WÜRZBURG

Die Frankenhalle bleibt Al Ghusains Vision

Kulturleute im Gespräch: OB-Kandidat Muchtar Al Ghusain (Mitte) sprach beim Wahlkampf-Stadtgespräch zum Thema Kultur mit (von links) Johannes Wolf, Christine Ott, Heike Mix und Willi Dürrnagel.
Kulturleute im Gespräch: OB-Kandidat Muchtar Al Ghusain (Mitte) sprach beim Wahlkampf-Stadtgespräch zum Thema Kultur mit (von links) Johannes Wolf, Christine Ott, Heike Mix und Willi Dürrnagel. Foto: PATRICK WÖTZEL

Bei seinem fünften „Stadtgespräch“ im Wahlkampf hat sich der OB-Kandidat von SPD und Grünen auf vertrautes Terrain begeben: In der kürzlich neu eröffneten „MS Zufriedenheit“, dem ehemaligen Lumen, im Kulturspeicher ging es Muchtar Al Ghusain um „Kultur für Würzburg“.

Passend zum Thema hatte der Kulturreferent und OB-Kandidat nicht nur Kabarettistin Heike Mix, Christine Ott vom Stellwerck-Verlag sowie Musiker und Kulturbeiratsmitglied Johannes Wolf eingeladen. Überraschend saß vor den gut 90 Zuhörern auch ein Vertreter der politischen Konkurrenz rechts außen auf der kleinen Bühne. Eingeladen war er allerdings in seiner Funktion als Vorsitzender des Verschönerungsvereins und der Max-Dauthendey-Gesellschaft und nicht als Mitglied der CSU-Stadtratsfraktion, wie Willi Dürrnagel betonte.

Wie nicht anders zu erwarten, drehte sich ein Großteil der zweistündigen Veranstaltung um die Irrungen und Wirrungen in Sachen Sanierung des Mainfranken Theaters. Dürrnagel machte seinem Ärger darüber Luft, dass dem Stadtrat die Kostenexplosion von 22 Millionen Euro auf 40 bis 47 Millionen Euro monatelang verschwiegen worden war: „Ich bin enttäuscht von allen Referenten und den Bürgermeistern. Es ist schlimm, dass man das geheim gehalten hat.“

Andererseits sei es nicht Aufgabe des Kulturreferenten, auf die Kosten der Sanierung zu achten: „Das ist Sache des Baureferenten“, so Dürrnagel. Es sei nicht um eine Geheimhaltung der gestiegenen Kosten gegangen, betonte Muchtar Al Ghusain noch einmal: Die neuen Zahlen seien im Frühjahr Oberbürgermeister Georg Rosenthal und allen Referenten präsentiert und von allen gemeinsam zurückgewiesen worden. Als der Stadtrat dann im Juni das Projekt Frankenhalle stoppte, „da war uns allen klar, dass die bisherigen Pläne für das Mainfranken Theater Makulatur waren. Durch die Eskalation der vergangenen Tage ist eine Situation entstanden, die keinem nützt. Am allerwenigsten dem Theater“, so Al Ghusain.

Seine Gäste auf dem Podium und die Zuhörer sprachen sich für die Sanierung der denkmalgeschützten Frankenhalle und ihre Nutzung als Spielstätte nicht nur für das Dreispartenhaus aus. „Auch wir von der freien Szene hatten gehofft, dort Produktionen machen zu können“, sagte Heike Mix. Dass Willi Dürrnagel als Denkmalschützer in Sachen Frankenhalle anders denkt als seine CSU-Fraktion, ist nicht neu: „Ich bin von den OB-Kandidaten enttäuscht, die sich von der Frankenhalle distanzieren, obwohl sie am Anfang dafür waren. Einschließlich Herrn Schuchardt“, fügte Dürrnagel an.

Muchtar Al Ghusain hat nach eigenen Worten seine Vision von der sanierten Frankenhalle als Ergänzung des Kulturquartiers am Alten Hafen noch nicht aufgegeben. Bei der Mozartschule in der Hofstraße, die nach aktueller Beschlusslage des Stadtrats komplett abgerissen werden und einer „Residenzgalerie“ weichen soll, kann er sich zumindest den Erhalt des Gebäudeteils an der Hofstraße vorstellen. „Wir müssen auch der Architektur aus den 50er Jahren ihren Platz in der Stadt geben.“ Er wünscht sich außerdem zusätzliche Ausstellungsräume in der Stadt, „die den Druck von den Galerien wegnehmen“. Es gebe „noch viel Potenzial in der Kulturszene, das wir nicht abrufen können“, so Gesprächsleiter und Kandidat Al Ghusain.

Unter anderem fehlt ihm im Innenstadtbereich ein Museum zur jüngeren Stadtgeschichte ab dem 20. Jahrhundert. Johannes Wolf sieht die Mozartschule ebenfalls dafür geeignet, „um in die Stadt einzuführen“ oder – nach dem Vorbild des „Literaturhaus“ in München – Literatur zu präsentieren. Es wäre auch einer der Orte, wie ihn Christine Ott sich wünscht: „Wo gibt es in Würzburg noch Räume, in denen junge Kultur wachsen kann?“

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