Würzburg

"Die Niere": Schauspieler lassen keine Wünsche offen

Ein kranker Mann fühlt sich viel kränker als jede Frau. Foto: Gwendolyn von Ambesser

Wer hat das Vorrecht, eine Niere zu spenden? Arnold, ein erfolgreicher Architekt, und sein Freund Götz sind sich so gar nicht einig, wer Arnolds Ehefrau Kathrin diesen Liebesdienst erweisen darf, ja sogar muss. Und Diana, die Ehefrau von Götz, hat schließlich auch noch ein Wörtchen mitzureden.  Aus dieser ernsten Sachlage heraus hat Stefan Vögel mit „Die Niere“ eine Komödie entwickelt, bei der kein Auge trocken bleibt. Während der Premiere im Theater Chambinzky folgt ein Lacher dem anderen. Am Ende gilt der begeisterte Applaus der Zuschauer jedoch nicht nur der witzigen Vorlage des Erfolgsautors, sondern auch einem Schauspieler-Quartett, das alle Register zieht und keine Wünsche offen lässt.

Nierenerkrankung passt nicht in den Plan

Unter der bewährten Regie von Gwendolyn von Ambesser lassen die Vier einen tiefen Blick in die Abgründe menschlicher Charaktere zu, die sie in der gelungen komponierten Kulisse (Bühnenbild: Ulli Schäfer, Alexander Knoll, Oleg Mirtschin) blutvoll und bis ins Detail ausspielen. Uwe Bergfelder in der Rolle des Architekten Arnold hat gerade einen sensationellen Erfolg mit seinem 132 Meter hohen Diamant-Tower eingefahren. Er platzt nahezu vor Stolz über die 36 Stockwerke, will das gehörig mit Ehefrau und Freunden feiern. Da platzt die plötzliche Nierenerkrankung seiner Ehefrau in die Euphorie hinein, will so gar nicht zu seinem Bauplan passen. Peinlicherweise stellt sich die Frage: Was ist nun mehr wert, die Liebe zu seinem Turm oder die zu seiner Ehefrau?

Bergfelder zeigt mit unendlich vielen Schattierungen in Mimik und Gestik seine inneren Befindlichkeiten. Er versteckt sich trotz passender Blutgruppe hinter alle möglichen Ausreden, um seiner Frau keine Niere spenden zu müssen, steigert sich in Hysterien und malt Todesrisiken in den schwärzesten Farben. Doch andererseits übermannt ihn sofort die Eifersucht, als Freund Götz spontan "Ja" zu einer Spende sagt. Denn schließlich ist eine Nierenspende intimer als Beischlaf, und mit Schnick-schnack-schnuck-Spielchen, wer darf und wer nicht, ist auch nicht geholfen.

Gattin Diana lässt sich auf ein kleines Abenteuer ein

Wernher von Schrader gibt überzeugend den überlegten, seriösen, verlässlichen Freund Götz, den beinahe nichts aus der Ruhe bringen kann – es sei denn, er erfährt in den Wirren der Für-und-Wider-Diskussionen so ganz nebenbei Geheimnisse, die ihm absolut nicht munden können. Denn Gattin Diana hat sich während eines Kongresses in Barcelona auf ein kleines Abenteuer eingelassen. Plötzlich tun sich Risse auch in dieser Ehe auf. Daniela Vassileva ist von Kopf bis Fuß die liebenswürdige, elegante Frau bis zu dem Zeitpunkt, da ihr Ehemann ihrer Freundin Kathrin doch ein bisschen zu nahe kommt. Das verkörpert sie charmant und mit umwerfender Verve.

Diana (Daniela Vassileva) und Arnold (Uwe Bergfelder) haben eine ähnliche Einstellung zum Leben. Foto: Gwendolyn von Ambesser

Ihr steht Michelle Neise als vermeintlich erkrankte Ehefrau und Dianas Freundin in nichts nach. Sie hat gründlich die Nase voll von Arnold, will die Niere ihres Ehemanns nicht mehr, selbst wenn er sie eigenhändig mit einem Taschenmesser aus seinem Bauch schneiden würde. Dabei blitzt ihr die Raffinesse nur so aus den Augenwinkeln. Da nützt auch das heroische „Ein Mann - ein Wort - eine Niere“ nichts mehr. Letztendlich bleibt von der Freundschaft der vier lediglich ein Häufchen Elend und ein Häufchen Diamant-Tower übrig.

Schlagworte

  • Würzburg
  • Ursula Düring
  • Architekten und Baumeister
  • Ehe
  • Ehefrauen
  • Freunde
  • Freundschaft
  • Gwendolyn von Ambesser
  • Komödie
  • Liebe
  • Nierenerkrankungen und Nierenbeschwerden
  • Nierensystem
  • Theater Chambinzky
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!