Würzburg

Die Rückkehr der Bauern: So verlief die Heimfahrt aus Berlin

850 Kilometer für einen Protest: Die Landwirte sind zurück in Unterfranken – und haben für ihre nächste Traktor-Demo schon ein neues Ziel in Bayern im Auge.
Die Demonstration der Bauern in Berlin ist zu Ende. Der Großteil der Landwirte ist zurück in Unterfranken. Foto: Soeren Stache

Die meisten Landwirte, die am Dienstag in Berlin demonstrierten, sind zurück in Unterfranken. In kleinen Gruppen haben sich die Bauern nach der Kundgebung vor dem Brandenburger Tor auf den Heimweg gemacht. Einige Teilnehmer der Sternfahrt übernachteten in der Nähe von Berlin. Darunter auch Martin Gleichmann, einer der Organisatoren der Initiative "Land schafft Verbindung" in Unterfranken.

Am Mittwochmorgen um 6 Uhr machte er sich mit einem knappen Dutzend Bauern über die Landstraße auf den Heimweg. Zwölf Stunden später erreichten sie ihre Höfe in Unterfranken. Auf der Fahrt im Konvoi kam es bei Zeitz in Sachsen-Anhalt zu einem Auffahrunfall von zwei Traktoren. Eine Bäuerin wurde Gleichmann zufolge mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

Acht fränkische Bauern fuhren nach der Demo nach Arnstadt in Thüringen. Im Ortsteil Dannheim stellte Ingolf Steiger das Dorfgemeindehaus für die Nacht zur Verfügung und bot den Gäste ein Abendbrot an. Dort kamen die Bauern bereits auf der Hinfahrt unter. "Wir freuen uns, dass wir die Bauern unterstützen können. Ihre Anliegen sind wichtig", sagt Steiger. Nachdem die Bauern dort eine landwirtschaftlichen Erzeugergemeinschaft besichtigten, traten sie gegen 10 Uhr den Heimweg an, um am Donnerstagabend ihr Ziel zu erreichen.

Polizei zieht positive Bilanz

"Der Großteil der Landwirte ist in Bayern angekommen", sagt Kathrin Thamm von der Pressestelle der Polizeiinspektion Unterfranken am Donnerstagmittag. Die Polizei sei ständig mit den Bauern in Kontakt geblieben. Um die Verkehrsbehinderungen auf ein Minimum zu begrenzen, fuhren die Bauern in Berlin gestaffelt in kleinen Gruppen los. Zwischen vier und acht Traktoren fuhren mit dem Navigationsgerät über die Landstraße nach Hause, teilt die Polizeihauptkommissarin mit. Vereinzelt seien Polizeistreifen im Einsatz gewesen, um die Lage einschätzen zu können. Auf unterfränkischen Straßen sei die Rückfahrt "völlig reibungslos" abgelaufen, zieht Thamm Bilanz.

Auf der insgesamt 850 Kilometer langen Strecke wurden die Bauern überwiegend freundlich begrüßt. Vor allem auf der Hinfahrt winkten Passanten den Landwirten zu und reckten die Daumen in die Höhe. "Die Bevölkerung steht hinter ihren Bauern", sagt Gleichmann. Das sehe man auch daran, dass viele Bürger den Bauern deutschlandweit kostenlose Unterkünfte angeboten haben. Rund 340 Liter Diesel hat Gleichmanns Traktor insgesamt verbraucht. Beim aktuellen Spritpreis entspricht das ungefähr 400 Euro. "Das zahlen andere für vier Tage Urlaub auf Malle, mit Flug hin- und zurück", sagt der Landwirt aus Friesenhausen (Lkr. Haßberge).

Weitere Proteste auch in Bayern

Das grundsätzliche Problem der Bauern bleibt bestehen. Mit der Ausrichtung der Agrarmarktpolitik sind sie unzufrieden. "Wir sind ja bereit, Auflagen zu erfüllen – wenn sie erfüllbar sind. Aber wir wollen auch von unserer Arbeit leben können", so Gleichmann. Mit schneller Abhilfe rechnet er nicht. Die Initiative plane daher weitere Proteste, auch in Bayern. Wo genau sie stattfinden werden, steht noch nicht fest. Denkbar wäre Gleichmann zufolge eine Traktor-Demo in Nürnberg: "Weil man den Politikern weiter auf den Füßen stehen muss und es Söders Stimmkreis ist."

Rückblick

  1. Landwirte im Landkreis Schweinfurt: Grüne Kreuze, Mahnfeuer und unsichere Zukunft
  2. Über 300 unterfränkische Bauern bei Demo in Nürnberg
  3. Düngeverordnung treibt Unterfrankens Bauern auf die Barrikaden
  4. Flashmob an Autobahnen: Bauern gehen am Mittwoch auf die Straße
  5. Umfrage: Was sagen Verbraucher zu den Bauernprotesten?
  6. Die Rückkehr der Bauern: So verlief die Heimfahrt aus Berlin
  7. Fränkischer Bauer fordert radikaleren Protest
  8. Mahnfeuer im Kreis Schweinfurt: Landwirte solidarisieren sich mit ihren Kollegen in Berlin
  9. Bauern-Sympathie von Stadelschwarzach bis Berlin
  10. Bauern-Aufstand: Wie unser Reporter die Demo in Berlin erlebte
  11. Kommentar: Schluss mit Blockaden beim Klimaschutz
  12. 5 Gründe, warum die Bauern auf die Straße gehen
  13. Traktorfahrt nach Berlin: Wie reagiert das Netz auf den Bauernprotest?
  14. Bauern-Demo: Über 300 Trecker rollen bei Geldersheim (Lkr. Schweinfurt) auf die A 71
  15. Liveblog: Unterfränkische Bauern erreichen Berlin
  16. Fahrt nach Berlin: Hunderte Bauern treffen sich in Geldersheim
  17. Rolf Brauch: „Es geht nur gemeinsam“
  18. Warum Unterfrankens Bauern die Düngeverordnung bekämpfen
  19. Kramp-Karrenbauer spricht mit demonstrierenden Landwirten
  20. Landwirte: Mehrstündige Sperrung wegen Kundgebung am Kranenkai
  21. Hitzige Diskussionen: Was hat der Bauern-Protest gebracht?
  22. Bauerndemo in Würzburg: Warum die Landwirte protestieren
  23. Bauern als Buhmänner: Wenn Landwirte keine Zukunft mehr sehen
  24. Landwirt klagt: Man wird für seine Arbeit beschimpft
  25. Bauernverband kritisiert Volksbegehren

Schlagworte

  • Würzburg
  • Geldersheim
  • Jonas Keck
  • Bauernprotest
  • Bevölkerung
  • Brandenburger Tor
  • Bürger
  • Diesel
  • Landstraßen
  • Landwirte und Bauern
  • Polizei
  • Polizeistreifen
  • Sozialer oder politischer Protest
  • Spritpreise
  • Unterfranken
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!