Ochsenfurt

Die Ochsenfurter Brauereien und Gaststätten

Fachleute beim Brauereivortrag: Frank Lindemann, Karl-Heinz Pritzl,  die Referenten Reinhard Fajen und Rudolf Ruhl, Dietrich Oechsner, Peter Wesselwosky, Hans Hugel und Dieter Hofmann.
Fachleute beim Brauereivortrag: Frank Lindemann, Karl-Heinz Pritzl, die Referenten Reinhard Fajen und Rudolf Ruhl, Dietrich Oechsner, Peter Wesselwosky, Hans Hugel und Dieter Hofmann. Foto: Toni Gernert

Das Thema  „Gewerbe in Ochsenfurt im 19. und 20. Jahrhundert“ wird zurzeit von den Mitgliedern des Arbeitskreises Geschichte Rudolf Ruhl und Reinhard Fajen intensiv untersucht. Die Ergebnisse sollen in einer Vortragsreihe präsentiert werden. Zum ersten Vortrag „Die Ochsenfurter Brauereien und Gaststätten“ hatten sich  in der Stadtbibliothek zahlreiche Zuhörer eingefunden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Eingangs erläuterte Rudolf Ruhl seine Arbeit bei der Dokumentation der Ochsenfurter Gewerbebetriebe im 20. Jahrhundert. Die Auswertung der Quellen sei eine Pionierarbeit gewesen. Es gibt keine vergleichbare Aufstellung über die Betriebe der Mainstadt. Er bedankte sich deshalb auch bei allen, die ihm Materialien zur Verfügung gestellt und ihn bei der Transkription der Originalschriften unterstützt hatten.

Reinhard Fajen stellte  anschließend kurzweilig die Geschichte der Ochsenfurter Brauereien vor: Während des Mittelalters und der frühen Neuzeit war Ochsenfurt ein Weinort und Bier ein Luxusgetränk. Etwa ein Drittel der Bevölkerung gehörte dem Winzer- und Häckerstand an. Die Besteuerung und die Aufsicht über die Biererzeugung und den Bierhandel war das Recht des Domkapitels als damaligen Stadtherren. Jede ungenehmigte Biererzeugung und Biereinfuhr waren verboten.

Im  schlechten Weinjahr 1793 kam dann  bei den Ochsenfurtern der Wunsch auf, eine eigene Brauerei innerhalb der Stadtmauern zu haben. Zudem war der Weinbau so stark zurückgegangen, dass die Bevölkerung nicht mehr ausreichend mit diesem Getränk  versorgt werden konnte. Das öffentliche Brunnenwasser war auf Grund der hygienischen Mängel kaum genießbar. 1797 präsentierte das Stadtratsmitglied Peter König dem erstaunten Stadtrat unerwartet die  Lizenz des Domkapitels,  für zwölf  Jahre Bier in der Mainstadt brauen zu dürfen. Damit verbunden war das alleinige Schankmonopol für Bier in der Stadt. Der Stadtrat war gegen den Beschluss des Domkapitels machtlos.

Peter König baute am oberen Tor die Königsche Brauerei und wurde der erste lizensierte Bierbrauer im Bärenbräu Ochsenfurt. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel übernahm 1918 die Firma Oechsner zuerst das Bierkontingent und 1936 das gesamte Anwesen des Bärenbräu mit Mälzerei und Bauernhof von Martin Schmidramsl.

Das Bärenbräu blieb nicht die einzige Brauerei in Ochsenfurt. 1805 entstand im ehemaligen domkapitelschen Saalhof in der Brückenstraße ein Gasthof mit Brauerei  „Zum (goldenen) Roß“, die aber nach wenigen Jahren wieder aufgegeben wurde. Das Anwesen mit Gaststätte ging  1847 in den Besitz des Getreidehändlers Josef Oechsner über.

Mehr Erfolg hatte 1809 im nördlichen Teil des Kastenhofes Karl Ehemann mit seiner Brauerei.  Er führte den Betrieb bis 1848 und übergab diesen dann an seinen ehemaligen Lehrling Johann-Jacob Gehring.  Mit wachsender Produktion wurde es der „Gehringsbrauerei“ in der Altstadt zu eng. 1892 begann Johann-Jacob Gehrings Sohn Heinrich mit der Aussiedlung des Betriebes in die Uffenheimer Straße. Die Brauerei wurde wegen der Nähe zum Kloster in „Klosterbäu“ umbenannt.  Unter den nachfolgenden Generationen der Gehringsfamilie entwickelte sich der Betrieb erfolgreich.

Die Nachkriegszeit stellte die junge Brauerei-Erbin Cläre Gehring vor große Aufgaben. Deren Eltern hatten den Krieg nicht überlebt und so leitete sie ab 1945 den Brauereibetrieb, der unter Treuhänderschaft stand. 1950 heiratete Cläre Gehring den Würzburger Dr. Heinz Pritzl, der bald die Leitung des Betriebes übernahm. Pritzl änderte 1971 den Namen der Brauerei auf Ochsenfurter Kauzen Bräu. Der  Kauz im Firmennamen erwies sich bis heute als wirksamer Werbeträger.

Mit Genehmigung des Ochsenfurter Magistrats wurde 1833 in der Brückenstrasse eine weitere Brauerei gegründet. Dem Gastwirt „Zum Anker“ Christian Heim wurde die Konzession erteilt, auf dem Gelände seiner Gastwirtschaft eine Brauerei, die „Anker-Brauerei“, zu errichten. Rund 40 Jahre später übernahm Dietrich Oechsner aus Frickenhausen den Betrieb. Einige Jahre später erwarb Oechsner  Grundstücke  im Bereich der Klinge und ermöglichte so eine Betriebsverlagerung an den Rand der Altstadt.

Der Neubau begann unter seinem Nachfolger Konrad Oechsner, der seit 1898 die Ankerbrauerei führte. Im Dezember 1936 erwarben Konrad Oechsner und dessen Sohn Konrad Dietrich bei einer Zwangsversteigerung die Brauerei und das Gasthaus „Zum Bären“. Das Gasthaus zum Bären ist bis heute ein beliebtes Hotel mit Restaurant im Besitz der Firma Oechsner.

Der Sprecher des Arbeitskreises Toni Gernert bedankte sich bei den Referenten mit einem Präsent aus dem Eine-Welt-Laden, da ihm das sonst übliche Weinpräsent bei diesem Vortragsthema unpassend erschien. Gleichzeitig lud er die Zuhörer  zu den kommenden Vorträgen ein, die ähnlich spannend und informativ wie die Geschichte der Ochsenfurter Brauereien werden sollten.

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