Würzburg

Der gute Morgen: Werner Vollmuth hört gerne zu

Die Corona-Krise als Herausforderung. In unserer Serie geben Menschen aus der Region positive Impulse für den Tag. Heute: Priesterseelsorger Werner Vollmuth.
Gerade in Zeiten der Corona-Krise haben viele Menschen ein Redebedürfnis. 
Gerade in Zeiten der Corona-Krise haben viele Menschen ein Redebedürfnis.  Foto: Symbolbild: Markus Scholz

Soll ich wirklich schon aufstehen? Es ist doch erst 6 Uhr, und ich habe keinen festen Termin. Aber ich freue mich daran, dass ich viel mehr vom Tag habe, wenn ich wie gewohnt aufstehe. Und wie schön ist es, Zeit zu haben für all das, was einen am Morgen erfreuen kann: Zeit zum Beten, Zeit zum Frühstücken, Zeit zum Zeitunglesen.

Werner Vollmuth, Priesterseelsorger der Diözese Würzburg.
Werner Vollmuth, Priesterseelsorger der Diözese Würzburg. Foto: Vollmuth

Solche und ähnliche Fragen haben sich in diesen Zeiten sicher schon viele gestellt. Viele haben dabei wohl auch gespürt, wie wichtig es für sie ist, tatsächlich eine gute Struktur zu haben.

Ich bin jetzt seit einiger Zeit Priesterseelsorger für unsere Diözese, und da käme es natürlich vor allem darauf an, Kontakte zu pflegen, sichtbar und hörbar zu werden für die Kollegen, damit Hilfen möglich werden, wenn sie nötig sind. Aber in diesen von Corona geprägten Zeiten ist das natürlich etwas komplizierter als sonst. Schließlich soll man Sozialkontakte auf das Notwendige beschränken. Und wer sagt einem, was wirklich notwendig ist? Ich habe also einen Brief geschrieben, in dem ich allen anbot, sich bei Bedarf zu melden. Schließlich kann ich ja nicht wissen, wer jetzt gerne Kontakt hätte.

Das gilt im Grunde für uns alle. Jede und jeder sollte die Möglichkeiten ergreifen und um Kontakt und Unterstützung bitten, wenn er/sie spürt: Das würde mir jetzt gut tun.

Der Rücklauf auf meine Briefe (inzwischen gab es einen zweiten) war überschaubar. Es waren vor allem Worte, die Dankbarkeit ausdrückten, dass ich mich gemeldet hatte. In verschiedenen Telefonaten kam zum Ausdruck, wie sehr es geschätzt wird, dass sich da einer interessiert für das eigene Wohlergehen. Wie gut es tut, wenn da mal jemand einfach Zeit hat und zuhört. Manch ein Kollege erzählte von den eigenartigen Gefühlen, allein oder mit nur wenigen "Auserwählten" Gottesdienst zu feiern. Manch einer berichtete auch erfreut über Initiativen in der Gemeinde, wie Austausch und gegenseitige Ermutigung erfahrbar wird.

Dafür lohnt es sich doch aufzustehen - im mehrfachen Sinn des Wortes.  Jeder Tag bietet so viele Chancen. Wir müssen sie nur entsprechend nutzen.

Werner Vollmuth (66) ist Priesterseelsorger der Diözese Würzburg. Dieser Beitrag gehört zur Main-Post-Serie "Der gute Morgen", in der in Zeiten der Corona-Krise Menschen aus Franken ihre positiven Gedanken aufschreiben und mit unseren Leserinnen und Lesern teilen.

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