Würzburg

Der gute Morgen: Susanne Wildfeuers Erinnerung an die guten Mächte

Die Corona-Krise als Herausforderung. In unserer Serie geben Menschen aus der Region positive Impulse für den Tag. Heute: Die evangelische Pfarrerin Susanne Wildfeuer.
Die evangelische Pfarrerin Susanne Wildfeuer.
Die evangelische Pfarrerin Susanne Wildfeuer. Foto: Dirk Nitschke/atelier zudem

Was trägt mich? Heute und durch die kommenden Tage? Ich kann nicht rausgehen, mich nicht mit Freundinnen treffen und erst recht nicht meine Mutter besuchen, obwohl die gerade jetzt einen Besuch so dringend nötig hätte. Das Leben beschränkt sich auf zuhause, vielleicht noch auf den Arbeitsplatz, wenn der nicht zum Homeoffice geworden ist. Wie lange kann das gut gehen? Wie können wir in Kontaktsperre, Ungewissheit und Angst gut bestehen? Mir hilft ein Gedicht des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, als Zuspruch und Ermutigung.

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Bonhoeffer hat diese Zeilen unter Kontaktsperre geschrieben: Im Gefängnis, in Einzelhaft. Briefe und Besuche seiner Familie und seiner Verlobten waren auf ein Minimum reduziert. Seine Zukunft war ungewiss. Am 9. April 1945 wurde er in Flossenbürg hingerichtet.

Bonhoeffers Gedicht als Begleitung

Das Gedicht von Dietrich Bonhoeffer begleitet mich seit vielen Jahren. Aber in einer Ausnahmesituation, wie wir sie gerade erleben, beginnt es für mich ganz neu zu sprechen. Weil es mich einlädt, meine Blickrichtung zu korrigieren und zu fragen, welche Mächte mir wirklich gut tun. Was gibt mir Zuversicht, wenn die Zeiten so unsicher und beängstigend sind? Wie kann ich diese Wochen überstehen, ans Haus gefesselt und dabei entweder einsam und alleine oder als Familie auf engem Raum zusammen?

Kontaktsperre. Und mitten drin die guten Mächte, die keine Kontaktsperre kennen. Die mir helfen, nicht zu verzweifeln und den Moment zu ertragen. Meine guten Mächte sind schon lange nicht mehr die Virus-Experten und die Corona-Statistiken. Meine guten Mächte sind meine Familie, sind Freundinnen und Freunde, die hier und anderswo an mich denken und mit mir verbunden sind.

Meine guten Mächte sind der überraschende Anruf meines Bruders, die Mail eines Kollegen, der seine Hilfe anbietet. Oder die Erinnerung an schöne Dinge, die ich erlebt habe und von denen ich jetzt zehre wie von den Farben des Sommers. Jeden Abend staune ich über die vielen guten Mächte, die mich tagsüber begleitet haben. Dann spüre ich das große Netz, in das ich eingewoben und in dem ich geborgen bin.

Das gibt mir die Zuversicht, dass es mit unserem Tun und Gottes Hilfe gut werden kann.

Susanne Wildfeuer (61) ist Pfarrerin an der St. Johanniskirche in Würzburg sowie Schulreferentin im evangelischen Dekanat Würzburg. Dieser Beitrag gehört zur Main-Post-Serie "Der gute Morgen", in der in Zeiten der Corona-Krise Menschen aus Franken ihre positiven Gedanken aufschreiben und mit unseren Leserinnen und Lesern teilen.

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