ERLABRUNN

Die Nordkap-Tramper ziehen Bilanz

Stolz präsentieren (von links) Rick und Ron ein Elch-Geweih als Erinnerung an ihren Trip ans Nordkap, während Ralph Sandvoß und Jella Weidlich, Vertreterin des Vereins Vivovolo mit dem Buch des norwegischen Fotografen Tom Hatlestad posieren, das versteigert wurde. Foto: H. Ehehalt

Ihre Rückkehr vom nördlichen Ende des Kontinents liegt bereits ein paar Wochen zurück, doch Ralph Sandvoß und seinen Söhnen Rick (16) und Ron (elf) ist der emotionale Rausch der Reise noch immer anzumerken, wie sich jetzt beim Abschlussfest bestätigte. „Mit Hoffnung sind wir gestartet, und mit dem Gefühl von Freiheit zurückgekehrt. Bewusst und dankbar sind wir für die Rechte, die wir haben.“

Als Solidaritätstrip für Flüchtlinge war das Trio am 12. August von ihrem Heimatort Erlabrunn aus aufgebrochen zum Nordkap. Gespannt war das Trio vor allem wie viel Unterstützung, Solidarität und Menschlichkeit sie auf ihrem rund 3200 Kilometer langen Trip erfahren würden. Nach zehn Tagen schon, statt der kalkulierten 16 Tage, hatten sie ihr Ziel erreicht. Beim Abschlussfest lieferten die Tramper einen beeindruckenden Reisebericht.

„Es war oft wunderschön, manchmal schwer, manchmal eng.“
Ralph Sandvoß über den Solidaritätstrip zum Nordkap

Die Tour, die die drei Sandvoßs zum Nordkap führte, sollte wegen der vergleichbaren Entfernung auch ein Solidaritätstrip für Flüchtlinge sein. Wie aktuell Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Nordafrika auf der Flucht vor Krieg und Terror in ihren Heimatländern, war das Trio voller Euphorie aufgebrochen – und ganz schnell von der Realität und den sich überschlagenden Ereignissen eingeholt worden.

In Verbindung mit ihrer „Hoffnungsreise“ wie das Trio den Trip bezeichnete, hatten sie aufgerufen für Spenden zur konkreten Unterstützung für Flüchtlinge in Stadt und Landkreis Würzburg durch den Verein Vivovolo. Inklusive des Erlöses einer Versteigerung beim Abschlussfest durfte sich der Verein über 1700 Euro an Spenden freuen.

Nach amerikanischem Stil hatte Ralph Sandvoß eine Dokumentation des norwegischen Fotografen Tom Hatlestad versteigert. Als eine von mehreren besonderen Begegnungen hatte ihn das Trio im Verlauf des Trips kennen gelernt. Auf einer Reise mit ähnlichem Hintergrund von Norwegen nach Bangladesh hatte Hatlestad die unterschiedlichsten Menschen befragt zu ihrer Definition von Freiheit. Daraus entstanden war ein Buch mit dem Titel „Tracing Freedom“, in dem Hatlestad 169 Menschen portraitiert. Die Versteigerung des Bandes unter den Gästen des Abschlussfestes erbrachte 365 Euro für den Verein Vivovolo.

Unmittelbar mit der momentanen Präsenz der Flüchtlingsproblematik konfrontiert wurde das Trio auf seinem Weg zum Nordkap bei der Ankunft im südschwedischen Trelleborg. „Gerade der Fähre entstiegen, stießen wir auf ein Mahnmal für Kriegsflüchtlinge, die 1945 vor den Nationalsozialisten geflohen waren“, berichtete Ralph Sandvoß. Unter die Haut ging dem Trio auch die Fahrt mit einem ehemaligen Bundeswehrsoldaten, der in Afghanistan Dienst verrichtet hatte und von den Begleitumständen berichtete. Egal wer gerade eine Mitfahrgelegenheit anbot: das Thema Flüchtlinge war omnipräsent.

„Weitab von zuhause wurde mir und uns klar, dass es sich dabei weder um ein kontinentales, und schon gar nicht um regionales Problem handelt, sondern es sich mittlerweile als globale Herausforderung erweist“, teilte Ralph Sandvoß eine der Erkenntnisse des Trips.

Am 12. August, als Ralph Sandvoß mit seinen Söhnen Rick und Ron in Erlabrunn zum Nordkap aufbrach, war die auf Deutschland zurollende Flüchtlingswelle erst am Anfang. Mit dem Start verbunden war für das Trio auch ein bisschen das Gefühl von Heimatlosigkeit, wie es tausende von Asylbewerbern derzeit erleben.

Als Tramper wollten sich Vater und Söhne innerhalb von 16 Tagen durchschlagen bis zum Nordkap. Doch obwohl sie ihr Ziel schon nach zehn Tagen, am 22. August um 16.40 Uhr, schneller als erwartet, erreichten, schon auf dem Weg zur Autobahn an einer Tankstelle am Greinbergknoten in Würzburg wurde dem Trio schnell die Euphorie von Freiheit und Abenteuer genommen.

Nur wenige Kilometer entfernt vom heimatlichen Erlabrunn traten erste Schwierigkeiten auf. Ein Dienstfahrzeug der Polizei stoppte neben ihnen, um das Tramper-Trio aufzugreifen. Die Polizisten hatten einen Hinweis bekommen. „Es war schon problematisch den Polizisten klar zu machen, dass ein erwachsener Mann mit zwei Jungs per Anhalter unterwegs ist ans Ende Europas. Urplötzlich waren für mich Zweifel präsent, an die ich vorher nie einen Gedanken verschwendet hatte“, erinnert sich der Vater. Den anfänglichen Schwierigkeiten folgten jedoch besondere Erlebnisse und viele ergreifende Begegnungen.

Menschlichkeit und Unterstützung erfuhren sie durch eine Sami-Frau (vergleichbar den Aborigines Australiens), ebenso wie von einem Taxifahrer oder auch von einer Familie, die in ihrem Fahrzeug keinen Platz mehr hatte. Statt einer Mitfahrtgelegenheit erhielt das Trio 500 schwedische Kronen, etwa 60 Euro, zur Weiterfahrt mit dem Bus.

Und das Fazit ihrer Solidaritätstrips: „Es war oft wunderschön, manchmal schwer, manchmal fraglich, manchmal eng, oft aufregend und bisweilen ganz entspannt. Und obwohl der Sommer in Skandinavien nach Berichten von Einheimischen ungewöhnlich schlecht gewesen sein soll, standen wir in doppeltem Sinn aber nie im Regen. Nach wie vor werden wir im Alltag hier von Gedanken und Erinnerungen an die Erlebnisse unterwegs getragen.“

Spenden zur Unterstützung des Projekts sind möglich über das Spenden-Konto: Vivovolo e.V., Sparkasse Mainfranken, Verwendungszweck „Flüchtlingshilfe Nordkapp“, IBAN DE 09 7905 0000 0044 9364 90,

Weitere Informationen unter www.vivovolo.de oder www.twitter.com/hopeNordkapp.

Warten auf die nächste Mitfahrgelegenheit: Auch Geduld gehörte dazu, beim Solidaritätstrip für Flüchtlinge von Ralph San... Foto: Sandvoss

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