UNTERPLEICHFELD

Die traumhafte Geburt unseres Planeten

Deutsche Erstaufführung von Planet Earth: Im Bild Mitwirkende des Symphonischen Blasorchesters Unterpleichfeld. Foto: irene konrad

„Das ist das Schönste, das ich jemals geschrieben habe“, sagt Johan de Meij über seine dritte Sinfonie mit dem Titel „Planet Earth“. Am Samstag ist die Komposition des Niederländers aus dem Jahr 2006 unter der Gesamtleitung von Mathias Wehr zum ersten Mal in Deutschland in ihrer gesamten Länge in der Unterpleichfelder Mehrzweckhalle aufgeführt worden. Der Einsatz an Instrumenten und Stimmen ist enorm: Flügel, Harfe und Streicher, Frauen- und Kinderstimmen. Nicht zuletzt durften künstlicher Nebel und eine Dolby-Surround-Anlage nicht fehlen.

Das, was in Unterpleichfeld am Samstag und ein zweites Mal am Sonntag bei den beiden deutschen Uraufführungen den 650 Gästen widerfuhr, lässt sich schwer in Worte fassen. Traumhaft, gigantisch, spannend – das hörte man nach der Show immer wieder.

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Planet Earth

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Eine faszinierende Show war es in der Tat. Die gewöhnlich nüchterne Sporthalle war in einen Multimedia-Konzertsaal verwandelt worden, der Kartenverkauf war wie bei großen Musicals organisiert gewesen, es gab Platzanweiser und Premierenfieber. 2800 Einwohner hat Unterpleichfeld, aber keine größere Stadt hätte diese deutsche Erstaufführung wohl besser machen können.

Der Showabend ist vor allem Mathias Wehr zu verdanken. Der Musiker, Dirigent und Komponist aus Schwabach bei Nürnberg ist erst 27 Jahre alt. Seine Experimentierfreudigkeit steckt offensichtlich an. „Ich bin fix und fertig, aber sehr glücklich“, gesteht Wehr unmittelbar nach der Aufführung. „Es ist alles rundum gelungen. Das hat Spaß gemacht.“

Das Zusammenspiel des Symphonischen Blasorchesters Unterpleichfeld mit den zusätzlichen Instrumenten, mit dem Projektchor aus Veitshöchheim unter Leitung von Dorothea Völker und mit den Eventtechnikern aus Wülfershausen haben den Konzertabend zu etwas Besonderem gemacht.

„Niemand weiß, was er kann, bevor er es versucht“, wusste der römische Autor Publilius Syrus schon im ersten Jahrhundert. Mit diesem Zitat hatte Maria Scheller die Gäste begrüßt. Die Vorsitzende des Musikvereins Unterpleichfeld wies darauf hin, dass das Projekt Planet Earth schon seit April 2010 konkret angepackt wurde. Ohne ein „fantastisches Team“ sei die Verwirklichung nicht möglich gewesen.

„Auf einen Abend voller Spannung“ hatte sich auch Landtagsabgeordneter Manfred Länder gefreut. Ländner ist Präsident des Nordbayerischen Musikbundes. Er hob hervor, dass Laien für die Durchführung und das tolle Ambiente verantwortlich waren. Auch der stellvertretende Landrat Ernst Joßberger aus Güntersleben lobte die „außergewöhnliche und logistische Herausforderung, die auf dem Land besonders erwähnenswert ist“.

Die Spannung im Vorfeld war überall spürbar. Eigentlich war es schade, dass die Konzert- und Chorstücke im ersten Teil des Abends ein wenig untergingen. Dabei wären die Werke „Finlanda“ und „Danse Bacchanale“ oder die beeindruckenden Chorlieder von Mozart, Bizet, Wagner oder Bernstein allein einen Konzertabend wert gewesen. Nun aber galten sie als „Warming up“ vor der 45-minütigen Aufführung von Planet Earth. „Danke, dass wir uns Ihnen vorstellen dürfen“, meinte Chorleiterin Völker bescheiden, als der 60-köpfige Männer- und Frauenchor vor der Pause seine Lieder zum Besten gab.

Bei der Sinfonie „Planet Earth“ verbanden Klangsequenzen die drei Sätze, in denen es um den Urknall und die Erschaffung der Welt, um die Bevölkerung der Erde in all ihrer Vielfalt und um Homers Ode an die „Mutter Erde“ ging. Viele Instrumente und Laute hoben sich hervor und versanken. Alles verschmolz in ein Ganzes, auch die Stimmen der Frauen und Kinder. Der Applaus nach Ende der Show war lange und anhaltend. Manche Zuhörer stiegen sogar auf die Stühle, um ihre Hochachtung auszudrücken.

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Viele Bilder von der deutschen Erstaufführung von Planet Eartch unter wuerzburg.mainpost.de

Stimmen zur Aufführung von Planet Earth

Lorenz Kaiser aus Düsseldorf: „Das war ein supertolles Feeling, total klasse. Diese Musik sucht ihresgleichen. Ich stamme aus Unterpleichfeld und wohne jetzt in Düsseldorf. Ich bin extra wegen dieser Uraufführung hergekommen. Die Unterpleichfelder können stolz darauf sein, dass sie so ein Orchester haben.“

Jürgen Götz aus Veitshöchheim, Kreisvorsitzender des Nordbayerischen Musikbundes: „Ich bin überwältigt und tief beeindruckt. Das war phänomenal gemacht und ist allen Respekt wert. Die Harmonie zwischen Orchester, Chor und Technik war perfekt. Als ob sie schon immer zusammen auftreten.“

Roland Kuther aus Hilpertshausen: „Es hat mir sehr gut gefallen, wirklich. Ich war vor allem von den Samplereinspielungen begeistert und überhaupt von der ganzen Licht-, Ton und Medientechnik. Auch das ist Kunst. Es ist eine echte Leistung gewesen, alles unter einen Hut zu bringen.“

Alice und Friedrich Hujet aus Nürnberg: „Die Stimmung war gigantisch. Es war eine faszinierende Show, einfach toll. Wie die Lichteffekte, der Chor und die Musik harmoniert haben! Die Mischung war perfekt. Einzeln geht es nicht. Die Unterpleichfelder sind so gut! Für so einen Abend kann man gern weit fahren. Wir sind große Fans von Mathias Wehr.“

Stefan Wolbert aus Willanzheim, Bundesjugendleiter des Nordbayerischen Musikbundes: „Dieser Auftritt hat Maßstäbe gesetzt über Jahre hinaus. Jedes Mal, wenn ich nach Unterpleichfeld komme, frage ich mich: Was geht da noch? Was haben sie sich wieder Neues ausgedacht? Der Dirigent ist jung, begabt und dynamisch. Er hat wieder experimentiert und Sänger, Streicher und eine Lichtshow eingesetzt. Ich bin extrem begeistert.“ Krimhild Hornschuch aus Unterpleichfeld: „Ich habe Gänsehaut, die 45-minütige Show verging wie im Flug. Im Vorfeld hatte ich meine Zweifel, ob mir der Auftritt mit so viel Technik gefallen würde. Aber die Melodien waren traumhaft schön und sehr einfühlsam. Ich habe das Entstehen der Erde und das Erwachen der Natur wirklich gespürt. Bei uns hinten im Saal standen die Leute beim Applaus vor Begeisterung sogar auf den Stühlen.“

Aufwändig: Sieben Techniker und sechs Helfer aus dem Dorf haben wesentlich zum Gelingen der Show beigetragen. Sie haben aus der Unterpleichfelder Mehrzweckhalle eine Multimedia-Konzerthalle gemacht.
Mathias Wehr hatte die Gesamtleitung der deutschen Erstaufführung von Planet Earth in der Unterpleichfelder Mehrzweckhalle.
Der Projektchor aus Veitshöchheim: Unter Leitung von Dorothea Völker trug der Chor wesentlich zum Gelingen der deutschen Erstaufführung von Planet Earth bei.

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