BURGGRUMBACH

Die Kirchturmuhr ist wieder da

Arbeit in schwindelnder Höhe: Das Ziffernblatt für die Westseite des Burggrumbacher Kirchturmes wird mit einem Kran nach oben gebracht. Foto: Rainer Weis

Zwei Gebäude ragen aus dem Burggrumbacher Häusermeer heraus. Das sind zum einen die Burg und gleich daneben der Echter-Turm der Pfarrkirche St. Martin, gebaut von 1602 bis 1608. Er wurde 1613 eingeweiht und ist ein Zeugnis der Gegenreformation, die Julius Echter von Mespelbrunn (1545-1617) angeführt hat. Turmhaube und Turmuhr sind jetzt saniert worden.

Die Turmhaube wurde über die langen Jahre mehrfach neu eingedeckt, immer aber blieb ihre äußere Form und Bedachung mit Schieferplatten erhalten. Nicht bekannt ist, wann die Kirchturmuhr eingebaut wurde. Bekannt ist nur, dass früher das Uhrwerk noch jeden Tag von Hand aufgezogen werden musste.

Ein Hinweis, dass das mechanische Uhrenwerk durch ein elektrisches ersetzt wurde, findet sich auf der Rückseite eines alten Zifferblattes. Dort steht „Am 9. und 10.1.75 wurden alle vier Zifferblätter mit Zeiger und Antrieb montiert. Die Arbeit führte die Firma Perrot (Calw) im Auftrag von Zitter und Nees Würzburg aus. Es halfen mit Richard Schraud, Emil Schraud und Horst Göbel“.

Wind und Wetter hatten über die Zeit der äußeren Anlage stark zugesetzt, sodass Rostnasen an der Turmwand herunter liefen. Vor rund fünf Jahren beobachtete der sehr aufmerksame Kirchenpfleger Robert Förster bei seinen Rundgängen, dass die 1960 vorgenommene Dacheindeckung am Turm undicht ist. In der Folgezeit hatte er die Verantwortlichen immer wieder auf die Schäden aufmerksam gemacht und auf die möglichen Folgeschäden im Kircheninneren hingewiesen. Daraufhin hatte die Kirchenverwaltung entschieden, das defekte Turmdach zu sanieren.
Alle Uhrteile wurden neu beschafft

2013 wurde der gesamte Turm eingerüstet und mit der Sanierung begonnen. Dabei wurden alle schadhaften Teile wie Balken oder Eindeckung entfernt und durch neue ersetzt. Ebenso wurden  Kirchturmkugel und Kirchturmkreuz einer Restaurierung unterzogen. Bei der Kirchturmuhr wurde schnell klar, dass die stark korrodierten Zeiger und Zifferblatt nicht zu retten seien. Man beschloss, alle Teile einschließlich des Antriebs neu zu beschaffen.

So besteht das neue Ziffernblatt der Pfarrkirche aus einem vier Millimeter starken Aluminiumblech mit einem Durchmesser von 1,8 Meter. Es ist zweifarbig Acryllack lackiert, wie er in der Autoindustrie verwendet wird. Der innere Kreis ist rot, der äußere Ring mit den Ziffern ist schwarz. Die zwölf römischen Ziffern von I bis XII sind aus 23-Karat-Blattgold. Die Zeiger sind ebenfalls mit Blattgold überzogen.

Die gesamte Arbeit wurde wieder von Fachkräften der Firma Perrot aus Calw ausgeführt. Zur Montage stand ihnen ein Kran mit hydraulischer Montagebühne zur Verfügung, die sie auf die Höhe von 19 Meter brachte. Dort oben wurde zuerst das Ziffernblatt auf die Mittelachse zum Uhrenwerk zentriert und mit acht Schrauben befestigt. Im Turm wurde inzwischen das Motor-Zeiger-Triebwerk montiert, sodass durch das Mauerwerk hindurch nun die Zeiger von außen in der Zwölf-Uhr-Stellung auf die Antriebswelle aufgesteckt und befestigt werden konnten.

Die vier neuen Motor-Zeiger-Triebwerke werden von der Funkhauptuhr, die im Oktober 2004 von der Firma Rhöner Turmuhren (Sondheim/Rhön) eingebaut wurde, sekundengenau gesteuert. Die Funkhauptuhr empfängt das Signal vom Zeitzeichensender DCF77 in Mainflingen bei Frankfurt am Main.

Einen vollen Tag benötigten die Monteure, um alle vier Uhrwerke auf jeder Turmseite zu montieren.  Kirchenpfleger Robert Förster ist froh, dass nach drei Jahren nun die komplette Renovierung des Turms abgeschlossen ist.

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