LEINACH

Die Siebener als Weltkulturgut

Ehrungen bei den Siebenern (von links): Landrat Eberhard Nuß, Rudolf Dürr (Greußenheim), Ehrenfeldgeschworener Alois Fuchs (Leinach), Manfred Hümmer (Waldbüttelbrunn), Wilhelm Fleischmann (Uettingen), Artur Rügamer (Waldbüttelbrunn), Karl Kohrmann (Holzkirchen), Norbert Jesberger (Vorsitzender der Feldgeschworenenvereinigung links des Mains), Emil Fischer, Chef des Vermessungsamtes, Schriftführer Edward Christ (Eisingen). Foto: Herbert Ehehalt

Drakonische Strafen und raue Sitten unter den Feldgeschworenen, wie sie Pfarrer Thomas Amrehn beim Festgottesdienst und Staatsminister a. D. Josef Miller in der Festansprache des Siebenertages der Feldgeschworenenvereinigung links des Mains beschrieben, gibt es längst nicht mehr. Hervorgegangen sind die Feldgeschworenen mit ihrer mehr als 500-jährigen Geschichte aus den Mark- und Feldgerichten und sie stehen nach wie vor unter ihrem Leitspruch „tue Recht, fürchte Gott und scheue niemand“ für Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit als Hüter der Grenzen. Das „älteste Ehrenamt mit Geschichte“ hat Zukunft, trotz globalisierter und digitalisierter Welt – auch im Vermessungswesen. Davon überzeugt zeigte sich Norbert Jesberger, Vorsitzender der Feldgeschworenenvereinigung links des Mains, beim jährlichem Siebenertag.

Bereits zum achten Mal waren die Feldgeschworenen der Gemeinden links des Mains in der Geschichte ihrer Vereinigung ins Leinachtal gekommen, erstmals 1913 nach Unterleinach. Gute Tradition unter den Siebenern ist das obligatorische Programm aus Kirchgang, Totengedenken, Neuaufnahmen, Tagung mit Vertretern der Fachbehörden und nicht zuletzt das gemeinsamen Siebener-Mahl.

Die besondere Wertschätzung für die Feldgeschworenen bestätigten insbesondere die Behördenvertreter Andreas Maier, Leiter des Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Emil Fischer, Chef des Vermessungsamtes und Landrat Eberhard Nuß, genauso wie Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder (CSU) und Landtagsabgeordneter Manfred Ländner (CSU).

Oestemers Freund Millner

Einer alten Freundschaft zwischen dem Ehrenvorsitzenden der Vereinigung, Andreas Oestemer, und dem früheren bayerischen Landwirtschaftsminister Josef Miller war dessen Verpflichtung als Festredner zu verdanken. „Für seine Zusage bekommt der Ex-Minister einen Korb“, hatte Oestemer versprochen. Dies war freilich ein echter, von Oestemer handgeflochtener Weidenkorb, für seinen Mitstreiter um die Belange des Frankenweins.

Frohe Kunde aus dem bayerischen Kabinett zu vermelden hatte Miller gegenüber den rund 300 Siebenern und Bürgermeistern betreffend die Aufnahme der Feldgeschworenen ins Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Dies ist Voraussetzung für die angestrebten Aufnahme in die Liste des Unesco-Weltkulturebes, die vom amtierenden Vorsitzenden der Feldgeschworenenvereinigung links des Mains und gleichzeitig Sprecher aller Vereinigungen, Norbert Jesberger aus Wüstenzell, angestrebt wird. Wie auch Landrat Eberhard Nuß versicherte der Staatsminister a. D. jegliche Unterstützung für dieses Unterfangen. Die Siebener als Kulturgut stellte Miller in seiner Festrede auf eine Stufe mit dem Frankenwein, für dessen Image er als Landwirtschaftsminister einst an der Seite von Oestemer als Weinbaupräsident den Stein ins Rollen gebracht habe. Es sei für ihn jene Zeit gewesen, in der er die Siebener als Ehrenmänner kennengelernt habe, erinnerte sich Miller.

Freilich waren deren Ursprünge geprägt von drakonischen Strafen bei Grenzverletzungen. Miller zitierte Historiker Horst Bäuerle aus dessem Buch „Grenzsteine“, in dem vom Abschneiden der Ohren und anschließender Zwangsarbeit für Grenzfrevler berichtet wird. Unter Nordgermanen wurden das Verrücken von Grenzsteinen und Erddiebstahl gar mit Todesstrafe belegt.

Ordentliche Tracht Prügel

Von weltlicher und kirchlicher Verbindung im Zusammenhang mit dem Setzen von Grenzsteinen berichtete auch Pfarrer Thomas Amrehn. So sollen Kinder als Merkhilfe gedient haben, wobei sie nach dem Setzen von Grenzsteinen ordentlich verdroschen worden sein sollen, um den Standort nicht zu vergessen. Lediglich auf einen Handschlag beschränkt sich mittlerweile die Aufnahme neuer Siebener im Kreis ihrer Vereinigung. Nach dem Totengedenken an acht verstorbene Kollegen seit dem Siebenertag vor einem Jahr wurden elf neue Feldgeschworene aufgenommen (s. Info-Kasten).

Erlabrunns Bürgermeister Thomas Benkert freut sich auf den Siebenertag im Jahr 2017 in seiner Gemeinde. Im Rahmen des Gründungsjubiläums der Feuerwehr werden die Floriansjünger die Siebener nächstes Jahr bewirten. Beim diesjährigen Treffen in Leinach hatte dies der Bauernverband übernommen.

Den kulturellen Part teilten sich die Chöre des Gesangvereins „Gemütlichkeit“ im Gottesdienst und des Gesangvereins „Frohsinn“ in der Leinachtalhalle. Für musikalische Unterhaltung sorgte die Musikkapelle Leinach unter Leitung von Heiko Rügamer.

Ehrungen und Aufnahmen

Auszeichnungen für langjährige ehrenamtliche Tätigkeit als Feldgeschworener:

20 Jahre Karl Kohrmann (Holzkirchen), Matthias Grimm (Kleinrinderfeld), Horst Thorwarth (Reichenberg), Artur Rügamer und Manfred Hümmer (Waldbüttelbrunn).

30 Jahre: Norbert Ramnick (Greußenheim), Wolfgang Rösch (Reichenberg) und Wilhelm Fleischmann (Uettingen).

Zu Ehrenfeldgeschworenen ernannt wurden Alois Fuchs und Hermann Schuckert (Leinach).

Neu in die Reihen der Vereinigung des Feldgeschworenen links des Mains aufgenommen wurden beim Festgottesdienst in der St.-Laurentius-Kirche: Babette von Seylitz-Wolffskeel (Reichenberg), Karl Kemmer und Bernhard Maier (Kirchheim), Hermann Danch und Manfred Klüpfel (Waldbrunn), Richard Fiederling und Alfred Rüger (Neubrunn-Böttigheim), Oskar Michel und Horst Siedler (Kist), Jürgen Kraus (Altertheim) und Volker Horn (Roßbrunn). ehe

Neuaufnahmen beim Siebenertag der Feldgeschworenenvereinigung links des Mains (von links): Manfred Klüpfel (Waldbrunn), Bernhard Maier (Kirchheim), Jürgen Kraus (Altertheim), Norbert Jesberger (Vorsitzender der Feldgeschworenenvereinigung links des Mains), Karl Kemmer (Kirchheim), Babette von Seylitz-Wolffskeel (Reichenberg), Landrat Eberhard Nuß, stellvertretender Vorsitzender Erich Stollberg (Uettingen), Volker Horn (Roßbrunn), Oskar Michel und Horst Siedler (Kist), Alfred Rüger und Richard Fiederling (Neubrunn-Böttigheim). Foto: Herbert Ehehalt
Festzug durch Leinach: Die Feldgeschworenenvereinigung links des Mains traf sich zum Siebenertag. Foto: Herbert Ehehalt

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