WÜRZBURG

Dokument aus der Anfangszeit der Malteser

Gabriele Fröhlich vom Malteser Besuchsdienst ist ganz begeistert von der Erste-Hilfe-Bescheinigung aus dem Jahr 1965, die ihr Irmgard Purlein zeigt. Foto: FOTO Christina Gold/Malteser Würzburg

Irmgard Purlein ist ein lebendes Geschichtsbuch. Mit ihren 92 Jahren hat die zierliche Dame viel erlebt: eine schwere Jugend während des Zweiten Weltkriegs, die höchst interessante Zeit als Mitarbeiterin bei den Nürnberger Prozessen, dann die Arbeit in der Bischöflichen Finanzdirektion Würzburg. Vielfältig ist sie interessiert, Musik, Kunst, Politik, Glaube, das alles hat sie und ihren Geist lebendig gehalten.

Da fällt es schwer, wenn Augenlicht und Muskelkraft nachlassen und die Stufen zur Wohnung im vierten Stock nur noch selten genommen werden können. Seit Anfang des Jahres kommt daher eine ehrenamtliche Helferin des Malteser Besuchsdienstes einmal in der Woche zu Irmgard Purlein.

Die Gespräche mit der Malteserin tun der 92-Jährigen, die ihr Leben lang ihre Frau stehen musste, gut. „Wenn man nicht mehr so gut rausgehen kann, ist so ein Besuch ein Segen“, sagt sie. Der Austausch zu gesellschaftlich relevanten Themen war ihr immer wichtig, stets mischte sie sich ein, redete mit.

Auch den Führerschein gemacht

In ihr eigenes Leben lässt sich aber nicht reinreden, nimmt es gerne selber in die Hand. So auch, als sie ihren Ehemann bei einem Schwächeanfall nicht zum Arzt fahren kann, weil sie keinen Führerschein hat. Gleich am nächsten Tag meldet sie sich in der Fahrschule an. 1965 war das. „Zu der Zeit wollten die Männer nicht, dass Frauen den Führerschein machten“, sagt Irmgard Purlein mit einem Schmunzeln. Die damals 42-Jährige macht ihn trotzdem.

Und nach bestandener Fahrprüfung kommt auch noch der Erste-Hilfe-Kurs dazu, obwohl „das noch gar nicht Pflicht war damals“, erinnert sie sich. Aber die Hilflosigkeit beim Notfall ihres Mannes wollte sie nicht noch einmal erleben. Den Kurs absolvierte sie bei den Maltesern, die damals gerade seit drei Jahren in Würzburg Fuß gefasst hatten. Die in der Ausbildung erworbenen Kenntnisse hat sie danach nie wieder benötigt – zumindest fällt ihr im Gespräch keine Gelegenheit ein, was bei Irmgard Purlein ungefähr dasselbe ist. Aber die Bescheinigung hat sie seitdem aufgehoben, eine Rarität für die Malteser Würzburg.

Gabriele Fröhlich, Leiterin des Malteser Besuchsdienstes, ist ganz begeistert: „Es gibt nicht mehr so viele Dokumente aus der Anfangszeit der Malteser hier in Würzburg.“

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