WÜRZBURG

Die Bären-Retter von Würzburg

Sie haben sich einen „Bären ans Bein gebunden“: Christoph Riedmayer und Norbert Deßloch (rechts).
Sie haben sich einen „Bären ans Bein gebunden“: Christoph Riedmayer und Norbert Deßloch (rechts). Foto: Schmidt

Er hilft Straßenhunden und ausgesetzten Katzen, er unterstützt Tierheime, Gnadenhöfe, die Tiertafel . . . Norbert Deßloch ist ein großer Tierfreund. Nun will er auch noch einen Bären retten. Ledia heißt das Tier und sitzt in Albanien.

Aus dem Fernsehen habe er von dem Elend dieser albanischen Braunbärin erfahren, erzählt Norbert Deßloch. „Ledia ist etwa dreieinhalb Jahre alt und so lange sitzt sie auch schon in diesem Käfig, in dem sie sich gerade mal um die eigene Achse drehen kann.“

Der Käfig „steht auf dem Parkplatz eines ehemaligen Restaurants“, sagt Deßloch. Der Bär sei als Jungtier gefangen und dort eingesperrt worden, um Gäste anzulocken. Inzwischen ist das Lokal längst geschlossen, der Bär aber ist immer noch da. „Einmal in der Woche kriegt Ledia einen Eimer Wasser, ab und zu ein paar Gemüseabfälle oder altes Brot.“ Zudem liege der Parkplatz in einem Hochwassergebiet. „Wenn das Gelände überflutet ist, muss das Tier wochenlang auf den Hinterbeinen in seinem Käfig stehen, um nicht zu ertrinken.“

Die Bilder von Ledia sind Tierfreund Deßloch nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Und weil er ist, wie er ist, hat er sofort Kontakt zu Arpád von Gaál aufgenommen, dem Vorstandsvorsitzenden der „Gewerkschaft für Tiere“. Diese Organisation betreibt in Hart bei Bad Füssing einen Gnadenhof für Bären: Elf Hektar auf einem ehemaligen Munitionslager der Bundeswehr, mit Wald und Teichen und Höhlen, umgeben von einem Hochsicherheitszaun. 13 Bären, alle aus unwürdigen Verhältnissen in Kroatien, Italien, Spanien, Bulgarien und Litauen gerettet, leben hier. Und weil von Gaál grünes Licht für Ledias Aufnahme gegeben hat, kann die Bärin hier bald als 14. Bewohnerin einziehen.

Der Transport von Albanien nach Niederbayern ist teuer. Weil Ledia ihre Reise in ein besseres Leben weder mit dem Flugzeug, noch mit dem Schiff antreten darf, muss sie in einem klimatisierten Lkw geholt werden. Eine Woche wird die Fahrt dauern, zwei Fahrer sind vonnöten, ein Tierarzt muss mit an Bord sein. Dazu kommt der Zoll, den Albanien und Slowenien erheben. „Wir rechnen mit Kosten von rund 10 000 Euro“, sagt Norbert Deßloch.

Um die Summe zusammen zu bekommen, veranstaltet er einen Flohmarkt. Drei Schaufenster seiner Theaterparfümerie hat er derzeit mit allerlei Keramik, Modeschmuck, Bildern, Dekoartikeln und anderen Sachen bestückt. Der Erlös fließt komplett ins Bärenprojekt. „Wer noch hochwertige Flohmarkt-Artikel spenden möchte, kann sie gerne in die Parfümerie bringen“, sagt Deßloch, der die ersten 2000 Euro schon überwiesen hat.

In zwei Monaten soll Ledia nach Deutschland kommen. Damit das klappt, hat Deßloch einen zweiten Geschäftsmann ins Boot genommen: Christoph Riedmayer, Betreiber von zwei Kupsch-Märkten in Würzburg, der sich schon seit mehreren Jahren für gequälte Bären in Asien engagiert. „Für Ledias Rettung habe ich die Hilfe für die Bären in Asien kurz ausgesetzt“, erzählt Riedmayer. Bis die benötigten 10 000 Euro zusammengetragen sind, verkauft er Wein und Gummibären zu Gunsten der albanischen Bärin.

Wenn Ledia im Gnadenhof in Hart eintrifft, wird sie Aurora wiedersehen. Die beiden Tiere kennen sich. Aurora wurde auf demselben Parkplatz wie Ledia unter denselben erbärmlichen Bedingungen gehalten. Seit Anfang Juni lebt sie in Niederbayern. Und zum ersten Mal in ihrem Leben wird sie tierärztlich betreut und artgerecht ernährt. Sie kann in einem Teich baden, Gras unter den Pfoten spüren, in einer Höhle schlafen – und sie kann Ledia zeigen, wie schön ein Bärenleben sein kann.

Weitere Infos: Theaterparfümerie Deßloch Tel. 0931/51 55 0, www.gewerkschaft-fuer-tiere.de

Ein Bild des Jammers: Bärin Ledia in ihrem Käfig in Albanien.
Ein Bild des Jammers: Bärin Ledia in ihrem Käfig in Albanien. Foto: von Gaál

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