BERGTHEIM

Der Kampf um „die Judenbank“ endet in der Heilanstalt

Heribert Hausmann überzeugte als Dominikus Schmeinta im Stück „Die Judenbank“. Foto: Irene Konrad

Auf Einladung des „Yes-Club Bergtheim“ ist das Würzburger Theater-Ensemble zu einem Gastspiel in die Bergtheimer Matthäuskirche gekommen. Gespielt wurde das Stück „Die Judenbank“ von Reinhold Massag. Darin geht es um die Gedanken eines harmlosen, verwirrten Dorfbewohners im Irrsinn des Naziterrors.

Einziger Schauspieler des Stücks ist Herbert Hausmann. Unter der Regie von Norbert Bertheau spielt er in kurzen aufeinanderfolgenden Szenen den schwerversehrten Dorfbewohner Dominikus Schmeinta, der sich eines Tages nicht mehr auf seine Lieblingsbank auf dem Bahnhof in Ottersdorf setzen darf.

Seit 20 Jahren sitzt er gern auf „seiner Bank“ und beobachtet das Geschehen um ihn herum. Auf einmal verbietet ihm das ein 1937 angebrachtes Schild mit der Aufschrift „Nur für Juden“. Für Dominikus ist das eigenartig, zumal es im ganzen Städtchen Ottersdorf keinen einzigen Juden gibt.

Seine Gespräche mit dem faschistischen untreuen Neffen Hansi, dessen christlicher Frau und dem Großneffen, dem im Kindesalter die nötige Härte dadurch beigebracht werden soll, indem er zusehen muss, wie sein Vater den Familienhund erschießt – machen betroffen. Berührt wird das Publikum auch von seinen klugen Gedanken und seltsamen Beobachtungen.

Für Dominikus nimmt sein Kampf um die Bank schließlich ein böses Ende. Als er beschließt, gegen die Bürokratie der Nationalsozialisten anzugehen und Adolf Hitler einen Brief mit der Bitte schreibt, ihn zu einem Juden zu machen, wird der einfache Mann in eine Heil- und Pflegeanstalt gebracht.

Das Stück „Die Judenbank“ kreist um die Frage, welche Menschen es wohl gewesen sind, die die Machtergreifung der Nazis ermöglichten. „Menschen wie du und ich“ – das wird in diesem Stück deutlich.

Für seine Vorstellung in Bergtheim erhielt Herbert Hausmann großen Applaus. Das Stück ist ohne einleitende Worte oder erklärende Abschlusssätze gespielt worden. „Es spricht für sich“, meint Regisseur Bertheau. Dass es „Kultur in der Kirche gibt“, das findet Vertrauensfrau Sabine Triebel „super“. „Der gesamte Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde war bei der Anfrage gleich dafür“, erklärte sie. Das Ein-Mann-Stück war denn auch in Bergtheim gut besucht.

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