WÜRZBURG

Die „Lesehörnchen“ kommen ans Krankenbett

Eleonore Klußmann und Saskia Wabnitz lesen mit Erik auf der Station „Tanzbär“ der Kinderklinik am Mönchberg eine spannende Bilderbuch-Geschichte.
Eleonore Klußmann und Saskia Wabnitz lesen mit Erik auf der Station „Tanzbär“ der Kinderklinik am Mönchberg eine spannende Bilderbuch-Geschichte. Foto: Pat Christ

Was haben der Affe Anton, das Nilpferd Nora und der Frosch Fred gemeinsam? Alle freuen sich aufs Abc-Fest! Doch bis die ganze Meute dort ist, dauert es noch. Wäre ja auch zu schade, wenn die Geschichte zu bald schon zu Ende wäre. Das jedenfalls findet der kleine Erik, der es sichtlich genießt, dass ihm die „Lesehörnchen“ Eleonore Klußmann und Saskia Wabnitz auf der Station „Tanzbär“ der Kinderklinik am Mönchberg in Würzburg eine seiner liebsten Bilderbuchgeschichten vorlesen.

Bei den „Lesehörnchen“ handelt es sich um ein Projekt des Stadtjugendwerks der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Würzburg, das im Frühjahr 2012 an den Start ging. 24 Ehrenamtliche engagieren sich dafür aktuell. Meist verwandeln sich Studierende mehrere Semester lang neben der Hochschule in „Lesehörnchen“. Eleonore Klußmann zum Beispiel, die das Projekt bei einer Erstsemestermesse kennen lernte, gehört den „Lesehörnchen“ seit einem Jahr an. Saskia Wabnitz stieß schon vor eineinhalb Jahren zum Projekt.

Vorlesen für die Fantasie

Die „Lesehörnchen“ kommen regelmäßig in die Kinderklinik am Mönchberg, um akut erkrankte Kinder sowie Kinder mit schweren chronischen Leiden und Behinderungen durch Geschichten zu erfreuen. Jedes Kind, finden die „Lesehörnchen“, sollte jemanden haben, der ihm hin und wieder vorliest. Das fördert die Fantasie. Es macht Lust, selbst einmal zum Buch zu greifen. Und ist einfach ein wunderschönes Erlebnis.

Nur haben heute nicht alle Eltern die Zeit und die Muße, ihren Kindern abends am Bett eine Geschichte vorzulesen. Manche müssen sehr spät noch arbeiten. Andere sind durch den Job am Abend völlig erschöpft. Damit auch solche Kinder in den Vorlesegenuss kommen, die keine Mama und keinen Opa haben, die sich Zeit für Bilderbücher oder Märchen nehmen, gehen die „Lesehörnchen“ zu den Kindern. Dies geschieht auf zwei Stationen der Kinderklinik am Mönchberg sowie einmal im Monat in der Würzburger Buchhandlung Hugendubel.

Eleonore Klußmann und Saskia Wabnitz haben vor, später einmal Sonderschullehrerinnen zu werden. Beide haben schon bei einem Freiwilligen sozialen Jahr Erfahrungen mit Kindern mit Behinderung gesammelt. Von daher war es für sie nicht schwierig, mit den kleinen Patienten der Station „Tanzbär“ in Kontakt zu kommen. „Gewöhnungsbedürftig waren anfangs nur die Maschinen, an denen einige Patienten angeschlossen sind“, sagt Klußmann. Denn die piepsen mitunter zur Geschichte.

Auf der Station „Tanzbär“ werden chronisch kranke und schwerstbehinderte Kinder, Jugendliche und vereinzelt auch junge Erwachsene behandelt. Viele Patienten, so auch der kleine Erik, sind sehr lange in der Klinik. Wie lange? Erik, der nicht sprechen kann, macht eine wegwerfende Handbewegung. Der Achtjährige vermag die Tage schon gar nicht mehr zu zählen. Gerade darum ist es für den Jungen so schön, dass ihn die „Lesehörnchen“ regelmäßig besuchen.

Kommen die beiden jungen Frauen in die Klinik, haben sie meist klassische Kinderbücher dabei. Klußmann zum Beispiel packte heute Astrid Lindgrens „Ferien auf Saltkokran“ ein. „Ich lese sehr gern Geschichten von Erich Kästner vor“, sagt Saskia Wabnitz. Heute zum Beispiel hat sie „Das fliegende Klassenzimmer“ im Gepäck. Doch sie lassen sich auch gern auf Ideen der Kinder ein.

So wünscht sich Erik heute die Geschichte von den Tieren, die zum Abc-Fest fahren. Auch wenn er nicht sprechen kann, versteht er alles. Erik deutet auf die Bilder der Tiere, die in der Geschichte gerade vorkommen. Wenn er will, dass Eleonore Klußmann vorliest, stupst er sie an. Mit dem nächsten Tier, dem Löwen Leo, soll Saskia Wabnitz weitermachen. Drum gibt er ihr einen Stups. Die beiden jungen Frauen lassen sich gern auf Eriks „Regieanweisungen“ ein. Hauptsache, der Junge hat Spaß!

Mehr Helfer erwünscht

Nicht bei allen Patienten der Station „Tanzbär“ weiß man, was von einer Geschichte ankommt. Während sich Erik durch Gesten verständlich machen kann, sind andere Kinder kaum fähig, zu kommunizieren. „Aber irgendetwas bekommen sie mit“, ist Klußmann überzeugt. Sie denkt an einen jungen Mann, der neulich, als sie zu ihm ins Zimmer kam, etwas „grummelig“ wirkte: „Ich hatte keine Ahnung, wieso.“ Die 21-Jährige ließ sich davon nicht abschrecken. Sie zog das mitgebrachte Buch heraus und begann, zu lesen: „Da hellte sich seine Miene plötzlich auf.“

Die „Lesehörnchen“ würden gerne weitere Ehrenamtliche gewinnen, die Spaß daran haben, mit Kindern lustige Geschichten zu entdecken. Gerade weil die meisten Freiwilligen Studierende sind, wechselt das Team oft. Um auf sich aufmerksam zu machen, stellen sich die „Lesehörnchen“ beim Würzburger Umsonst & Draussen vor, wo man sie in lockerem Rahmen kennen lernen kann.

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