Der Verein ist ein Halbtagsjob

Steinbachtal Wenn Ingrid Laugwitz an die ersten Monate als Mitglied im Akademischen Ruderclub zurück denkt, muss sie immer ein wenig schmunzeln. "Mit meinem Mann habe ich das Rudern angefangen", erinnert sie sich. Und der hat, weil er eben zusammen mit (s)einer Frau ruderte, die damalige Ruderordnung gebrochen - und das, obwohl er in den 70er Jahren sogar Ruderwart des Clubs war. "Mixed, das war tabu", sagt Ingrid Laugwitz.

Dieses "Vergehen" hat man dem Ehepaar Laugwitz schnell verziehen. Schließlich waren Horst und Ingrid immer zur Stelle, wenn es im Club etwas zu tun gab. Ingrid Laugwitz half ihrem Mann zum Beispiel bei der Nachwuchs-Ausbildung, die er als Ruderwart unter seinen Fittichen hatte. "Als unsere Kinder zur Welt kamen, da musste der Club natürlich erst einmal in den Hintergrund treten", erzählt Ingrid Laugwitz. Doch schon bald tat sich im Verein nicht mehr viel: "Da hat man uns gefragt, ob wir nicht wieder mehr machen wollen." Das Ehepaar stimmte zu.

1978 wurde Ingrid Laugwitz stellvertretende Schriftführerin, drei Jahre später sollte sie dann zur Schriftführerin gewählt werden. "Meinem Mann hat das damals nicht so gepasst", sagt sie - und schmunzelt. Als er dann jedoch plötzlich stellvertretender Vorsitzender wurde, hatte er nichts mehr dagegen. Bis 1999 blieb Ingrid Laugwitz noch Schriftführerin, 1995 hat sie dann auch das Kassenamt übernommen. Bis heute hält sie die Finanzen des Clubs in ihren Händen, nebenbei verwaltet sie die Mitgliederdatenbank, schreibt und fotografiert für die Clubzeitschrift.

Damit aber nicht genug. Seit Anfang der 80er Jahre hilft Ingrid Laugwitz auch beim Schülerrudern mit, einige Jahre hat sie vieles selbst organisiert und die Schüler nahezu allein unterrichtet. Auch heute ist sie in dem Bereich noch aktiv: "Ich kann und will da nicht so einfach loslassen", sagt sie. Außerdem: "Zu tun gibt?s immer genug."

Würde man die Zeit addieren, die Ingrid Laugwitz täglich für den Club arbeitet, käme man "auf eine Halbtagsstelle", sagt sie. Für ihr Engagement wurde sie von der MAIN-POST vor kurzem als "Gute Seele im Verein" ausgezeichnet.

Ein Leben ohne "ihren" Akademischen Ruderclub, "das kann ich mir hoffentlich schon vorstellen", sagt sie - und runzelt dabei die Stirn. So ganz glaubt Ingrid Laugwitz das wohl selbst nicht: "Aber ich denke, dass mein Mann und ich langsam aber sicher ein bisschen kürzer treten sollten." Plötzlich läutet das Telefon. Ein Mitglied des Clubs hat was auf dem Herzen. "Für viele sind wir noch immer die erste Anlaufstelle", sagt Ingrid Laugwitz. Sie zuckt dabei mit den Schultern. So, als müsse sie sich dafür entschuldigen, dem ARCW eine Seele zu geben.

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