WÜRZBURG

Dunkle Hautfarbe: Eltern haben Angst um ihre Kinder

Soziologion Natasha Kelly: „Dieser offene Rassismus ist für mich besorgniserregend!“ FOTO Oxana Chia Foto: Oxana Chi

Sie haben, sagen die Eltern, oft Angst um ihr Kind. Denn wegen seiner dunklen Hautfarbe fällt es sofort auf. Damit kann es im Alltag Vorurteilen und Rassismus ausgesetzt sein. Wie schwarze Kinder und deren Eltern darauf reagieren können, zeigt die Berliner Panafrikanistin Natasha Kelly am 7. und 8. Oktober in Würzburg auf. Im Vorfeld sprach Pat Christ mit der Soziologin, die sich seit vielen Jahren mit den Themen „Alltagsrassismus“ und „Sexismus“ auseinandersetzt.

Frage: Inwieweit ist die Besorgnis von Eltern schwarzer Kinder vor rassistischen Diskriminierungen denn gerechtfertigt?

Natasha Kelly: Rassismus ist Teil unserer Gesellschaft. Gerade mit der Neuen Rechten erleben wir, dass die weiße Mehrheitsgesellschaft nicht mehr davor zurückschreckt, offen rassistisch zu sein. Längst sind also nicht mehr nur Rechtsextremisten Rassisten. Auch der Bäcker, der Arzt oder einfach der Mensch nebenan kann rassistisch sein. Die Mehrheitsgesellschaft, so meine Erfahrung, nimmt kein Blatt mehr vor den Mund, denkt nicht nach und hat nichts aus der Vergangenheit gelernt. Und dieser offene Rassismus ist für mich besorgniserregend!

Stellt die Erziehung eines schwarzen Kindes Eltern vor diesem Hintergrund vor eine besondere Herausforderung?

kelly: Ja. Vor allem weiße Eltern sollten geschult werden, da sie das Problem nicht am eigenen Leib erleben, keine eigenen Erfahrungen mit Rassismus gemacht haben und ihnen viele Dinge einfach nicht bewusst sind. Doch sie müssen ihr schwarzes Kind auf potenzielle Gefahren aufmerksam machen. In Berlin zum Beispiel ist es ab einer bestimmten Uhrzeit einfach gefährlich, sich an U-Bahn-Stationen gewisser Randbezirke aufzuhalten.

Eltern schwarzer Kinder müssen also sehr wachsam sein, da es leicht passieren kann, dass das Kind Rassismus erlebt. Wie lässt es sich erkennen, ob ein Kind solch einem Erlebnis ausgesetzt war?

kelly: Es gibt kein klares Kennzeichen, daher ist es wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern reden und die Möglichkeit mit einschließen, dass ihr Kind vielleicht eine rassistische Erfahrung gemacht haben könnte. Dies setzt voraus, dass sie geschult sind und verstehen, was Rassismus ist. Häufig führt Rassismus dazu, dass sich Kinder zurückziehen. Manche versuchen, ihre Haut zu verdecken, zum Beispiel, indem sie bei strahlendem Sonnenschein nur noch mit langen Klamotten rausgehen.

Andere fühlen sich „schmutzig“. Es gibt Fälle, wo schwarze Kinder versuchen, Seife zu essen im Glauben, dadurch „weißgewaschen“ werden zu können.

Kommt Alltagsrassismus auch im ländlichen Raum vor? Oder tritt dieses Phänomen vor allem in großen Städten auf?

kelly: Rassismus macht nicht vor räumlichen Grenzen Halt. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und kommt überall vor.

Wie sollen sich Eltern verhalten, wenn sich eine Person richtiggehend grob gegenüber ihnen oder dem schwarzen Kind verhält?

Kelly: Wichtig ist, nicht in Schweigen zu verfallen - so schwer das auch sein kein. Man soll das Problem ansprechen und die Menschen auf ihr Fehlverhalten hinweisen. Auch kann man sich Hilfe holen. Es gibt deutschlandweit Organisationen und Initiativen, die sich mit diesem Problem beschäftigen und Schutzräume bieten. Kommt es in der Schule oder im Kindergarten vor, dann sollte man die Fälle melden. Das Antidiskriminierungsbüro des Bundes führt eine Statistik, die es erlaubt, auch Einzelfälle zu ahnden und auf politischer Ebene Maßnahmen dagegen zu ergreifen.

Vortrag und Workshops

Die dreiteilige Veranstaltung „Empowerment für Schwarze Kids und deren Eltern“ beginnt am 7. Oktober um 20 Uhr im Buchladen Neuer Weg (Sanderstraße 23) mit Kellys Vortrag „Gut gemeint = gut gemacht? Alltagsrassismus und Perspektivenwechsel“. Eintritt: 5 Euro.

Ein von Jonathan Aikins geleiteter Workshop für afrodeutsche u. schwarze Jugendliche beginnt am 8. Oktober um 17 Uhr im K.L.E.K.S.-Haus (Matterstockstr. 32). Parallel bietet Kelly einen Workshop für Eltern u. Bezugspersonen afrodeutscher und schwarzer Kinder in der Villa Kunterbunt (Reiserstraße 5) an. Gebühr für Einzelpersonen 30 Euro, für Familien 50 Euro. Anmeldung: wuerzburg@verband-binationaler.de

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