RANDERSACKER

Der Umgehungsbach wird umgebaut

Begehrter Lebensraum: Nicht nur Fische schätzen den Umgehungsbach an der Staustufe Randersacker. Im Schutz des Uferbewuchses ziehen auch Entenmütter ihre Jungen groß. Foto: Gerhard Meissner

In den fünf Jahren seit der Fertigstellung ist das Umgehungsgerinne an der Staustufe in Randersacker zu einem Rückzugsraum für Fische und üppigen Biotop herangewachsen, dem man seine künstliche Entstehung kaum noch ansieht. Trotzdem erfüllt der Bachlauf noch nicht alle Hoffnungen, die das Wasserwirtschaftsamt in ihn gesetzt hatte. In den nächsten Wochen sollen Ein- und Auslauf des Gerinnes deshalb erneut verändert werden.

Der Bach sollte den durch die Staustufe blockierten Main durchlässig machen für Wanderfische und Kleinstlebewesen. Jahrelang stritt sich die Planungsbehörde darüber mit dem Energiekonzern E.ON. Der betreibt das Wasserkraftwerk in der Staustufe und forderte Entschädigung für die Wasserkraft, die durch den Bypass verloren geht.

Ein Gericht entschied schließlich, dass 1000 Liter pro Sekunde für das Umgehungsgerinne abgezweigt werden dürfen. Doch diese Durchflussmenge wird die meiste Zeit im Jahr nicht erreicht. Der Einlauf verschlammt, sagt Landespfleger Joachim Pfeifer vom Wasserwirtschaftsamt. Schuld daran sind wohl Sedimente, die von den Schiffen in den Bach gedrückt werden und sich im ruhigeren Wasser absetzen. Statt der zugesicherten 1000 Liter pro Sekunde fließen normalerweise nur 600 Liter durch den künstlichen Bach.

Auch die Mündung in den Main im Unterwasser der Staustufe stellt den Fischereifachberater des Bezirks Unterfranken, Wolfgang Silkenat, nicht zufrieden. Im trichterförmigen Übergang verliert sich die Strömung zu schnell. Gerade auf diese Strömung sind Wanderfische wie der Aal aber angewiesen, um den Eingang ins Umgehungsgerinne zu finden.

Im September rückt deshalb der Bagger an, um die Lehren, die man aus fünf Jahren Betrieb gezogen hat, in die Tat umzusetzen. Im Oberlauf des rund 1300 Meter langen Gerinnes soll das Bachbett vertieft werden, damit das Wasser mit mehr Geschwindigkeit einlaufen und Sedimente wegspülen kann. An der Mündung entsteht ein kleines Leitwerk aus Steinen, das die Lockströmung weiter in den Main hinein trägt.

Das Umgehungsgerinne war als Pilotprojekt gebaut worden – gegen den Widerstand des Kraftwerksbetreibers. Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen verbessert. Nach der Europäischen Rahmenrichtlinien sollen auch Großwasserstraßen wie der Main in einen guten ökologischen Zustand versetzt werden. Die Durchlässigkeit für Fische zählt zu den wichtigsten Kriterien.

Umgehungsbäche nach dem Vorbild von Randersacker gelten als wirkungsvollste Methode, um dem stauregulierten Main wenigstens in Ansätzen wieder den Charakter eines Fließgewässers zu geben, sagt Fischereifachberater Wolfgang Silkenat. Deshalb seien die dort gemachten Erfahrungen so wichtig.

Natur von Menschenhand: Landschaftspfleger Joachim Pfeifer (links) und Fischereifachberater Wolfgang Silkenat am Umgehungsgerinne Randersacker, das zu einem üppigen Biotop geworden ist. Foto: Gerhard Meissner

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