LANDKREIS WÜRZBURG

Die Fliege ist sein Markenzeichen

Den Windsor-Knoten kann er nicht: Also trägt Alexander Schraml, der an diesem Montag 50 Jahre alt wird, eine Fliege. Foto: Claudia Schuhmann

Als Vorstand des Kommunalunternehmens (KU) gehört Alexander Schraml zu den einflussreichsten Persönlichkeiten im Landkreis Würzburg. Er selbst sieht sich vor allem als Sachwalter der Interessen des Landkreises und seiner Bürger. Am heutigen Montag feiert der promovierte Jurist und Honorarprofessor seinen 50. Geburtstag.

Als Sohn eines Bauarbeiters ist Schraml in Weiden in der Oberpfalz aufgewachsen. Nach dem Jurastudium in Würzburg und einer zweijährigen Tätigkeit als Richter am Verwaltungsgericht hatte ihn der damalige Landrat Waldemar Zorn 1996 ans Landratsamt gerufen. Die Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe zur Reform der Landkreis-Verwaltung legte den Grundstein für sein heutiges Wirken.

Zwischen den Stühlen

1998 wurden die Ochsenfurter Main-Klinik, die Pflegeeinrichtungen des Landkreises und der öffentliche Personennahverkehr in eigene Gesellschaften unter dem Dach des Kommunalunternehmens ausgelagert. Schraml wurde an der Seite von Joachim Riedmayer zum Vorstand berufen und 2005 nach dessen Ausscheiden in den Ruhestand alleiniger Chef über die Landkreis-Holding. Inzwischen war auch die Müllentsorgung zum Aufgabenfeld des KU hinzugekommen.

Die Gesellschaften wirtschaftlich zu führen und auf Dauer als Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge zu erhalten, ist die wichtigste Aufgabe, die Schraml mit seiner Arbeit vorfolgt. Er tritt damit entschieden dem Trend zur Privatisierung wichtiger öffentlicher Einrichtungen entgegen. Der Landkreis nehme damit seine Gestaltungsaufgabe wahr. „Viele Kommunen sind nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen“, sagt er.

Seine Unternehmenspolitik brachte ihn aber auch immer wieder in Konflikt zu privatwirtschaftlichen Unternehmungen, etwa bei der Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrum an der Main-Klinik, oder in der Auseinandersetzung mit privaten Entsorgungsunternehmen um die Erfassung von Wertstoffen aus Privathaushalten. Auch persönliche Angriffe seien dabei nicht ausgeblieben, sagt er. „Man muss manchmal hart sein im Nehmen.“

Inzwischen sei in vielen Bereichen ein entspanntes Verhältnis zwischen dem KU und seinen privaten Partnern eingekehrt, etwa den regionalen Entsorgungsunternehmen oder den freiberuflichen Ärzten, die an der Main-Klinik tätig sind. „Der Landkreis nimmt seine Gestaltungsaufgabe wahr: dass er sich dazu privater Partner bedient, ist vollkommen in Ordnung.“

Der Erhalt der rund 800 Arbeitsplätze, die die Gesellschaften des KU bieten, sei dabei ein vorrangiges Ziel. Geprägt habe ihn da die familiäre Erfahrung. Als er 15 Jahre alt war, sei sein Vater aufgrund einer Firmenpleite arbeitslos geworden. „Ich weiß, was es heißt, wenig Geld zu haben und was ein verlässlicher Arbeitsplatz bedeutet“, sagt der Vater dreier Söhne. Die einfachen Verhältnisse aus denen er stammt, seien ihm bis heute eine hilfreiche Stütze, gerade im Umgang mit seinen Mitarbeitern.

Bayernweit bekannt

Für sein Credo einer gestaltungsfähigen öffentlichen Hand wirkt Alexander Schraml inzwischen auch über die Grenzen des Landkreises Würzburgs hinaus. So hat er die Genossenschaft Klinik-Kompetenz-Bayern mitbegründet – ein Zusammenschluss öffentlich-rechtlicher und gemeinnütziger Krankenhäuser und vertritt dort als einer von drei Vorständen die Interessen der kleinen Kliniken.

Ins Leben gerufen hat Schraml den Arbeitskreis ÖPNV der bayerischen Landkreise. Und für den Bundesverband der Kommunalunternehmen gehört er dem europäischen Ausschuss für die Abfallentsorgung an. „Das kostet natürlich irrsinnig Zeit“, sagt Alexander Schraml, „aber was ich dort erfahre, ist unbezahlbar.“ Möglich sei sein Engagement allerdings nur durch die gute Mannschaft in den KU-Gesellschaften.

Warum die Fliege?

Bleibt da noch das Geheimnis der Fliege, die für Alexander Schraml zum Markenzeichen geworden ist. Er trägt sie seit seiner Zeit als Verwaltungsrichter, weil dort ein vornehmer Kragenschmuck Pflicht sei und er keine Krawatten binden könne. Inzwischen sei sie für ihn zu einer Art Dienstmerkmal geworden. Ohne Fliege, da ist Alexander Schraml ganz privat.

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