WÜRZBURG

Der neue Kulturtafel-Verein will Theater- und Museumsbesuche möglich machen

Kein Geld in der Tasche? Der Kulturtafel-Verein will armen Menschen Theaterbesuche ermöglichen – wie hier im Mainfranken... Foto: ArchivThomas Obermeier

Dies zu vollbringen, war alles andere als einfach gewesen: Nach sechsmonatiger Vorbereitung hat eine Gruppe engagierter Würzburger den neuen Verein „Würzburger Kulturtafel“ gegründet. „Wir möchten das reichhaltige Kulturangebot in der Stadt für alle sozialen Schichten öffnen“, sagt Gründungsmitglied Pfarrer Gerhard Roth. Die Konzepte der Kulturtafeln in Bamberg, Schweinfurt, München und anderen Städten hatten als Anregung gedient, um ein für Würzburg stimmiges Konzept zu entwickeln.

Eintrittskarten für Badeanstalten, Beiträge für Sportvereine, Theater- oder Kinotickets – all dies ist für arme Menschen nicht oder nur schwer erschwinglich. In immer mehr Städten gibt es deshalb Sozialcards mit Vergünstigungen für Einkommensschwache. In einigen Kommunen haben sich zusätzlich Kulturtafeln etabliert. „Wobei wir den Begriff ,Kultur‘ sehr weit fassen“, sagt Roth. Er reiche von Sportveranstaltungen über Theater und Kino bis hin zu musikalischen Angeboten, Kursen und Vorträgen. Adressaten seien Empfänger von Hartz IV oder kleiner Rente sowie Menschen, die einen Ausweis für die Würzburger Tafel haben.

Aber lesen arme Menschen eigentlich das Feuilleton? Haben sie das Bedürfnis nach Theater? Sven Höhnke vom Theater am Neunerplatz, einer der Kulturpartner des neuen Vereins, kann die Frage nicht pauschal beantworten: „Ich möchte allerdings, dass ein Bedürfnis nach Theater keinesfalls am Eintrittsgeld scheitert.“ Da der Neunerplatz auch von Subventionen getragen wird, findet Höhnke es nur gerecht, der Kulturtafel zwei Eintrittskarten pro Vorstellung zur Verfügung zu stellen.

Und gerade Künstler, die oft genug gezwungen sind, mehr oder weniger von Luft und Liebe zu leben, sind offen für Projekte wie das der Kulturtafel. „Für unser Theater konnte ich Armut bisher zum Glück immer erfolgreich abwenden“, sagt Höhnke, in dessen „Neunerplatz“ im Oktober das offizielle Gründungsfest mit Kulturtafel-Schirmherrin Marion Schäfer-Blake gefeiert werden soll. Als weit gereister Mensch habe er jedoch andernorts Leute kennen gelernt, die sich ihr Brot nicht leisten konnten.

Für Jugendliche mit wenig „Kohle“ wäre es toll, einmal einen coolen Film im Kino sehen zu können. Doch noch ist kein Lichtspielhaus Kulturpartner der Tafel. Dafür machen Theater und Museen mit: „Wir haben das Mainfranken Theater, das Theater am Neunerplatz und das Theater Ensemble, einen Großteil der Würzburger Museen, das Bockshorn und die Stadtbücherei als Partner gewonnen“, zählt Roth auf. Von sportlicher Seite beteiligen sich unter anderem s.Oliver Baskets, Würzburger Kickers, Rimparer Wölfe und DJK.

Zum ersten Mal ein Theater zu betreten, das kann ein mulmiges Gefühl auslösen. Es braucht also Mutmacher, die Schwellenängste nehmen. Als solche fungieren die Sozialpartner der Kulturtafel – die Christophorus-Gesellschaft, die gemeinnützige Firma Brauchbar, die Diakonie und die Caritas sowie die Tafel-Läden. Roth: „Aktuell haben wir bereits rund 100 Interessierte für unsere Tafelangebot.“ Über eine Online-Datenbank sollen künftig alle Kulturtafel-Veranstaltungen für alle Interessenten erfasst werden. Roth: „Allein dafür benötigen wir allerdings monatlich 70 Euro.“ Solche Kosten müssen über Spenden finanziert werden.

Sind Menschen zu arm, sich in einer normalen Bäckerei Brot zu kaufen oder in einen normalen Supermarkt zu gehen, können sie seit langem bei der Lebensmittel-Tafel einkaufen. Zwischen Lebensmittel und Kultur gebe es jedoch einen bedeutenden Unterschied, sagt Roth: „Bei Lebensmitteltafeln bleiben die Betroffenen unter sich, in ihrem eigenen Milieu.“

Kulturtafeln führen dazu, dass sich die Wege von Arm und Reich kreuzen. Sie wollen bewusst eine Grenzüberschreitung wagen. Im Foyer des Theaters, dem Ausstellungsraum eines Museums oder im Konzertsaal sollen sich Menschen mit wenig und mit viel Geld begegnen, sagt Roth, „und Reichere sich durch diese Begegnung mit Ärmeren solidarisieren beginnen.“

Kulturtafel-Macher: Petra Grünsfelder, Ria Lukacs, Schriftführer Gerhard Roth, Hiltrud Sittarz, 2. Vorsitzende Elisabet... Foto: PAT CHRIST

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