Grombühl

Dieselfahrverbot: Für die Grombühler ist das Verbot lange überfällig

Für Helmut Försch wäre das Dieselfahrverbot an der Nordtangente ein Lichtblick. Schon lange kämpft er gegen das hohe Verkehrsaufkommen. Doch es gibt auch andere Stimmen.
Helmut Försch (links) und Helmut Klemm an der viel befahrenen Grombühlstraße: Sie hoffen, dass die anstehende Klage der Deutschen Umwelthilfe fruchtet und es ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge geben wird. 
Helmut Försch (links) und Helmut Klemm an der viel befahrenen Grombühlstraße: Sie hoffen, dass die anstehende Klage der Deutschen Umwelthilfe fruchtet und es ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge geben wird.  Foto: Patty Varasano

Um ein Dieselfahrverbot in Teilen Würzburgs durchzusetzen, will die Deutsche Umwelthilfe (DUH) im Laufe des Monats Klage gegen die Stadt einreichen. Denn Würzburg ist der Ort in der Region mit den höchsten Feinstaub- und Stickoxid-Belastungen. Immer wieder lagen in den vergangenen Jahren  die Stickstoffdioxid-Werte (No2) in der Innenstadt  sowie im nördlichen Bereich des Stadtrings über dem zulässigem Grenzwert.  

Wie berichtet fordert der Verein Umwelthilfe, dass "unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen zur schnellstmöglichen Einhaltung der im Bundes-Immissionsschutzgesetz geregelten Grenzwerte für Stickstoffdioxid" ergriffen werden. Im Fokus steht hierbei der nördliche Teil des Stadtrings - die vierspurige Straße im Stadtteil Grombühl, die den Europastern mit der B27 nach Veitshöchheim verbindet.

Reger Verkehr auf der Nordtangente. Hier werden die Immissionswerte regelmäßig überschritten.
Reger Verkehr auf der Nordtangente. Hier werden die Immissionswerte regelmäßig überschritten. Foto: Johannes Kiefer

An der Belastung werde sich in den nächsten Jahren nichts ändern, so die Einschätzung der DHU. Der Verein hatte darauf hingewiesen, dass auch Prognosen der Regierung von Unterfranken zeigten, dass die Grenzwerte weiterhin überschritten werden. Für Stickstoffdioxide gibt das EU-Recht als Grenzwert 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt vor. Die Messungen ergaben in der Grombühlstraße im Jahr 2017 einen Jahresmittelwert von 55 ug/m³. Hauptquelle für Stickstoffdioxidein Städten sind laut Umweltbundesamt mit 73 Prozent Diesel-Pkw.  

Steigendes Verkehrsaufkommen seit den 1980er Jahren

Den ehemaligen ÖDP-Stadtrat Helmut Försch beschäftigt das Thema seit Jahrzehnten. Schon in den 70er und 80er Jahren kritisierte er das steigende Verkehrsaufkommen in Grombühl und setzte sich für die Förderung des Personennahverkehrs ein sowie für Park-and-Ride-Plätze. "Ein Fahrverbot ist hier schon lange überfällig, aber ohne Druck von außen kapiert das die Politik anscheinend nicht." Seine Kindheit und Jugend verbrachte der 90-Jährige in der Grombühlstraße 46 unweit des heutigen Europasterns. 

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Stickoxid-Grenzwerte in Grombühl sind viel zu hoch - Anwohner der Grombühlstraße 47 Helmut Klemm und das ehemalige ÖDP-Stadtratsmitglied Helmut Försch (er verbrachte seine Kindheit in der Grombühlstraße 46) versuchen seit vielen Jahren etwa zu erreichen.

"Damals konnte man als Kind noch auf der Straße Fußball spielen. Wir haben eine herrliche Jugend verlebt. Es ist unvorstellbar, was im Laufe der Zeit hier passiert ist." Heute könnten Kinder hier nicht mehr leben. "Der Verkehr erstickt alles Leben in dieser Gegend", so Försch traurig. An der wahrscheinlich am stärksten belasteten Stelle am Europastern habe er 27 ineinander greifende Verkehrsbeziehungen festgestellt. Und: Statt besser sei es jedes Jahr nur schlimmer geworden, erklärt er. Viele Leserbriefe zum Thema habe er an die lokale Presse geschrieben, berichtet der 90-Jährige.

Außerdem unterhielt er Schriftverkehr mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz. In Briefen, die der Redaktion vorliegen, schilderte er seine Sorge wegen zu hoher Immissionswerte, erkundigte sich nach den Qualitätsrichtlinien der Messungen und kritisierte, dass Messstellen an Punkten aufgestellt würden, die nicht neuralgisch seien. Unterlagen, die Försch gesammelt hat, zeigen schon Ende der 90-er Jahre eine höhere Belastung durch Stickoxide. Damals gründete er mit weiteren Betroffenen eine Initiative - leider ohne Erfolg. Die Hoffnung aufgeben will er allerdings nicht. "Vielleicht bringt uns die Klage der Umwelthilfe ja weiter", hofft er. 

Metzgerei musste dicht machen

Helmut Klemm, der seit vielen Jahrzehnten in der Grombühlstraße 47 lebt, hat da eher resigniert: "Ich weiß nicht, ob sich da was tut. Das liegt an der Politik. Ich habe da nicht viel Hoffnung", meint er und schüttelt den Kopf. Bisher habe es keinen interessiert, so sein Empfinden. Die Entwicklung, die immer schlimmer wurde, hat der heute 85-Jährige live mitbekommen. Gemeinsam mit seiner Frau betrieb er bis in die 90er Jahre hinein die Metzgerei Müller. Doch durch den immer stärker fließenden Verkehr gab es irgendwann keine Halte-Möglichkeit mehr für Kunden. "Da blieben die Kunden weg. Deswegen mussten wir unser Geschäft schließen", so Klemm.

Neben der  gesundheitlichen Belastung durch die Abgase, birgt der Verkehr auch weitere Gefahren: Die Grombühlstraße in Höhe seines Hauses zu überqueren, sei nicht zu empfehlen: "Es sind schon Menschen tot gefahren geworden. Die armen Anwohner trauen sich nicht mal mehr über die Straße", sagt der 85-Jährige. Auch die Lärmbelastung ist immens. Fenster könne man tagsüber nicht öffnen.

Würzburger beschäftigt das Thema 

Die Würzburger scheint das Thema Diesel-Fahrverbot jedenfalls zu beschäftigen. Auf den Artikel  "Am Würzburger Stadtring droht ein Dieselfahrverbot" gab es im Netz Dutzende von Kommentaren. Die Meinungen gehen allerdings auseinander. Während manche Leser ein Fahrverbot für Diesel  befürworten und sich wünschen, dass die Radfahr-Infrastruktur in Würzburg weiter ausgebaut wird, kritisieren andere, dass der Dieselmotor zum Alleinschuldigen abgestempelt wird, wieder andere werfen dem Verein Umwelthilfe knallharte Lobbypolitik vor.   

Der Verkehr fließt auf der Nordtangente
Der Verkehr fließt auf der Nordtangente Foto: Johannes Kiefer

So sagt zum Beispiel Online-Nutzer "kgeorg": "Bevor man Deutschlands Innenstädte komplett für Diesel-Fahrzeuge lahm legt, fehlt für mich der Nachweis, dass diese Maßnahme überhaupt die erwünschte Wirkung bringt." Da es schon einige Fahrverbote für Diesel gebe,  sollte es doch leicht möglich sein, in kurzer Zeit einen Vergleich der Feinstaub- und NO2-Messwerte vor und nach den Fahrverboten vorzulegen, so sein Vorschlag. "Wenn es keine eindeutigen, messbaren Verbesserungen gibt, bitte mit sofortiger Wirkung die Fahrverbote wieder aufheben", schreibt er.

Dieselfahrer ärgern sich

Ein weiterer Nutzer "dhanna" merkt an: "Vor einigen Jahren habe ich mich bewusst für ein Dieselfahrzeug entschieden, da ich täglich (Fahrgemeinschaft) 180 km fahre. Ausschlaggebend waren geringer Verbrauch und Beratung. Mich ärgern diese Fahrverbote immens, es kommt einer Enteignung gleich." Leider könne sich der Nutzer kein neues Auto oder sogar E-Fahrzeug leisten. Nun die Frage: "Warum kann man zugelassene Fahrzeuge nicht einfach weiter fahren lassen, dafür Neuzulassungen für Diesel stoppen? Nach ein paar Jahren löst sich das Problem von selbst."

Anders Online-Leser "mainpostl": "Endlich mal jemand, der versucht die Luft in den Städten zu verbessern und Gesetze - die von 27 Ländern beschlossen worden - durchzusetzen", schreibt er. Die Städte hätten immer noch nicht begriffen, dass das mit dem Autoverkehr so nicht weitergehen kann. "Sollen die Straßen noch breiter werden oder noch zusätzliche Spuren über die vorhandenen Straßen gebaut werden? Und am besten sollte man zum Parken noch bis ins Wohnzimmer fahren können?" Sein Aufruf: "Fangt endlich an, an  einer lebenswerten Zukunft - auch in den Städten - zu arbeiten!"

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