WÜRZBURG

Digitalisierung: Handwerkskammer in Würzburg prescht vor

Auszubildender       -  Handwerk und Digitalisierung – das wird jetzt intensiv in Unterfranken erforscht.
Handwerk und Digitalisierung – das wird jetzt intensiv in Unterfranken erforscht. Foto: dpa

Sich einen Maler, Fleischer oder Friseur mit einem Roboter an der Seite vorzustellen, das ergibt ein ungewöhnliches Bild. Handwerk und Digitalisierung – das ist etwas, was zumindest im Klischee nur selten zusammenpasst. Nicht umsonst gilt das Handwerk als reine Handarbeit.

Forschungsprojekt mit Kammer in Augsburg gestartet

Rolf Lauer ist da ganz anderer Meinung. Handwerk 4.0 als Synonym für die digitale Zukunft all der Maler, Fleischer und Friseure, daran führt nach Ansicht des Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer für Unterfranken kein Weg vorbei. Weil das für Lauer so ist, lässt er seine Kammer nun beim Thema Digitalisierung bundesweit vorpreschen. Zusammen mit der Handwerkskammer für Schwaben in Augsburg haben die Würzburger ein einzigartiges Forschungsprojekt gestartet, das in den kommenden drei Jahren Klarheit bringen soll, wie das Handwerk digitalisiert werden kann.

Fraunhofer unterstützt das Projekt wissenschaftlich

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von einer Einrichtung namens IGCV in Augsburg, einem unter anderem auf Gießerei- und Verarbeitungstechnik spezialisierten Ableger der Fraunhofer-Gesellschaft.

Der Handwerkskammer (HWK) in Würzburg kommt in dem Projekt die Rolle zu, den sinnvollen Einsatz von Robotern im Handwerk zu untersuchen. Dazu dient ein vor zwei Jahren angeschaffter Roboter im HWK-Bildungszentrum in Schweinfurt. Mit ihm soll vor allem getestet werden, wie er intuitiv und damit auch von Laien programmiert werden kann, erklärt Lauer. Was das bedeutet, macht er an einem Beispiel klar: Ein Autolackierer streicht mit der Hand über die Karosserie eines Wagens. Diese Bewegung speichert der Roboter und erkennt so die Konturen des Autos. Kurz darauf lackiert er die Karosserie eigenständig mit der gewünschten Farbe.

Kammer stellt extra einen neuen Mitarbeiter ein

Für das Projekt wird die Kammer zum 1. September eigens einen Mitarbeiter einstellen, dessen Gehalt – wie die sonstigen Projektkosten auch – zu 75 Prozent vom bayerischen Wirtschaftsministerium getragen wird. Vor wenigen Tagen haben die Kammern in Augsburg und Würzburg einen entsprechenden Förderbescheid bekommen. Das Projekt kostet nach Angaben aus Augsburg insgesamt zwei Millionen Euro.

Die während der dreijährigen Projektphase gesammelten Erkenntnisse werden Lauer zufolge am Ende zusammengefasst und den Betrieben unter anderem in Form von Schulungen zur Verfügung gestellt. Während die Würzburger die Robotik testen, spezialisieren sich die Augsburger auf den Aspekt Dienstleistung: Mit Hilfe einer Sanitärfirma wird im Alltag getestet, wie Wartung und Instandhaltung von Heizungen sowie die Lieferung von Ersatzteilen digital geregelt werden können.

Lauer: Digitalisierung vernichtet keine Arbeitsplätze

Wie Hauptgeschäftsführer Lauer gegenüber unserer Redaktion sagte, wird Kollege Roboter im Handwerk grundsätzlich keine Arbeitsplätze vernichten. Die Mitarbeiter seien nach wie mit ihrer Fachkompetenz gefragt, müssten sich aber auf neue Qualifikationen in Richtung Digitalisierung einlassen. Spezielle Programmierkenntnisse seien allerdings nicht notwendig. „Denn davor schrecken viele Handwerker zurück“, so Lauer. Insofern sei die intuitive, als einfache und selbsterklärende Bedienung eines Roboters für das Handwerk so wichtig. Generell sei ein Roboter im Handwerk „überall einsetzbar“, ist Lauer überzeugt.

Dass die Betriebe in Unterfranken für das Thema offen sind, davon ist der Hauptgeschäftsführer überzeugt. Das leite er von der Tatsache ab, dass im vergangenen Jahr bis zu 50 Betriebe in Schweinfurt vertreten waren, als der Roboter im HWK-Bildungszentrum vorgestellt wurde.

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