VEITSHÖCHHEIM

Der Hund als Helfer und Begleiter

An die Hand genommen: Dass ein Blindenführhund sein „Herrchen“ sicher um Hindernisse auch im Wald herumführt, konnten Besucher selbst erfahren, die wie „blind“ (durch eine Schwarzbrille), von Hund Sony geführt wurden.
An die Hand genommen: Dass ein Blindenführhund sein „Herrchen“ sicher um Hindernisse auch im Wald herumführt, konnten Besucher selbst erfahren, die wie „blind“ (durch eine Schwarzbrille), von Hund Sony geführt wurden. Foto: Dieter Gürz

Viel Wissenswertes über den Hund als Helfer und Begleiter des Menschen und dem richtigen Umgang mit den Tieren, vor allem mit Blindenführhunden, erfuhren die Besucher des Frühlingsfestes des Vereins „Naturfreunde Würzburg“ rund um das Veitshöchheimer Naturfreundehauses.

Wie Frühlingsfest-Organisator Sigi Hofmann bei der Begrüßung sagte, begegne man besonders in Veitshöchheim durch das hier ansässige Berufsförderungswerk für Blinde und Sehbehinderte häufig Blindenführhunden. Die meisten Bürger seien jedoch höchst unsicher, wie sie sich gegenüber Blinden und ihren vierbeinigen Begleitern verhalten sollen. Dies bestätigten auch die Fragen von Besuchern.

Aus dem „Nähkästchen“ plauderte über ihre dazu gemachten Erfahrungen mit ihrem Hund „Sony“ die ortsansässige Blinde Sybille Brandt. Immer wieder komme es vor, dass Passanten ihre Labrador-Führ-Hündin streicheln oder füttern, ansprechen oder locken wollen. Dies sei jedoch die höchste aller Sünden, wenn Blindenführhunde „im Dienst“ seien, also ihr weißes Führgeschirr tragen. Dies sei ein offizielles Verkehrszeichen, das alle Verkehrsteilnehmer zu besonderer Rücksicht verpflichte. Viele würden nach Brandts Worten nicht bedenken, dass ein Blindenführhund ein Hilfsmittel ist, dem Blinde ihr Leben anvertrauen und auf den sie sich hundertprozentig verlassen müssen. „Solange er arbeitet, also im Gestell ist, sollte man ihm nicht wie einem gewöhnlichen Hund gegenüber treten“, sagte Brandt und appellierte an alle Hundehalter, ihre Tiere in Sichtweite eines Führhundgespanns an die Leine zu nehmen und dieses zügig und mit Abstand zu umgehen.

„Wenn ein Blindenführhund arbeitet, also im Gestell ist, sollte man ihm nicht wie einem gewöhnlichen Hund gegenüber treten.“

Sybille Brandt Blinde Veitshöchheimer Bürgerin

Dass ein Blindenführhund sein „Herrchen“ sicher um Hindernisse auch im Wald herumführt, konnten einige Besucher selbst erfahren, die mit Hilfe einer Schwarzbrille blind gemacht, von Sony geführt wurden.

Organisator Sigi Hofmann konnte mit Jan Gutsmiedl von der Blindenführhundschule Bayerwald in Waldkirchen zudem einen Experten gewinnen, der als Rehabilitationslehrer für Blinde und Sehbehinderte berufsmäßig Bescheid weiß über die in seiner „Bayerwald-Schule“ nahezu ausschließlich aus eigener Zucht ausgebildeten Blindenführhunde.

Wie Gutsmiedl ausführte, der im Alter von elf Jahren seinen ersten eigenen Begleithund ausbildete, besitzen etwa ein bis zwei Prozent der rund 170 000 Blinden in Deutschland einen Führhund. Gut ausgebildete Führhunde würden ihrem Halter ein hohes Maß an individueller Mobilität, Sicherheit und Unabhängigkeit ermöglichen und dadurch einen entscheidenden Faktor für die gesellschaftliche Teilhabe blinder Menschen darstellen. Als Funktionshunde genießen sie nach seinen Worten einen hohen Stellenwert mit besonderen Rechten. So dürften sie nicht in Geschäften, Restaurants, Parkanlagen, Krankenhäuser oder in Kirchen ausgeschlossen werden.

Blindenführhunde, so Gutsmiedl werden in seiner Bayerwald-Schule nach etwa 350 Ausbildungsstunden vermittelt. An die dreiwöchige Einschulung des „neuen“ Herrchen in Waldkirchen würden am Heimatort des neuen Führhundhalters unter Anleitung des Ausbilders die bereits erlernten Fähigkeiten des blinden Hundehalters auf das alltägliche Umfeld übertragen und die für die Zukunft relevanten Wege, insbesondere auch Anbindungen an den öffentlichen Personennahverkehr erarbeitet. Die Ausbildungskosten von 20 000 bis zu 40 000 Euro würden die Krankenkassen tragen.

Einen zweiten Schwerpunkt beim Frühlingsfest bildete die Suchhundevorführung des im April 2007 gegründeten Vereins Maintrailer-Mainfranken mit Sitz in Würzburg. Der von Trainer und Vorstand Peter Büttner geführte Verein ist mit zwei Dutzend Mitgliedern einer der größten reinen Mantrailvereine Deutschlands. Mantrailing bedeutet wörtlich „Mensch auf der Spur folgen“, der Hund sucht also nach einer bestimmten Person. Wie Büttner ausführte, produziere jeder Mensch einen individuellen Geruch, vergleichbar mit einem Fingerabdruck. Die Hundenase könne noch nach mehreren Tagen diesen Geruch wahrnehmen.

Dass dies funktioniert, demonstrierte unter anderem der Magyar Vizsla „Apollo“ von Janet, der an einem Pullover eines zuvor in einer Spielplatzröhre versteckten Jungen schnupperte, dessen Geruchsstoff erschnupperte und dann an der langen Leine geführt anhand der Duftspur des Jungen diesen aufspüren konnte.

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