Würzburg

Die „Systemsprenger“ im Fokus der Fachwelt

Das Interesse an kindlichen und jugendlichen „Systemsprengern“ war groß: 400 Interessenten nahmen am 3. Familiensymposium in der Hochschule Würzburg-Schweinfurt teil.
Das Interesse an kindlichen und jugendlichen „Systemsprengern“ war groß: 400 Interessenten nahmen am 3. Familiensymposium in der Hochschule Würzburg-Schweinfurt teil. Foto: FHWS/Klein

Nicht nur der Film „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt erreichte 2019 ein breitgefächertes Interesse und eine große Nachfrage. Auch an der Tagung „Systemsprenger“ der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften nahmen 400 Personen teil. Angeboten wurde sie im Rahmen des Campus Community Dialogue (CCD) als „3. Familiensymposium“ in Kooperation mit der Evangelischen Jugendhilfe Würzburg, der Stadt und dem Landkreis Würzburg an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS).

Als „Systemsprenger“ werden oft Kinder und Jugendliche bezeichnet, die ihren Platz in Familie, Schule, Jugendhilfe verlieren oder nicht finden, die in Obhut genommen werden und den Einsatz spezialisierter Settings erfordern. Ähnlich wie die neunjährige Bernadette im Film stellte Professor Gunter Adams von der FHWS exemplarisch „Jens“ vor: Geistig behindert, die Eltern getrennt, kommt er mit erheblichen psychischen Störungen, einer Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen sowie einer Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung und massiven Verhaltensauffälligkeiten in Pflegefamilien, dann in eine Behinderteneinrichtung.

Die Situation eskaliert zunehmend durch aggressives Verhalten gegen Mitmenschen und Gegenstände. In der Pubertät kommt es darüber hinaus zu übergriffigem sexualisiertem Verhalten. Jens wird verlegt auf die Klinik am Greinberg in Würzburg, eine Spezialklinik für behinderte junge Menschen mit erheblichen psychischen Störungen. Selbst der Einsatz von Medikamenten, Time-Out und stark strukturierenden Maßnahmen zeigen zunächst nicht die gewünschte Wirkung. Erst mit der Zeit, einer klaren Struktur und vielen Beschäftigungen kann der junge Mann in der Klinik betreut werden. Die Behinderteneinrichtung kann ihn nicht mehr aufnehmen. Für „Jens“ und weitere so betroffene junge Menschen wird eine Spezialgruppe in Würzburg geschaffen, in der er nun lebt.

Ein Fokus des zweitägigen Symposiums war die enge Zusammenarbeit von freien und öffentlichen Trägern der Jugendhilfe mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie und den Schulen sowie der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der FHWS, um jungen Menschen wie „Bernadette“ im Film „Systemsprenger“ fachlich qualifiziert helfen zu können.

Die Aufgabe der FHWS ist neben der Fortschreibung der Lehre die institutionalisierte Vernetzung der Einrichtungen, um damit die Chance zu erhöhen, den Leidensweg von „Systemsprengern“ abzukürzen und sie schneller wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Dazu unterschrieben am Ende der Tagung Professor Gunter Adams, der Leiter des Vertiefungsbereichs „Kinder-, Jugend- und Familienhilfe“ der Fakultät für den Campus Community Dialogue (CCD), Dr. Norbert Beck, Leiter des überregionalen Beratungs- undBehandlungszentrums des Sozialdienstes katholischer Frauen als Vertreter der freien Träger der Jugendhilfe, Gunther Kunze, Leiter des Fachbereichs Jugend und Familie der Stadt Würzburg, für die öffentlichen Träger, Professor Marcel Romanos, Leiter der der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Würzburg, Jürgen Keller, der Leiter der Inobhutnahme der Evangelischen Jugendhilfe Würzburg für die Inobhutnahme in Unterfranken, und Peter Kiesel für die Regierung von Unterfranken, Heimaufsicht, eine Kooperationsvereinbarung für die zukünftige Zusammenarbeit.

Dazu fanden neun Fachvorträge sowie Workshops u.a. zu freiheitsentziehenden Maßnahmen, intensivpädagogischen (Auslands-) Projekten und der Vernetzung der Systeme Schule, Jugendhilfe sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie statt. 

Mit einer Kooperationsvereinbarung wurde die künftige Zusammenarbeitvertraglich unterzeichnet.
Mit einer Kooperationsvereinbarung wurde die künftige Zusammenarbeitvertraglich unterzeichnet. Foto: FHWS/Adams

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