ERLABRUNN

„Die Rosi war ein Glücksfall“

Jung geblieben: „Es ist immer wieder faszinierend, dass selbst junge Leute die meisten unserer Lieder mitsingen können“, sagt Günther Sigl, Sänger der Spider Murphy Gang. Am 1. August tritt die Band beim TSV Erlabrunn auf. Das Konzert ist bereits ausverkauft. Foto: ArchivFelix Bauch

Die Spider Murphy Gang wurde 1977 in München gegründet. Von Anfang an und bis heute dabei sind Sänger und Bassist Günther Sigl sowie Gitarrist Gerhard Gmell alias Barny Murphy. Benannt wurde die Band nach dem fiktiven Gangster „Spider Murphy“ aus Elvis Presleys Hit „Jailhouse Rock“. Die Band versteht es, fetzigen Rock ’n‘ Roll mit bayerischen Texten zu mischen. Ihr größter Hit war 1981 „Skandal im Sperrbezirk“. Am Freitag, 1. August, wird die Spider Murphy Gang anlässlich des 140-jährigen Bestehens des TSV Erlabrunn ein Konzert im Festzelt am Sportgelände geben, das bereits ausverkauft ist. Ein Gespräch mit dem 67-jährigen Sänger Günther Sigl.

FRAGE: In den 80er Jahren seid ihr Stammgäste im Fernsehen gewesen. Was ist das für ein Gefühl, jetzt hauptsächlich in Festzelten zu spielen?

Günther Sigl: Wir machen das ja schon seit vielen Jahren und haben unsere Freude daran. Wir gehen dahin, wo das Publikum ist. Es ist immer wieder faszinierend, dass selbst junge Leute die meisten unserer Lieder mitsingen können. Klar, in den 80er Jahren waren wir die Könige der Hitparade und öfter bei Gigs im Fernsehen als irgendwo auf Konzerten. Aber die Neue Deutsche Welle ist ja auch wieder schnell verebbt, und große Charterfolge sind uns auch nicht mehr so gelungen. Aber das war kein Problem, wir waren schon immer eine Liveband, haben in Clubs in München oder auch in Würzburg gespielt. Daran haben wir uns erinnert.

Welche Erinnerungen haben Sie an Mainfranken?

Sigl: Oh, sehr gute. 1968 war ich bei der Bundeswehr in Veitshöchheim. Es war Sommer, die Gegend war schön, der Main romantisch – und am Wochenende waren wir in Würzburg in Clubs unterwegs.

Erlabrunn ist ein kleiner Weinort. Mögen Sie Wein oder sind Sie als Oberbayer eher Biertrinker?

Sigl: Ich trinke nur einmal im Jahr Bier, bei unserem Stammtisch auf der Münchner Wiesn. Ansonsten mag ich Weißwein und muss sagen, dass sich die Franken gut entwickelt haben. Es gibt bei Euch junge Winzer, die machen das richtig gut. Meine Lebensgefährtin mag auch neuerdings Winzersekt, es muss also nicht immer Prosecco oder ein Schampus sein.

Als Gast bei einem Sportverein: Wie sportlich ist Günther Sigl?

Sigl: Naja, ich bin Nichtraucher von Geburt an (lacht). Ich fühle mich fit, bin aber kein Jogger. Ich gehe flott spazieren, mache morgens meine Gymnastik, stärke meine Oberkörpermuskulatur. Das ist gerade für einen Gitarristen wichtig. Ansonsten machen wir ja nicht mehr die riesigen, anstrengenden Tourneen. Trotzdem frage ich mich, wie das mein Kumpel Barny Murphy als Kettenraucher durchsteht.

Euer größter Hit war „Skandal im Sperrbezirk“, der Song um das Callgirl Rosi. Oft werdet ihr auf das Lied reduziert: Fluch oder Segen?

Sigl: Ich weiß es erst heute zu schätzen, solch einen Hit gelandet zu haben. Wir waren die Nummer eins der deutschen Charts, ständig im Fernsehen, Dauergast bei Dieter Thomas Heck in der Hitparade, auf dem Titel der Bravo. Aber erst später, als der große Erfolg nicht mehr da war, lernten wir, was wir dem Hit zu verdanken haben. Wir hatten mehrere Top-Ten-Hits wie „Schickeria“ oder „Pfüadi Gott, Elisabeth“, aber je weiter weg du bist von Bayern, in Hamburg oder im Osten, wollen die Besucher spätestens nach dem zweiten Song die Rosi hören. Der Song hat nach über 30 Jahren immer noch Power, spätestens nach dem ersten Akkord tobt das Publikum.

Wie sind Sie auf den Song gekommen?

Sigl: Das Thema war ja Anfang der 70er Jahre in München groß in den Medien. Sperrbezirke wurden eingeführt. Ich habe damals in der Volksbank am Sendlinger Tor eine Lehre gemacht und die Demonstrationen der Damen aus dem Gewerbe mitbekommen. Ich kannte das Lied „Skandal um Rosi“ von Erik Silvester. Da ging es zwar um etwas anderes, aber ich hatte es irgendwann im Ohr. Auf dem Heimweg von einem Auftritt fiel mir dann die Zeile „Skandal im Sperrbezirk“ ein. Zuhause habe ich dann die halbe Nacht weiter geschrieben. Ein paar Tage später war der Song fertig. Ein Glücksfall.

Gab es nach dem großen Erfolg Reaktionen aus dem Gewerbe?

Sigl (lacht): Wenige. Am meisten Ärger hatten wir mit der Telefonnummer . . .

„Unter 32168 herrscht Konjunktur die ganze Nacht . . .“

Sigl: Richtig, 32168 war auf einmal die berühmteste Telefonnummer Deutschlands. In München hatten wir die Nummer gecheckt, die gab’s da damals nicht. In anderen Städten aber schon. Einige Jugendliche haben sich da einen Spaß gemacht, angerufen und blöd dahergeredet. Naja, wir haben damals einige Rufnummernänderungen bezahlt und zahlreiche Blumensträuße als Entschuldigung quer durch Deutschland geschickt.

140 Jahre TSV Erlabrunn

Sein Jubiläumsfest feiert einer der ältesten Sportvereine im Landkreis Würzburg, der TSV Erlabrunn, vier Tage im Festzelt am Sportgelände in Erlabrunn. Der Auftakt mit dem Konzert der „Spider Murphy Gang“ am 1. August ist bereits ausverkauft. Vorgruppe sind „The Blueballs“, die angekündigte Band „Roger's People“ musste krankheitsbedingt absagen. Am Samstag, 2. August, folgt ein Countryabend mit der Westernband „Rock 'n' Rodeo“. Am Sonntag, 3. August, ist um 14 Uhr ein großer Festzug durchs Dorf und anschließend Festbetrieb. Festausklang ist am Montag, 4. August, ab 19 Uhr mit der Showband „Grumis“.

Die „Spider Murphy Gang“ tritt am 1. August beim TSV Erlabrunn auf. Foto: ArchivHello Concerts

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