WÜRZBURG

Deutscher Wirt in der ältesten Pizzeria Deutschlands

Lokal mit Tradition: Im Ristorante „Capri“ in der Elefantengasse steht ein Wirte-Wechsel kurz bevor.
Lokal mit Tradition: Im Ristorante „Capri“ in der Elefantengasse steht ein Wirte-Wechsel kurz bevor. Foto: Herbert Kriener

„Da Capri“ mit seiner „Blauen Grotte“ in der Elefantengasse ist die älteste Pizzeria Deutschlands. Die Gründer sind in Bildern verewigt auf der Fassade: Der Italiener Nick di Camillo, der vor einem Jahr mit 93 gestorben ist, und seine deutsche Frau Janina haben 1952 das Lokal eröffnet. Doch momentan ist hier kein Leben. „Wegen Krankheit und Geschäftsübergabe bis auf weiteres geschlossen“, heißt es an der Türe.

Doch die Wiedereröffnung wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das versichern zumindest die Besitzer des Hauses Biggi Seuffert und ihr Partner. Die Wirtsleute des „Postkutscherl“ nahe dem Eingang zum Steinbachtal haben das kleine Haus Ende 2014 komplett übernommen. Biggi Seuffert war selbst von 1993 bis 2000 Wirtin im „Capri“, bevor sie das Postkutscherl übernahm und mit ihrem Partner dort ein Hotel angliederte. Seitdem wurde das Capri vom „italienischen Jugoslawen“ Giovanni und von Andrea Christoph geführt. Die haben vor einiger Zeit in der Pleich das "Il Felice" übernommen und haben nun wegen der Doppelbelastung das Capri aufgegeben.

An Interessenten für die Nachfolge gab es keinen Mangel. Mit fast 20 Bewerbern mussten sich die Eigentümer auseinandersetzen. Die meisten Bewerber hätten nur Erfahrung im Service vorzuweisen gehabt, was den Eigentümern für eine sichere Zukunft des Traditionslokals zu wenig erschien.

Am Ende haben sie, wie sie sagen, aus drei guten Bewerber nun einen Deutschen mit viel Erfahrung in der Gastronomie gefunden, dem sie sofort ihr Vertrauen schenkten. Er will die Tradition des Hauses bewahren, aber auch mit neuen Ideen aufwarten. Der neue Betreiber werde sich in Kürze selbst vorstellen.

Die Wiedereröffnung werde nur noch wenige Tage auf sich warten lassen, versichern die Besitzer. Die Zwischenzeit nutzen sie, einigen Wünschen der Gewerbeaufsicht nachzukommen, für Investitionen in der Küche und kleine Renovierungsarbeiten. Am Stil des Ristorante soll aber nichts geändert werden.

Der Gründer des Lokals Nicolino di Camillo aus Chieti in den Abruzzen war nach dem Krieg mit den Amerikanern nach Deutschland gekommen, die ihn „Nick“ nannten. Im Nürnberger Opernhaus lernte er Janine Schmitt aus Würzburg kennen, die dort Ballett tanzte. Es hat sofort gefunkt zwischen den beiden. Beim gemeinsamen Besuch von Janines Eltern in Würzburg kam dem Italiener die Idee, ein Lokal zu eröffnen.

Janines Vater fand als geeignetes Objekt das „Uffenheimer Bräustüble“ in der Elefantengasse. Der eingeschoßige Bau stand damals wie eine Insel in der Ruinen. Am 24. März 1952 eröffneten sie ihre „Bier- und Speisewirtschaft“ mit dem Zusatznamen „Capri“. Auf die Außenwand ließ der junge Wirt „Sabbie die Capri“ schreiben, Sand von Capri also, was eine Verbindung der italienischen Insel zur Sanderstraße darstellen sollte.

Die erste Pizza wurde auf einem Kuchenblech im Gasbackofen gebacken: drei Mark das Stück, das Bier inbegriffen. Das Capri wurde schnell zum Renner, vor allem bei den Amerikanern. Kurz nach der Eröffnung kam auch Nicks Bruder Peppino nach Würzburg, der im Capri im Service tätig war und die Gäste auch mit Gesang unterhielt. Dessen Sohn Antonio betreibt heute die Pizzeria „Bei Peppino“ am Paradeplatz. 1956 ließ Nick di Camillo den Keller des Capri als „Blaue Grotte“ von Capri ausbauen.

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