Würzburg

Die Weichen für Staatstheater in Würzburg sind gestellt

Das Warten hat ein Ende: Das Mainfranken Theater darf sich zukünftig Staatstheater nennen. Das Gute daran: Der Freistaat Bayern zahlt tüchtig mit.
Wenn nach der derzeit auf Hochtouren laufenden Generalsanierung im Mainfranken Theater wieder der Vorhang aufgeht, dann wird er dies in einem Staatstheater tun. Foto: Thomas Obermeier

Immer wieder war in den vergangenen Jahren darüber spekuliert worden, dass das Würzburger Mainfranken Theater zum bayerischen Staatstheater ernannt werden könnte. Nachdem aber Markus Söder, damals noch Finanzminister, beim Mozartfest 2016 angekündigt hatte, der Freistaat werde die Sanierung des Mainfranken Theaters mit 75 Prozent bezuschussen, schien die Luft aus dem Thema Staatstheater etwas raus zu sein. Es erhielt jedoch neue Nahrung, als Söder, inzwischen Ministerpräsident, 2018 bei einem Besuch in Würzburg ebendiese Perspektive aufzeigte.

Dennoch war am Sonntagabend bei der "Auftakt!"-Revue zur Eröffnung der Spielzeit 2019/20 die Ankündigung von Oberbürgermeister Christian Schuchardt eine riesige Überraschung, als er mitteilte, das Mainfranken Theater könnte noch in diesem Jahr Staatstheater werden. 

Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Foto: Daniel Peter

Stadtrat berät am Donnerstag über Staatstheater-Vereinbarung

In einer Pressemitteilung aus dem Rathaus heißt es, dass der "Freistaat Bayern beabsichtigt, das Mainfranken Theater zu einem Staatstheater mit Wiedereinzug in das sanierte und erweiterte Haus zur Spielzeit 2022/23 aufzuwerten". Weiter heißt es, dass an diesem Mittwoch der Werkausschuss Mainfranken Theater, und am Donnerstag der Stadtrat, jeweils in nichtöffentlichen Sitzungen über ein Eckpunktepapier zu einer Staatstheater-Vereinbarung entscheiden sollen. Dieses Papier hat OB Schuchardt mit dem bayerischen Wissenschafts- und Kunstministerium seit dem vergangenen Jahr erarbeitet.

Die Vereinbarung zwischen Freistaat und Stadt bezeichnet der OB als "Würzburger Modell". Das bedeutet, dass es keinen Wechsel in der Trägerschaft des Theaters geben wird, und die Stadt auch künftig Arbeitgeberin der Theaterbeschäftigten bleiben wird - bei zunehmender finanzieller Beteiligung des Freistaats bis hin zur paritätischen Mitfinanzierung der laufenden Betriebskosten. Seit 2003 war der Staatszuschuss für das Theater unverändert und betrug rund 25 Prozent der Betriebskosten.

OB Schuchardt: "Würzburger Modell" wird Geschichte machen

"Das Würzburger Modell ist ein Meilenstein in der Bühnenlandschaft und wird sicherlich in die Geschichte der Staatstheater eingehen", wird der Oberbürgermeister in der Mitteilung zitiert. Damit werde auch die Qualität des Mainfranken Theaters gewürdigt, und seine Strahlkraft weit über die Region hinaus gestärkt, so Schuchardt.

Dirk Terwey (links), geschäftsführender Direktor des Mainfranken Theaters, mit Intendant Markus Trabusch. Foto: Angelika Cronauer

Intendant Trabusch: "Ein absoluter Glücksfall"

Große Freude über die Entscheidung aus München herrscht natürlich auch im Mainfranken Theater. Intendant Markus Trabusch sprach gegenüber dieser Redaktion von einem "absoluten Glücksfall". Damit könne man gut auf künftige Herausforderungen reagieren. Auch er sei überrascht gewesen, wie schnell sich die Dinge jetzt plötzlich entwickelt hätten. Für Dirk Terwey, den geschäftsführenden Direktor des Mainfranken Theaters, bedeutet die Entscheidung "eine große Sicherheit für das Haus und seine Beschäftigten", die "großartige Perspektiven" schafft. Denn nach Beendigung der Sanierung würden die laufenden Betriebskosten wieder mehr in den Fokus rücken. 

Arbeit des Fördervereins wird sich verlagern

Bruno Forster, der Vorsitzende des Theater- und Orchesterfördervereins, findet die Aussicht, dass das Würzburger Theater bald ein Staatstheater werden könnte, "ganz großartig". Die Ankündigung des Oberbürgermeisters am Sonntagabend sei für ihn eine "echte Überraschung" gewesen. "Damit ist die Zukunft des Mainfranken Theaters finanziell gesichert", stellt Forster erleichtert fest. Die Übernahme von 50 Prozent der Betriebskosten durch den Freistaat ermögliche es dem Theater, noch attraktivere Programme zu gestalten und hervorragende Künstler zu verpflichten.

Bruno Forster, Vorsitzender des Theaterfördervereins. Foto: Theresa Müller

Für den Förderverein selbst könnten sich dann mehr Freiheiten bei der Unterstützung des Theaters ergeben. Der Verein stellt dem Theater seit vielen Jahren pro Spielzeit einen sechsstelligen Betrag zur Verfügung. Erst am Sonntag übergab Forster einen Scheck über 250 000 Euro für die neue Spielzeit an Intendant Markus Trabusch. Mit der Ernennung zum Staatstheater könnte der Verein seine Hilfe stärker auf einzelne herausragende Inszenierungen konzentrieren, so Forster. "Die Aktivität des Vereins wird nicht überflüssig, wenn das Mainfranken Theater Staatstheater wird, aber sie wird sich verlagern", so der Vorsitzende, der es "einfach großartig findet, dass die Staatsregierung sich zu diesem Schritt entschlossen hat".  

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