WÜRZBURG

Der Junker Ernst als Puppenspiel

Puppenspieler Thomas Glasmeyer (links) und der Leiter der Theaterwerkstatt Thomas Lazarus stellen die Hälfte des Personals für die Bühnenfassung von „Der Aufruhr um den Junker Ernst“ vor: Fürstbischof von Ehrenberg, Magister Onno Molitor und den Junker Ernst (von links).
Puppenspieler Thomas Glasmeyer (links) und der Leiter der Theaterwerkstatt Thomas Lazarus stellen die Hälfte des Personals für die Bühnenfassung von „Der Aufruhr um den Junker Ernst“ vor: Fürstbischof von Ehrenberg, Magister Onno Molitor und den Junker Ernst (von links). Foto: Patty Varasano

Der April ist in diesem Jahr Junker-Ernst-Monat. Am Freitag beginnt offiziell Aktionswoche „Würzburg liest ein Buch“, bei der Jakob Wassermanns Novelle „Der Aufruhr um den Junker Ernst“ im Mittelpunkt steht und in rund 100 Veranstaltungen behandelt und besprochen wird.

Es gibt traditionelle Formen wie Lesungen, Vorträge oder Ausstellungen, aber auch weniger alltägliche Herangehensweisen. Eine davon hat die von Thomas Lazarus geleitete Theaterwerkstatt gewählt. Dort wird der Erzähltext nämlich als Puppentheater auf die Bühne kommen. Premiere ist am 13. April.

Nur noch wenige Tage bleiben Thomas Lazarus, der den Text in eine bühnentaugliche Fassung brachte und die Regie übernahm, und Puppenspieler Thomas Glasmeyer, um die Feinarbeiten an der Aufführung abzuschließen. Noch gibt es ein paar offene „Baustellen“, aber diese werden bis zur Premiere abgearbeitet sein.

Wichtiger waren freilich die Grundsatzentscheidungen. Denn Jakob Wassermanns mit vielen Figuren und wenig Handlung, zahlreichen Erzählpassagen und reflektierenden inneren Monologen kann nicht so ohne weiteres auf die Bühne gebracht werden.

Die Idee für eine Theaterfassung des „Junker Ernst“ wurde ursprünglich von Daniel Osthoff, der zum „harten Kern“ des Arbeitskreises „Würzburg liest ein Buch“ gehört, an Lazarus herangetragen. Aber für ein Theaterstück mit „echten“ Schauspielern „ist mir da nichts eingefallen“ erzählt Lazarus. Die Umsetzung des Wassermann-Textes für die Bühne erschien ihm zu kompliziert.

Dann hatte Osthoff die Idee mit dem Puppentheater und ging auf Thomas Glasmeyer zu. Glasmeyer spielt seit 25 Jahren Puppentheater und hat zahlreiche Jugend- und Familienstücke, aber auch Produktionen für Erwachsene in seinem Repertoire.

Der Puppenspieler machte sich zunächst Gedanken. Wie viele Aufführungen sind mit einem derartigen, nicht ganz einfachen Stoff, möglich? Wie groß ist der Aufwand zur Herstellung der Puppen? Denn Glasmeyer schnitzt, baut und kostümiert sie alle eigenhändig. Und wer übernimmt die Regie?

Mit Thomas Lazarus zusammen sah er gute Chancen, dass das Projekt gelingt. Alleine, so sagt er, hätte er es nicht stemmen können. Seit vier Monaten sind die beiden inzwischen mit dem Stück beschäftigt. Während Lazarus sich über den Text machte, fing Glasmeyer an, neue Puppen zu bauen.

Zu viele durften es nicht sein, denn für eine Figur benötigt Glasmeyer 40 Bis 60 Stunden. So blieben vom Personal des Buches die Titelfigur Junker Ernst und dessen Mutter Theodata, sein Erzieher Onno Molitor und das das taube Kindermädchen Lenette sowie Fürstbischof Philipp Adolph von Ehrenberg sowie der Pater Gropp, ein fanatischer Hexenverfolger, übrig.

Der Text nahm nach und nach Gestalt an. Möglichst viele szenische Elemente, beispielsweise Dialoge zwischen den Figuren, und möglichst wenig reiner Erzählstoff, von dem es in der Novelle jede Menge gibt, sollen dafür sorgen, dass auf der Bühne etwas passiert, was die Zuschauer mitnimmt. Beispielsweise, wenn die Mutter des Junkers, von den Folterknechten des Fürstbischofs malträtiert wird. Das Buch spielt nämlich in Würzburg zur Zeit der Hexenverfolgung.

Und natürlich musste der Regisseur Lazarus auch darauf achten, dass er es nicht mit mehreren Schauspielern zu tun hat, denen er jeweils individuelle Anweisungen geben kann, sondern mit einem einzigen Puppenspieler, der sechs ganz verschiedene Puppen sprechen lassen und bewegen muss. Hin und wieder hat er zu ein paar dramaturgischen Kniffen gegriffen und für so manche Szenen aus dem Buch, musste man sich spezielle Lösungen ausdenken.

Beispielsweise für die Schlussszene, in der Junker ernst von mehreren hundert jungen Menschen befreit wird. Er war zuvor inhaftiert worden, weil er mit seiner Fabulierkunst, mit der er viele Menschen, darunter seinen Onkel den Fürstbischof, für sich vereinnahmte, was den Inquisitoren um Pater Gropp gründlich missfiel. Es wird also einige Überraschungen in der 90-minütigen Aufführung geben.

Nach der Premiere am 13. April um 20 Uhr, sind noch fünf weitere Vorstellungen geplant (15., 16., 17., 20. und 21. April, jeweils um 20 Uhr). Thomas Glasmeyer und Thomas Lazarus empfehlen das Stück für Besucher ab 13 oder 14 Jahren. Das Stück kann auch für Schulvorstellungen gebucht werden.

Kartenvorbestellungen unter tickets@theater-werkstatt.com oder Tel. (0931) 5 94 00.

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