilnehmer wie eine ähnliche Protestaktion im Juli 2013 an gleicher Stelle.

„Brummis weg vom Stadtring“

„Als wir 2013 hier zum ersten Mal standen, waren wir optimistisch, dass durch das Verbot der Durchfahrt für Lastkraftwagen der Verkehr abnehmen würde. Das war ein großer Irrtum“, sagte Manfred Neuner, einer der Sprecher der Bürgerinitiative „Brummis weg vom Stadtring“ zur Begrüßung. Für die Demonstranten wurden zwei der vier Fahrspuren des Stadtrings zwischen Rottendorfer und Salvatorstraße gesperrt, daneben schlängelten sich Autos und Lastkraftwagen in beide Richtungen jeweils einspurig vorbei.

Der Rückstau durch die Verengung am Tag vor Beginn der Osterferien erstreckte sich während der einstündigen Veranstaltung laut Polizei nach Süden fast bis zur Adenauerbrücke und in die andere Richtung bis zum Greinberg. Entsprechend sauer reagierten manche LKW- und Autofahrer und fuhren mit Hupkonzert oder aufheulendem Motor an den Demonstranten vorbei, die ihnen Schilder mit „Stoppt den Feinstaub“ entgegen hielten.

Einführung einer Umweltzone

„Das ist kein besonderer Osterverkehr, sondern der ganz normale Wahnsinn an einem Freitagnachmittag. Der Verkehr auf dem Stadtring nimmt nicht ab, sondern er nimmt zu“, betonte Neuner. Um Lärm und Schadstoffe zu verringern, fordern die am Bündnis beteiligten Organisationen unter anderem die konsequente Durchsetzung des Durchfahrtverbots für Lastkraftwagen über 3,5 Tonnen und die Einführung einer Umweltzone unter Einbeziehung des gesamten Stadtrings.

Ungestört und „völlig unbehelligt durch Polizei und andere Verkehrskontrollen“ können Lastkraftwagen trotz Durchfahrverbot weiterhin den Stadtring benutzen, sagte Michael Imhof, ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative „Brummis weg vom Stadtring“. Dass der durchschnittliche Grenzwert für Stickoxide am Stadtring Süd im vergangenen Jahr ausnahmsweise ganz knapp unterschritten wurde, bedeute überhaupt nichts, betonte Imhof. Schließlich sei die Messstation am Stadtring Süd 2017 mehrere Wochen lang gar nicht in Betrieb gewesen.

„Würzburg erstickt im Lärm und Dreck“

In diesem Zusammenhang kritisierte er vor allem Wolfgang Kleiner scharf: Der städtische Umweltreferent lasse den seriösen Umgang mit Fakten vermissen. „Herr Kleiner möchte den Eindruck erwecken, dass am Mittleren Ring alles mit rechten Dingen zugeht. Das Gegenteil ist der Fall. Würzburg erstickt im Lärm und Dreck“, so Imhof.

Kleiner hatte kürzlich in einem Interview mit dieser Redaktion unter anderem die Wirksamkeit von Dieselfahrverboten für die Luftqualität in Frage gestellt und dabei den Rückgang der Schadstoffbelastung am Stadtring Süd als Zeichen dafür gewertet, dass das LKW-Fahrverbot Wirkung zeige. Das sehen die Demonstranten ganz anders. Michael Imhof forderte Kleiner unter dem Applaus der Anwesenden zum Rücktritt auf: „Er ist für die Stadt nicht mehr tragbar.“

Unterstützt wird das Anliegen der Bürgerinitiativen auf politischer Seite von den Grünen, der ödp und den Linken, zu den Rednern bei der Protestaktion gehörten der Landtagsabgeordnete Hans Jürgen Fahn (Freie Wähler) und Landtagskandidat Patrick Friedl (Bündnis 90/Grüne). „Es geht nicht, dass der Umweltreferent Fahrverbote offenbar gar nicht erst prüfen will“, betonte Friedl. Außerdem sei eine Ausweitung von Tempo-30-Zonen in der Stadt längst überfällig: „Dort, wo der Verkehr zu dramatisch fließt, müssen wir mit dem Tempo runter.“

Demonstranten fordern Umweltreferenten zum Rücktritt auf
Die Demonstranten auf dem Stadtring Süd fordern unter anderem ein Durchfahrverbot für Lastkraftwagen über 3,5 Tonnen. Foto: Thomas Obermeier

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