WÜRZBURG

Die Feuerwehr im Einsatz: Das Jahr 2016

Das Jahr 2016 war für die Feuerwehren geprägt von vielen Einsätzen unterschiedlicher Art. Diese Redaktion hat leichtere, schwere und kuriose Fälle herausgesucht.

Januar:

Ein rückwärtsfahrender Wagen löste auf der eisglatten Konrad-Adenauer-Brücke eine Kettenreaktion aus, weil er die Ausfahrt verpasst hatte. Ein hinter ihm fahrender Laster konnte nicht mehr rechtzeitig anhalten und fuhr auf das Auto auf. Dahinter war ein Lkw-Gliederzug unterwegs, der auf die Gegenfahrbahn geriet und dort mit einem Sprinter kollidierte. Die Feuerwehr musste den Sprinter vor dem Absturz sichern und rettete die verletzte Fahrerin mit der hydraulischen Schere aus dem Transporter.

Februar

Am Hauptportal des Würzburger Bahnhofs kletterten zwei Aktivisten mit einer professionellen Ausrüstung an den Säulen hoch und hängten in etwa 16 Metern Höhe ein Plakat auf: Der Protest richtete sich „Gegen den sexistischen Normalzustand“. Die Bundespolizei bat die Feuerwehr um Amtshilfe. Man befürchtete ein Hängetrauma. Über eine Drehleiter sprach man mit den Aktivisten. Die seilten sich freiwillig nach einiger Zeit ab, direkt in die Arme der wartenden Polizei.

März:

Unbekannte hatten drei der hohen Sandstein-Figuren auf der Alten Mainbrücke verunstaltet. Ein Heiliger hatte eine Warnbake unter dem Heiligenschein klemmen, die anderen zwei hielten eine Wein- und eine Bierflasche in den Händen. Die Berufsfeuerwehr stellte eine Leiter an und befreite die Heiligen.

April:

Über die Notrufnummer 112 teilte eine Mutter mit, dass sich ihr 19 Monate alter Sohn im abgesperrten Auto befindet. Handtasche nebst Fahrzeugschlüssel waren im Innenraum. Die Berufsfeuerwehr versuchte, Türen und Kofferraum des Audi A3 mit entsprechendem Werkzeug und einer speziellen Technik zu öffnen. Nach einigen Versuchen gelang das auch. Der kleine Junge wurde unverletzt der überglücklichen Mutter übergeben.

Mai:

Was für eine Aufregung: In einer Bar am Sternplatz hatte es einen Stichflammenbrand gegeben. Die Berufsfeuerwehr betreute vier Menschen mit Brandverletzungen, bis die Rettungsdienste eintrafen. Acht Personen kamen mit dem Schrecken davon. Ein Mitarbeiter einer Bar hatte brennende Ölschalen direkt aus dem Ethanolkanister nachgefüllt. Unsachgemäß, wie die Brandspezialisten sagen.

Juni:

Ein Löschfahrzeug der Berufsfeuerwehr war ganz in der Nähe, als auf dem Stadtring Süd im Kreuzungsbereich Walther- und Salvatorstraße ein schwerer Auffahrunfall passierte zwischen einem Laster und einem Auto. Die Helfer waren schnell vor Ort. Die Feuerwehrbesatzung begann sofort mit der Befreiung der eingeklemmten Person. Das Fahrzeugdach wurde zum Teil zurückgeklappt, um den Mann zu befreien. Doch der Notarzt stellte nur noch den Tod des Fahrers fest. Die spätere Obduktion ergab dann, dass der Fahrer nach einem körperlichen Problem über dem Steuer zusammengebrochen war.

Juli:

Der Terroranschlag von Würzburg.

August:

In der Nacht rückten die Freiwillige Feuerwehr Rottenbauer und ein Löschzug der Berufsfeuerwehr zu einem Anwesen in der Schloßhecke aus: Dachstuhlbrand in einem Wohnhaus. Als die Einsatzkräfte eintrafen, sahen sie auf dem Dach eine brennende Matratze. Der Bewohner hatte das Feuer bemerkt und die Matratze aus dem Fenster geworfen. Dabei fingen Teile des Daches Feuer, die Wohnung war verraucht. Ein Trupp ging mit Atemschutz in die Wohnung, die anderen Brandexperten löschten über die Drehleiter auf dem Dach.

September:

Eine brennende Wiese unterhalb der Steinburg führte zu einem weithin sichtbaren Feuerschein. Innerhalb weniger Minuten gingen daher über 50 Notrufe bei der Leitstelle ein. Im Einsatz waren die freiwilligen Feuerwehren Würzburg, Versbach, Unterdürrbach und natürlich die Kräfte der Berufsfeuerwehr. Der Brandherd war gut sichtbar, durch die engen Weinbergwege aber schwer zu erreichen. Mit einem massiven Löschangriff wurden die Flammen unter Kontrolle gebracht. Die Brandexperten verhinderten ein Übergreifen der Flammen auf die direkt angrenzenden Rebstöcke. 90 Feuerwehrkräfte mit 17 Fahrzeugen waren vor Ort.

Ein Rohrbruch im Haugerring setzte Straße und Keller unter Wasser. Als die Feuerwehr kurz nach 8 Uhr dort eintraf, bot sich ein ungewohntes Bild. Die Fahrbahn stand über alle Fahrstreifen knapp 40 Zentimeter unter Wasser. Weitere Anrufer meldeten der Leitstelle, dass in der Haugerglacisstraße Keller unter Wasser standen. Mit Verstärkung sperrten die Einsatzkräfte den Haugerring sowie die angrenzende Straßenbahnlinie. Den Stadtwerken gelang es, die Schieber der Leitung zu schließen und das Wasser zu stoppen. Die Straße musste gereinigt werden und war dann nur eingeschränkt für den Verkehr nutzbar, weil ein großes Loch in der Fahrbahndecke klaffte.

In den Kellern stand das Wasser bis zu 1,5 Meter hoch. Sechs Pumpen waren nötig, um die Räume von den Wassermassen zu befreien. Der Aufwand war beträchtlich: An der Einsatzstelle waren 22 Kräfte von Berufs- und freiwilliger Feuerwehr mit sieben Fahrzeugen.

Oktober:

Vier Autos waren an einem schweren Verkehrsunfall beteiligt, der sich kurz nach 7 Uhr auf der B 19 in Richtung Giebelstadt ereignete. Erste Hilfe leisteten sehr schnell noch vor den anrückenden Helfern ein Feuerwehr- und ein DLRG-Mitglied und eine Krankenschwester. Eine junge Fahrerin musste vorsichtig geborgen werden. Die Experten entfernten die komplette Seite des Unfallfahrzeuges. Nach einer Straßensperrung konnte der Rettungshubschrauber landen. Drei Unfallinsassen kamen verletzt ins Krankenhaus.

November:

In den Abendstunden bemerkten Anwohner in der Steinachstraße, dass aus einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses Rauch kam. Während des Notrufes befanden sich gerade Teams der Berufs- und freiwilligen Feuerwehren aus Ober- und Unterdürrbach wegen einer Ölspur in Oberdürrbach. Als sie ankamen, sahen die Brandbekämpfer hinter einem Fenster im 3. Stock einen Feuerschein.

Kurz darauf barsten die Scheiben und die Flammen drohten von der Wohnung auf den Dachstuhl des Gebäudes überzugreifen. Zunächst gelang es den Einsatzkräften fünf Bewohner unverletzt aus den Nachbarwohnungen in Sicherheit zu bringen. Der Brand konnte dann im Haus gelöscht werden. Die Einsatzkräfte mussten vom Nachbarhaus aus verhindern, dass der Brand über die Fassade auf den Dachstuhl übergriff. Schwierigkeiten machte der Feuerwehr jedoch die Lage des Gebäudes in zweiter Reihe ohne direkte Zufahrtsmöglichkeit. Schläuche und Geräte mussten über einen langen Weg zur Einsatzstelle gebracht werden. Ein Bewohner kam mit Verdacht auf eine leichte Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus.

Dezember:

In der Silvesternacht hatten die Floriansjünger gut zu tun. Siebenmal galt es, brennende Mülltonnen abzulöschen. Um kurz nach Mitternacht hatten dann mehrere Anrufer ein offenes Feuer auf einem Wohnhaus am Heuchelhof gemeldet. Der Feuerschein war auf dem Dach des Mehrfamilienhauses zu sehen. Der Brand auf einer Dachterrasse konnte zwar schnell gelöscht werden, die Nacharbeiten dauerten jedoch fast zwei Stunden, weil die brennenden Gegenstände wegen der Glimmgefahr zerlegt werden mussten.

Und Teile der Wärmedämmung mussten weg. Die Hausbewohner blieben alle unverletzt. Man betreute sie wegen der Kälte im Stadtteilcafé. In der Nacht notierte die integrierte Leitstelle für das Stadtgebiet sowie für die Landkreise Kitzingen, Main-Spessart und Würzburg zusammen 136 Einsätze.

Rückblick

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  46. Die Zugfahrt, die im Alptraum endete
  47. Keine jungen Flüchtlinge in Pflegefamilien
  48. Bahn will hunderte Sicherheitskräfte neu einstellen
  49. Die Angst vor dem Terror
  50. Axt-Attacke: Leiche des Täters noch nicht freigegeben

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