Frickenhausen

Der gute Morgen: Franz Schmitt über die Sehnsüchte der Senioren

Die Corona-Krise als Herausforderung. In unserer Serie geben Menschen aus der Region positive Impulse für den Tag. Heute: Diözesanaltenseelsorger Franz Schmitt.
'Bleiben Sie gesund!' Wie an diesem Kino in Stuttgart begegnet einem dieser Wunsch häufig in der Corona-Krise.
"Bleiben Sie gesund!" Wie an diesem Kino in Stuttgart begegnet einem dieser Wunsch häufig in der Corona-Krise.
Foto: Sebastian Gollnow, dpa

"Und bleiben Sie selber gesund!" Geschätzte hundertmal habe ich diesen Satz in den letzten Wochen am Ende von zahlreichen Telefonaten gehört oder in der Flut der Mailnachrichten gelesen. Vielfach hatte ich bei Älteren in der Kirchengemeinde, bei Verantwortlichen der Seniorenkreise und der diözesanen Seniorenarbeit nachgefragt: "Wie geht es? Wie kommen Sie zurecht? Was macht Ihnen zu schaffen?"

Öfter kam die Antwort: "Man muss das Beste draus machen. Die Welt geht weiter. Es werden wieder bessere Zeiten kommen. Mir hilft jeden Tag das Gottvertrauen. Gut, dass die Kinder sich um uns sorgen und einkaufen."

Dekan Pfarrer Franz Schmitt Diözesanaltenseelsorger
Dekan Pfarrer Franz Schmitt Diözesanaltenseelsorger Foto: POW

Immer wieder kamen auch Sehnsüchte und Wünsche zur Sprache: "Hoffentlich geht das alles bald vorbei! Hoffentlich bleiben wir verschont. Wenn wir nur bald wieder unsere Enkel sehen könnten! Vielleicht lernt die Welt aus all dem etwas für die Zukunft! Vielleicht besinnt sich mancher wieder auf das Wesentliche und auch auf den Glauben."

Dann kam das Osterfest ohne die tiefgehende Festlichkeit und die kraftvolle Gemeinschaft der Gottesdienste. Mir wurde bewusst, wie wertvoll dieses Netzwerk der persönlichen Gespräche und Nachrichten für mich selbst ist. Und ich verstehe diesen Wunsch "Bleiben sie selber gesund!" nicht nur als Bitte, dass ich körperlich von dem Virus verschont werde. Gesund meint auch den tieferen, seelischen Sinn: Dass ich mir eine gesunde Einstellung bewahre zu mir selbst, zur Welt, zu den Herausforderungen, zu den Möglichkeiten jeden neuen Tages.

Inzwischen habe ich mir angewöhnt, am Ende von Telefonaten zu sagen: Versuchen wir gesund und munter zu bleiben, ermuntert und ermutigt für jeden neuen Tag!

Bestätigt hat mir das der aktuelle Musiktitel "Victoriam speramus". Ich habe ihn so übersetzt: "Die Zeit ist gekommen, den neuen Tag zu retten und zu beten: Wir hoffen auf einen guten Ausweg. Wir stemmen uns gegen die Panikmache. Wir wollen uns den freien Blick erhalten und sagen ja zu allem, was uns aufbaut. Wünschen wir uns mutiges Zusammenstehen!"

Franz Schmitt (65), Diözesanaltenseelsorger, Leiter der Dienststellen des Katholischen Senioren-Forums in Aschaffenburg, Schweinfurt und Würzburg und Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Emmaus Frickenhausen, Zeubelried, Erlach und Kaltensondheim. Dieser Beitrag gehört zur Main-Post-Serie "Der gute Morgen", in der in Zeiten der Corona-Krise Menschen aus Franken ihre positiven Gedanken aufschreiben und mit unseren Leserinnen und Lesern teilen.

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