WÜRZBURG

Der Pleicher Hof macht die Musik aus

Die Musikbar im Keller des Pleicher Hofs in der Pleichertorstraße 30 war ein Magnet für die Freunde der Musik jenseits des Mainstream. Am 12. September macht Udo Walter, der Wirt, die Bar dicht.

Walter schreibt in einer Mitteilung von einer Zwangspause: Nachdem die Stadt Würzburg den Betrieb „massiv eingeschränkt“ habe, sei das Konzept einer Musikbar „einfach nicht mehr aufgegangen“.

Das Café und den Biergarten betreibt er weiter.

Unerwartet kam das Aus für den kultigen Musikkeller nicht. Das Problem: Das Publikum lauschte den zarten bis harten Tönen nicht nur, es tanzte auch dazu. Was für Walter eine Musikbar war, war für Alexander Hoffmann, den Leiter der Allgemeinen Bürgerdienste im Rathaus, eine Disco ohne Genehmigung.Nach einem Hin und Her, das sich über Jahre hinzog, ordnete Hoffmann Anfang Juli an, die Licht- und die Tonanlage aus dem Keller zu entfernen. Mitte Juli ließ er sich auf einen Kompromiss ein: kein bewegtes, zum Tanzen animierendes Licht mehr im Keller, kein Mikrofon an der Musikanlage, und Tische müssen auf der Tanzfläche stehen, die nicht einfach weggeräumt werden können.

Ein paar Wochen lang sollte der Kompromiss erprobt werden. Hoffmann wollte sehen, ob Walter sich daran hält.

Walter hoffte, so über die Runden zu kommen, machte aber von Beginn an einen wenig zuversichtlichen Eindruck. Seine Gäste wollen tanzen. Zwar gab es zahlreiche und nachdrückliche Solidaritätsbekunden für den Pleicher Hof, aber die Euros trugen seine Fans dann doch woanders hin. Finanzkräftig und damit umsatzträchtig sei sein vorwiegend junges, studentisches Publikum sowieso nicht, sagt er.

Er hätte gerne eine eine Disco-Konzession, er könnte auch eine haben. Aber wer eine Disco betreiben will, muss Auflagen erfüllen, Rettungswege, Belüftung und Stellplätze nachweisen können. Walter hat die nötigen Stellplätze nicht, weil er sie nicht bezahlen kann. Der Wirt gerät in existenzielle Nöte, weil er kein Geld hat, aus dem er mehr Geld machen kann. Jetzt sucht er Finanziers, die ihm Geld für die Stellplatzablöse vorstrecken, damit er die Lizenz zum Schwofen bekommt.

Walter lädt zur – er hofft vorläufig – letzten Kellerparty am 11. September ein. „Alles muss raus“ heißt sie. Alle DJs, die an vergangenen Montagen im Pleicher Hof auflegten, gehen noch mal an die Plattenteller.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!