Die Malerin im Stillen

Hommage: Ihre Kinder widmen der Tückelhäuser Künstler Elisabeth Freitag zum 10. Todestag ein Buch und eine Ausstellung im Klingentorturm.
Lebenslange Leidenschaft: Bis ins hohe Alter saß Elisabeth Clobes, geborene Freitag, noch regelmäßig in ihrem Tückelhäus... Foto: Fotos:

Karl Clobes ist in Unterfranken ein Begriff. Vor allem aus zahlreichen Kirchen kennen viele die Gemälde und Glasfenster des Tückelhäuser Künstlers. Die Tatsache, dass auch seine Frau Malerin war, rückt dagegen bisweilen in den Hintergrund. Marianne Guggenmoos, eine Tochter des Künstlerehepaares, möchte endlich auch ihre Mutter Elisabeth Freitag in den Vordergrund stellen und hat ein Büchlein über sie geschrieben.

Weil sich zudem der Todestag der Künstlerin in diesem Jahr zum zehnten Mal jährt, planen die vier Kinder außerdem eine Ausstellung mit Gemälden ihrer Mutter im Ochsenfurter Klingentorturm. Stephan Clobes, der das Elternhaus in Tückelhausen bewohnt, sichtet dafür schon seit einiger Zeit die Werke von Elisabeth Clobes, geborene Freitag.

Nach ihrem Studium an der Berliner Kunstakademie heiratete Elisabeth Freitag 1941 den Maler Karl Clobes. Nachdem das Paar in Berlin mehrmals ausgebombt worden war, zog die Familie nach Tückelhausen. Mit ihren vier Kindern hatte Elisabeth Freitag nach diesem Neubeginn in Unterfranken alle Hände voll zu tun und unterstützte zudem das berufliche Fortkommen ihres Mannes mit aller Kraft. Für ihre eigene Kunst blieb kaum noch Zeit.

Erst 1965, nachdem die Kinder älter waren, griff die Malerin wieder selbst zum Pinsel. Mit Ölfarben auf Kreidegrund hielt sie besonders gern Motive aus ihrem Lebensumfeld fest: Bilder der Landschaft und der Menschen, Eindrücke von Reisen, Stillleben. Ein häufiges Sujet ist der Blick aus dem Fenster. Aus diesem Grund ist auch das Büchlein über sie mit „Fenster-Bilder: Fenster-Blicke“ betitelt.

„Sie hatte ihren ganz eigenen Stil“, beschreibt Stephan Clobes die Werke seiner Mutter. Mit den eigentlich kräftigen Ölfarben gelangen Elisabeth Freitag leichte, pastellige und fast durchsichtig wirkende Bilder. Auch zu ihren Lebzeiten stellte sie immer wieder einmal ihre Gemälde aus. Eigentlich, sagt Stephan Clobes, habe sie aber mehr für sich selbst gemalt. „Anerkennung war nie wichtig für sie.“

Bis zu ihrem 90. Lebensjahr saß Elisabeth Freitag noch regelmäßig in ihrem Atelier in Tückelhausen und malte, was sie beschäftigte. Daneben hatte sie auch ein Faible für Lyrik entwickelt. Stephan Clobes' in Münster lebende Schwester hat deswegen nicht nur Bilder ihrer Mutter in das Büchlein aufgenommen, sondern auch deren liebste Gedichte.

Fotografien aus dem Leben der Künstlerin und einige Texte über sie vervollständigen das Buch, an dem Marianne Guggenmoss etwa zwei Jahre gearbeitet hat. Bei der Ausstellung im Klingentorturm wollen die Geschwister Clobes etwa 50 Bilder zeigen.

Die Ausstellung dauert vom 12. September bis 5. Oktober. Das Buch ist erhältlich im Buchhandel unter ISBN 978-3-924459-29-1.

Künsterpaar: Elisabeth Freitag und ihr Mann Karl Clobes 1984 im Atelier.
Eigener Stil: In ihrer Malerei blieb Elisabeth Freitag zeitlebens dem Expressionismus verbunden, wie dieses Werk aus dem...
Eigenes Sujet: Fensterblicke waren das beliebteste Motiv von Elisabeth Freitag.
Eigene Technik: Kräftige Ölfarben gewinnen durch den Kreidegrund eine zarte, pastellhafte Anmutung.

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