WÜRZBURG

Der Zahn der Zeit nagte am Oegg-Tor

Mit einem Tieflader wurde am Samstag der 3,1 Tonnen schwere Torbogen zu einer Spezialfirma gefahren. Foto: Gunther Schunk
Mit einem Tieflader wurde am Samstag der 3,1 Tonnen schwere Torbogen zu einer Spezialfirma gefahren. Foto: Gunther Schunk Foto: Gunther Schunk

Seit 1750/51 ziert ein schmiedeeisernes Kunstwerk die Durchfahrt am Rennweg neben der Residenz. Geschaffen hat es der damalige Hofschlosser Johann Georg Oegg (1703 bis 1782), dessen Namen das Tor heute trägt. Nur zweimal wurde es im Laufe der Jahrhunderte für eine Restaurierung abgebaut. Zum ersten Mal wurde der kunstvoll geschmiedete eiserne Torbogen 1969 ausgebaut, zum zweiten Mal am vergangenen Wochenende. Damals wie heute wird er von der Würzburger Kunstschmiede Schrepfer wieder auf Vordermann gebracht.

Drei-Tonnen-Koloss abgebaut

Zwei Tage brauchten Kunstschmied Erik Hofmann, Inhaber der Würzburger Traditionskunstschmiede Schrepfer, und fünf seiner Mitarbeiter sowie sechs Angestellte der Steinmetzfirma Geisendörfer am Wochenende, um den fünf mal fünf Meter großen und 3,1 Tonnen schweren Bogen des Oegg-Tors auszubauen, ehe er mit einem Tieflader abtransportiert werden konnte.

Zunächst mussten die Steinfiguren von den beiden Pfeilern abmontiert und diese anschließend um 60 Zentimeter abgetragen werden. Erst dann konnte der Torbogen mit einem Kran aus seiner Verankerung herausgehoben und von einem Tieflader abtransportiert werden.

Der Abbau des Torbogens war notwendig, so Hofmann, denn hätte man versuchen wollen, ihn vor Ort zu reparieren, hätte der Rennweg zwei Wochen für den Verkehr gesperrt werden müssen. Außerdem wurden auch die beiden jeweils 400 Kilogramm wiegenden Oberteile an den seitlichen Durchgängen abmontiert, um sie ebenfalls zu renovieren.

Farbschichten als Rostschutz

Bei einer ersten Inspektion des Torbogens konnte Kunstschmied Hofmann keine gravierenden Korrosionsschäden feststellen. Grund dafür sei, dass relativ viele aufgetragene Farbschichten für einen guten Schutz gesorgt hätten. Oberflächlicher Rost wird jetzt zunächst bei einer Spezialfirma abgestrahlt. Anschließend erhält der Bogen eine neue Grundierung sowie eine neue farbliche Deckbeschichtung.

Jedoch gibt es allerhand „Kollateralschäden“ zu verzeichnen. Im Lauf der Zeit seien immer wieder mal kleinere Teile abgefallen oder durchfahrende Laster seien am Torbogen hängen geblieben und hätten Teile abgerissen. Die wurden eingesammelt, in der Residenz aufbewahrt und werden jetzt wieder anmontiert. Es gebe aber auch immer wieder Fälle, in denen an den Hofgartentoren Verzierungen aus reiner Zerstörungswut abgebrochen würden. Auch Souvenirjäger „bedienten“ sich hin und wieder an den schmiedeeisernen Kunstwerken, weiß Hofmann. Emissionen durch den Autoverkehr sieht Hofmann nicht als ausschlaggebend für die festgestellten Schäden an. Historische Substanz leide immer, wenn sie der Witterung ausgesetzt ist.

Weltweit fast einmaliges Kunstwerk

Für Kunstschmied Hofmann ist das Oegg-Tor „ein weltweit nahezu einmaliges Kunstwerk“, da es aus massivem Eisen gefertigt ist. Es müsse im 18. Jahrhundert „eine unglaubliche Schinderei“ gewesen sein, so etwas anzufertigen. Der Experte geht davon aus, dass damals alle 40 Mitarbeiter aus der Oegg-Werkstatt in der Kapuzinerstraße daran gearbeitet hätten. „Kultur- und kunsthistorisch ist das ein Knaller“, meint Hofmann. Eine Arbeit dieser Art und Form sei heutzutage unbezahlbar.

Wann die Instandsetzungsarbeiten abgeschlossen sind, kann der Kunstschmied zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau sagen. Vor Überraschungen könne man nicht sicher sein, meint er. Ziel ist es aber, dass die drei Kunstschmiede-Arbeiten bis zum Jahresende an ihren angestammten Platz zurückkehren können.

Ein Spezialkran hob den schmiedeeisernen Torbogen aus seinen Verankerung. Foto: Erik Hofmann
Ein Spezialkran hob den schmiedeeisernen Torbogen aus seinen Verankerung. Foto: Erik Hofmann Foto: Erik Hofmann
Das schmiedeeiserne Oegg-Tor neben der Residenz am Rennweg wurde am Wochenende abgebaut und wird jetzt von der Kunstschmiede Schrepfer renoviert. Foto: Thomas Obermeier
Das schmiedeeiserne Oegg-Tor neben der Residenz am Rennweg wurde am Wochenende abgebaut und wird jetzt von der Kunstschmiede Schrepfer renoviert. Foto: Thomas Obermeier Foto: Thomas Obermeier

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