WÜRZBURG

Die Innenstadt ist eine große Spielwiese

Kinderfest in der Würzburger Innenstadt: Die fünfjährige Nellie lässt sich fantasievoll schminken. Foto: Pat Christ

Zarah steckt ihre kleine Nase ganz nahe an den durchlöcherten Deckel des Holzkästchens und riecht vorsichtig daran. Was sich da drin wohl befindet? Das zu erraten, war nicht allzu schwer für das 14 Woche alten Mädchen, das mit seinem Papa Daniel Platzgummer am Sonntag zum 41. Internationalen Kinderfest kam:,„Da drin befindet sich Zitronenmelisse. Und die kennt Zarah vom Garten ihres Opas“, so Platzgummer am Stand des Waldkindergartens Baumhaus.

Mehr als 80 Organisationen engagierten sich in diesem Jahr für das Kinderfest. Organisiert wurde es von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) zusammen mit dem Regionalstudio Mainfranken des BR und der Fachabteilung Kinder-, Jugend- und Familienarbeit der Stadt Würzburg. Auf dem Marktplatz, im Rathausinnenhof und in der Schörnbornstraße gab es für große und kleine Besucher jede Menge zu erleben, neu zu entdecken und auszuprobieren. 27 000 Besucher kamen laut Schättzungen der Veranstalter.

So ließ sich die fünfjährige Nellie am Unicef-Stand fantasievoll schminken. „Seit wir in Würzburg leben, kommen wir jedes Jahr zum Kinderfest“, berichtete ihre Mutter Agnes Wong. Nellies Mama stammt aus Malaysia. Vor fünf Jahren zog sie, kurz vor Nellies Geburt, nach Würzburg. Diese Wahl habe sie noch keinen Tag bereut, so Agnes Wong. Ihr gefällt das internationale Flair Würzburgs. Schlechte Erfahrung als Ausländerin hat sie in der Stadt noch nie gemacht. Gerade auch am Kinderfest schätzte die Südostasiatin die internationale Ausrichtung.

Fotoserie

Intern. Kinderfest

zur Fotoansicht

Wie mühsam es ist, mit der Laubsäge eine Figur aus Holz herauszusägen, erlebte der fünfjährige Jonas in der Kreativen Holzwerkstatt des KupschackerClubs. Während sich der Junge auf Papas Schoß millimeterweise vorwärtssägte, informierte sich seine Mama Karina Kuhn, was hinter dem KupschackerClub steckt: „Denn den kenne ich noch gar nicht.“ Der KupschackerClub, informierte Pädagoge Hans Meyer am Stand, ist eines von vielen Projekten des „Fördervereins Abenteuerland“. Auch der Spielgarten Heuchelhof und der Jugendtreff „Downstairs“ in Rottenbauer werden von dem Verein getragen. Seit Januar ist das Team außerdem in der Flüchtlingsarbeit in Heidingsfeld aktiv.

Der Reinerlös des 41. internationalen Kinderfests fließt diesmal nach Pakistan. Dort setzt sich DAHW-Lepra-Ärztin Chris Schmotzer vom evangelischen Orden der Christusträger-Schwestern im „Rawalpindi Leprosy Hospital“ für unterernährte, extrem arme Tuberkulosepatienten ein. Vor allem auch tuberkulosekranke Kinder werden in der Klinik behandelt. „Bei Kindern ist Tuberkulose wesentlich schwerer festzustellen als bei Erwachsenen“, erläuterte DAHW-Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg. Hinzu kommt das Problem, dass die Kinder noch weitere Krankheiten haben und oft auch unterernährt sind.

In Pakistan erkranken laut von Wiedersperg jedes Jahr über 400.000 Menschen an Tuberkulose. 35.000 davon sind Kinder. Das DAHW möchte 80 dieser Kinder aus armen Familien ein Jahr lang behandeln. Dafür müsste die Organisation 7.000 Euro aus dem Kinderfest einnehmen. In den vergangenen Jahren warf das Fest jährlich etwa diese Summe ab.

Dafür, dass die Einnahmen sprudelten, sorgte die achtköpfige Familie von Fazilat Munir Khawaja. Seit 1973 lebt die Pakistanerin in Würzburg. Am Imbissstand der Muslima gab es von ihr zubereitetes „Channe Chat“ (Kirchererbsensalat) sowie „Dhaal Chaval“ (Reis mit Linsen) zu probieren. „Wir engagieren uns jedes Jahr für das Kinderfest“, erläuterte ihr Sohn Farid Khawaja. Dass die Einnahmen diesmal nach Pakistan fließen, findet seine Schwester Mubarikah Okawu sehr gut: „Viele Menschen in Pakistan sind arm. Bei Besuchen habe ich Leute gesehen, die in elenden Hütten am Straßenrand lebten.“

Mit dem Zusammenhang zwischen Armut und Krankheiten beschäftigt sich auch Nikolai Scheuplein. Der 25 Jahre alte Präsident des Leo-Clubs Julius Echter Würzburg, dem 30 junge Leute angehören, studiert in Würzburg Chemie mit dem Schwerpunkt Medizin. Aktuell befasst er sich mit Medikamenten gegen Tropenkrankheiten. Das Tragische bei Infektionskrankheiten wie Tuberkulose sei, dass eigentlich niemand mehr daran sterben müsste, so der Student: „Wenn nur das Geld da wäre, um alle Menschen zu behandeln.“

Die Jugendorganisation des Lions Clubs unterstützte nicht zum ersten Mal das Internationale Kinderfest. „Wir tun das jedes Jahr gerne, weil wir wissen, dass die Erlöse über das DAHW direkt bei den Ärmsten der Armen ankommen“, so Scheuplein. Für einen Euro durften Kinder am Stand des Clubs das Glücksrad drehen. Zahlreiche Mamis und Papis warfen zusätzlich noch ein paar Cent in die bereitstehende Spendendose ein.

Schlagworte

  • Würzburg
  • Pat Christ
  • Evangelische Kirche
  • Hans Meyer
  • Kinderfeste
  • Schwindsucht
  • Stadt Würzburg
  • Tropenkrankheiten
  • Tuberkulosepatienten
  • Unterernährung
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!