FRICKENHAUSEN

Die Marke Frankenwein weiterentwickeln

Wie schwer es ist, die unterschiedlichen Interessen der fränkischen Winzer zu vereinen, setzt das Stück „Die Findung“ originell in Szene. Im Bild (von links) Wendelin Grass (Divino Nordheim) als der Perfektionist, Hermann Schmitt (Weinbauverband) als der Modernist, Andreas Oehm (... Foto: Gerhard Meißner

Es ist ein enormer Aufwand, den der Fränkische Weinbauverband betrieben hat, um die Winzer von seiner neuen Markenoffensive zu überzeugen, die den Silvaner zum Inbegriff des Frankenweins machen will. Eigens dafür hatte man ein Theaterstück schreiben lassen. Und als Schauspieler standen genau die sechs Personen auf der Bühne, die sich 20 Monate lang über die Zukunft des Frankenweins intensiv Gedanken gemacht hatten – das Präsidium des Verbands samt dem Geschäftsführer.

Bei den rund 1600 Winzern, die das Stück in den acht Weinbaugebietsversammlungen gesehen haben, scheint die Botschaft angekommen zu sein. So zumindest der Eindruck nach der Schlussvorstellung im Ratskeller von Frickenhausen.

Aufstieg zu den Top-Weinbauregionen

Unter den Zuschauern Hermann Mengler, Kellerei-Fachberater beim Bezirk Unterfranken und einer der Väter der Qualitätsoffensive, mit der sich die fränkische Weinwirtschaft vor rund zwei Jahrzehnten aufgemacht hat, zu den Top-Weinregionen Europas aufzusteigen. Mengler hat auch an der neuen Vermarktungsstrategie mitgewirkt, die sich mit dem Motto „weniger ist mehr“ überschreiben lässt.

Statt Verbraucher mit einer Vielzahl von Werbebotschaften zu verwirren, will man sich in Franken künftig auf wenige unverwechselbare Kernbegriffe konzentrieren. Welche Begriffe dies sind, war die Hauptaufgabe während der 20-monatigen Findungsphase. Die Bodenständigkeit, der Kulturreichtum der Region, die Passion der Winzer für Perfektion, die tiefe Verwurzelung in der Geschichte und der fränkische Trias hat man schließlich als die elementaren Werte des fränkischen Weinlandes ausgemacht. Und den Silvaner als jenen Wein, der diese Werte am besten nach außen repräsentiert.

Bühnenstück statt Vortrag

Doch statt daraus einen nüchternen Vortrag zu machen, hat man den Stoff dem Berliner Autor Heiko Michels übergeben, der ihn in ein Bühnenstück kleiden sollte. Der Titel: „Die Findung – eine fränkische Gärung“. Sechs Wochen lang hat die Schauspielerin Silvia Kirchhof mit den Mitgliedern des Verbandspräsidiums geprobt, um daraus eine bühnenreife Inszenierung zu machen. So standen am Ende neben Weinbaupräsident Artur Steinmann seine vier Stellvertreter Horst Kolesch (Juliusspital), Bruno Kohrmann (Fränkisches Gewächs), Andreas Oehm (GWF) und Wendelin Grass (Divino Nordheim) sowie Verbandsgeschäftsführer Hermann Schmitt auf der Bühne.

„Persönlich hat mich die schauspielerische Leistung überrascht“, urteilt Hermann Mengler über die Protagonisten. Mit großer Geste führen sie vor Augen, wie sich vor Jahrmillionen Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper gebildet haben, erinnern an die Römer, die erste Reben nach Germanien brachten und den Abt Alberich Degen, der 1659 die erste Silvanerrebe in Franken hat pflanzen lassen.

Große Leistung von Regisseurin Kirchhof

Regisseurin Silvia Kirchhof ist es gelungen, aus Winzern ambitionierte Schauspieler zu machen. Doch dahinter steckt weit mehr als der reine Unterhaltungswert. „Die Botschaft so darzustellen und nicht, wie man es sonst gewohnt ist, in einem Vortrag, finde ich gut“, sagt Hermann Mengler, wobei der Aufwand natürlich um ein Vielfaches höher sei.

Dass die Botschaft auch angekommen ist, hätten ihn die Gespräche gezeigt, die er in den vergangenen Wochen mit Winzern geführt habe. „Bei vielen war der erste Eindruck: Oje, was hat das wieder für Geld gekostet, extra ein Stück schreiben zu lassen. Aber das hat sich nach fünf Minuten gelöst. Dann kam die Botschaft an.“

Die Botschaft, das ist vor allem der Appell, sich geschlossen hinter dem neuen Leitbild zu versammeln. Das sollte gelingen, hofft Weinbaupräsident Artur Steinmann. Schließlich habe man das Rad nicht neu erfunden, sondern die Markenbildung, die seit 20 Jahren in Franken betrieben werde, nur weiterentwickelt, auf das Wesentliche konzentriert und so besser kommunizierbar gemacht.

Unterschiedliche Interessen vereinen

Dass es trotzdem nicht einfach wird, die verschiedenen Charaktere unter den fränkischen Winzern zu vereinen, dessen ist sich Steinmann bewusst. Die unterschiedlichen Interessen von großen Weingütern, Genossenschaften und kleineren Winzerbetrieben spiegeln sich auch in der Besetzung des Verbandspräsidiums wider. Gerade deshalb seien die Proben an dem Stück so wertvoll gewesen, meint Wendelin Grass, Geschäftsführer der Genossenschaft Divino Nordheim. „Jede Probe war ein kleiner Teambuilding-Workshop“, sagt er. Jetzt muss der Funke, der die Verbandsspitze erfasst hat, nur noch auf die rund 4000 übrigen Winzer in Franken überspringen.

„Jede Probe war ein kleiner Teambuilding-Workshop.“
Wendelin Grass, Divino Nordheim
Der Schauspielerin Silvia Kirchhof aus Gerolzhofen ist es gelungen, aus den Präsidiumsmitgliedern des Fränkischen Weinba... Foto: Gerhard Meißner

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