ZELLERAU

Die Zellerau: vom Schmuddelkind zum Musterschüler

In der Zellerau: Das Gebiet zwischen Hexenbruch und Main hat in den letzten Jahrzehnten einen großen Umbruch erfahren. Wo früher Weingärten und Felder das Bild bestimmten und später das Militär, entsteht heute in großem Stil neuer Wohnraum.
Hoch hinaus: Das Alpenvereins-Kletterzentrum.

Es ist noch gar nicht so lange her, so erinnern sich gar nicht so alte Würzburger, die in der Sanderau oder anderen Stadtteilen aufgewachsen sind, dass es ihnen als Kind von den Eltern verboten war, die „Grenzen“ der Zellerau zu überschreiten. Diese Zeiten sind vorbei, die sozialen Brennpunkte erkannt und behoben worden.

In den letzten Jahren hat sich die Zellerau zu einem der hoffnungsträchtigsten Stadtbezirke entwickelt, dabei ist sie erst seit dem 1. Mai 1897 ein offizieller Stadtbezirk. Auf dem Gebiet der heutigen Zellerau fanden Archäologen die ersten Siedlungsspuren im Stadtgebiet: Reste einer keltischen Fliehburg auf dem Marienberg aus der Zeit um 1000 vor Christus und im Gebiet der heutigen Frankfurter Straße wurden bei Straßenarbeiten Germanengräber aus den ersten Jahrzehnten nach Christus entdeckt.

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Zellerau Teil 1

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Zellerau Teil 2

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Vier Achsen durchziehen den früher als Fläche für Wein- und Gartenbau der 1714 bis 1719 erbauten landwirtschaftlichen Gutshöfe Gut Moschee, Gut Moskau und Gut Talavera genutzten Stadtbezirk.

Im Norden, direkt am Fluss entlang führt die Mainaustraße, an ihr liegen der Sportplatz des Bayernligisten Würzburger FV, der weitläufige Komplex der IHK und der Handwerkskammer und das Modehaus Götz, eines der großen Kaufhäuser der Stadt, zuletzt arg gebeutelt durch die Sperrung des Zeller Bockes und dem damit verbunden Wegfall der Kunden aus dem westlichen Landkreis Würzburg und dem Main-Spessart-Kreis. Von hier aus erreichbar sind auch die Wiesen der Mainauen, mit Grillplätzen und Flächen für den Freiluftsport. Letztere werden bald etwas an Fläche verlieren, die Staatliche Feuerwehrschule erhält am Main ein eigenes Hafenbecken. Auch Kloster Himmelspforten, ein häufiger Tagungsort der Deutschen Bischofskonferenz, liegt zwischen Mainaustraße und dem Fluss.

Die Weißenburgstraße beginnt am Neunerplatz und führt zur Mainaustraße. Begrenzt wird sie vom Verlagsgebäude des Vogel Business Media auf der einen Seite und der Polizeiinspektion Würzburg-West auf der anderen Seite. Mitten drin das staatliche Bauamt und mit dem Friedrich-Koenig-Gymnasium eine der vielen Zellerauer Schulen.

Zwischen Weißenburg- und Mainaustraße befand sich bis vor wenigen Jahren die Hindenburg-Kaserne, zuletzt genutzt von der US Army, ein letzter Rest der langen militärischen Tradition und der einst zahlreichen Kasernen der Zellerau. Nur noch die kasernierte Bereitschaftspolizei in der Sedanstraße hält diese Fahne hoch. Viele Straßennamen erinnern noch daran, Sedan-, Ysenburg-, Moltkestraße, auch der Name des größten Festplatzes der Stadt, der Talavera, stammt aus der Zeit der napoleonischen Feldzüge.

Die Hauptachse der Zellerau bildet die Frankfurter Straße, früher Zeller Landstraße, gesäumt von Wohn- und Geschäftshäusern. Auf ihr fährt die Straßenbahn, die früher bis zum Kloster Oberzell führte, an ihr liegen die meisten Geschäfte des Stadtbezirkes. Auch der Denckler-Block ist dort. Benannt wurden die zwei Wohnblöcke mit Innenhof, erbaut in den späten 1920er Jahren, nach einem früheren Eigentümer. Umfassend saniert wurden sie übrigens nie, noch heute gibt es dort Wohnungen mit mit Holz oder Kohle befeuerten Einzelöfen.

Das gibt dem Wohnen im „Denckler“ ein besonderes Flair, vielleicht werden sie deshalb hauptsächlich von studentischen Wohngemeinschaften bewohnt. Kino-Abende, Konzerte und das jährliche Dencklerblock-Fest künden vom Zusammenhalt der Bewohner.

Im Süden schließlich führt die Jägerstraße an der Würzburger Hofbräu vorbei und wird dann zur Spessartstraße bis zur Zeller Waldspitze, hier wohnen die „besseren“ Zellerauer, leicht erkennbar an der großzügigeren Bebauung. Die Jägerstraße führt auch entlang des Geländes der Würzburger Hofbräu, der letzten großen Brauerei der Stadt. Das Brauwasser erhielten die Brauereien aus dem Main, der Name Wasserhäusle in der Mainaustraße zeugt davon.

Mechthild Flott ist die städtische Quartiersmanagerin für die Zellerau im Rahmen des Projektes „soziale Stadt“ hat ihr Büro in der Friedrichstraße. „Anfragen nach sozialen Hilfestellungen kommen aber eher selten“, weiß sie, „das Netz sozialer Einrichtungen im Stadtteil ist so dicht gewoben, da wissen die Leute, an wen sie sich wenden müssen. Zu mir kommen hauptsächlich Leute, die die Entwicklung des Stadtteiles mitgestalten wollen, es gibt Arbeitsgruppen, die sich mit verschiedenen Entwicklungsthemen befassen, wie Platzgestaltungen, Grünanlagen, Spielplätze oder Bauthemen.“ Auf etwa 60 bis 70 Leute fast jeden Alters kann sie zurückgreifen.

Das nächste größere „Ereignis“ im Stadtteil ist das 1. Bürgerbräufest am 2. Juni, einem Samstag. Dann wird aber nicht nur gefeiert, sondern auch das „Gesamtprojekt Bürgerbräu“ vorgestellt, mit Plänen, Modellen und Führungen über das gesamte Gelände. Architekt Roland Breunig und Sektproduzent Carsten Höfer haben nämlich Großes vor, auf dem 5,2 Hektar umfassenden Gelände, das sie im Dezember 2011 von der Stadt gekauft haben.

An vielen Stellen in der Zellerau wird gebaut. Was Kelten und Germanen wussten, hat auch der moderne Mensch erkannt: Hier lässt es sich gut wohnen. In der Brunostraße hat die Stadtbau 102 Miet- und Eigentumswohnungen errichtet, weitere sind in Planung, zwischen Mainau- und Weißenburgstraße harrt die Staatliche Feuerwehrschule ihrer Erweiterung auf dem Gelände der früheren Hindenburg-Kaserne und in der Zellerauer Mitte stehen neben neuen Wohnhäusern das neue Kletterzentrum des Alpenvereins und das Jugendzentrum Spieli.


Rückblick

  1. Wo das Zentrum geplant war, ist heute eine Oase
  2. Die integrative Kraft des Sports
  3. Überzeugt vom Heuchelhof
  4. Mit neuer Identität raus aus dem Getto
  5. Heuchelhof: Nicht mal halb so groß wie geplant
  6. Zum Abschluss vom Frauenland an den Heuchelhof
  7. Das Frauenland ist über ein Jahrhundert einfach gewachsen
  8. Kulturelles Aushängeschild: Kunstmaler Curd Lessig
  9. Urgestein der Keesburg
  10. Ziemlich schwarz und doch auch grün
  11. Ein Turbo-Dorf wächst immer noch weiter
  12. Ein Kuhstall neben der Sparkasse und Apotheke
  13. Lengfeld: Platz für Gewerbe und Familien
  14. Die Stimme der Bürgerschaft
  15. Die Fantasie der Kinder wecken
  16. Jahrhunderte unter dem Schutz des Bischofshuts
  17. Der Stadtbezirk Altstadt in Zahlen
  18. Alexandra Memmel: leidenschaftliche Stadtführerin
  19. Die Brückenheiligen
  20. Meist müssen private Bauherren planen
  21. Ein Stück Stadt, das gerne Dorf ist
  22. Goldener Löwe von Stift Haug
  23. Das wandelnde Ortsarchiv
  24. Als die Traktoren mit der Apfelernte Schlange standen
  25. Versbach: ein familienfreundlicher Stadtteil
  26. Der Stadtteil, der ein richtiges Städtle ist
  27. Weine, Vereine und prominente Söhne
  28. Als Weinprinzessin auch im Weinberg
  29. Ein Täschner für die Einkaufsstraße
  30. Bayla-Abbruch, XXXL-Offensive und neue Wohnungen
  31. Stadtteilserie: Von Grombühl nach Heidingsfeld
  32. Grombühl: Bunt, vielfältig und oft unterschätzt
  33. Grombühl: Eine Mischung aus Berlin und Kaff
  34. Grombühl: Eine Welt der kleinen Leute
  35. Grombühl: Uralt und international
  36. Wissenswertes über Rottenbauer
  37. Ernst Köhler war Nordbayerns erster Biobäcker
  38. Der letzte Bürgermeister
  39. Denunziert in Rottenbauer
  40. Rottenbauer: Würzburgs kleinster Stadtteil wächst weiter
  41. Was von den Leighton Barracks in Zukunft übrig bleibt
  42. Letzter Hieb am Galgenberg
  43. Der Professor für Kartoffeln
  44. Wissenswertes zum Neuen Hubland
  45. Topographisch und ökologisch auf hohem Niveau
  46. Hochhäuser im Tal und Eigenheimer am Hügel
  47. Lindleinsmühle: Kleiner Stadtteil, viele Menschen
  48. Schwimmen im Bad oder Essen in der Schüler-Betreuung?
  49. Zu Fuß in die Innenstadt: Otto Schneider läuft
  50. Ein Fan der Sauberkeit: Elfriede Friedrich

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