WÜRZBURG

Ehemann überlebte zweite Messerattacke nicht

Es gab Bauchfleisch und Nudelauflauf – und einen zehn Zentimeter tiefen Stich in den Hals. Der Mann, den seine Frau im Juli 2017 im Streit mit einem Steakmesser tödlich verletzt haben soll, starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Witwe ist jetzt vor dem Landgericht Würzburg wegen Totschlags angeklagt.

Die Angeklagte betritt den Schwurgerichtssaal des Strafjustizzentrums mit festen Schritten. Sie ist auffällig geschminkt, das aschblonde Haare hat sie hochgesteckt. Sie weiß, wo ihr Platz auf der Anklagebank ist, sie steht nicht zum ersten Mal vor Gericht. Anfang 2015 wurde sie wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren mit Bewährung verurteilt: Im Februar 2014 hatte sie, betrunken und im Streit, ihrem Ehemann ein Messer in den Oberkörper gestoßen. Dass er den Angriff überlebte, war „reine Glückssache“, so das Gericht, das die Frau damals verurteilte. Dennoch begleitete der Mann damals seine Frau zu ihrem Prozess. Man hatte sich wieder versöhnt.

Mit einem Messer in den Hals gestochen

Nun, gut drei Jahre nach der Verurteilung, ist der Mann tot. Gestorben am 29. Juli vergangenen Jahres an einem Messerstich in den Hals. Seine Frau sitzt seitdem in Untersuchungshaft, nun ist ihr Prozess. Die 40-jährige gelernte Bäckereiverkäuferin, die zuletzt als Servicekraft arbeitete, habe ihren Mann getötet, „ohne Mörderin zu sein“, sagt der Staatsanwalt. Im Streit habe sie ihm ein Steakmesser in den Hals gerammt, eine Vene und die Lunge verletzt. Dann habe sie, über einen Nachbarn, Notarzt und Polizei alarmiert.

Erinnerungslücken wegen des Alkohols

Verteidiger Hanjo Schrepfer gibt eine kurze Erklärung für seine Mandantin ab. Die 40-Jährige stelle die Tat „nicht in Abrede“, sagt er, sie übernehme „die Verantwortung für den Tod ihres Mannes“. Am Tattag habe sie mit dem Partner „exzessiv getrunken“, ob es einen Streit gegeben habe, wisse sie nicht mehr, sie halte es aber für möglich. Eine „konkrete Schilderung“ der Tat könne sie wegen ihrer Alkoholisierung nicht geben. Aber das, was sie bislang über den Messerstich erzählt hat, erhalte sie „nicht aufrecht“. Verteidigerin Christina Glück betont, dass die Angeklagte ihren Mann „unendlich geliebt“ habe. Er sei „das Wichtigste in ihrem Leben“ gewesen.

Bei dem Notruf, der am 29. Juli 2017 bei der Polizei einging, hieß es wohl, der Mann habe mit einem Messer Suizid begangen. Als der Notarzt eintraf, hat die Frau, die zur Tatzeit etwa drei Promille gehabt haben soll, dem Mediziner erzählt, sie haben ihrem Mann ein Messer reichen wollen, sei dabei gestolpert und das Messer sei in seinem Hals gelandet.

Unterschiedliche Tat-Versionen

Zu einem Polizisten hat sie, wie dieser im Zeugenstand angibt, gesagt, der Mann habe sie während des Essens am Hals küssen wollen, sie habe mit dem Messer in der Hand nach ihm gegriffen und ihn getroffen. Einem anderen Polizisten hat sie berichtet, sie habe den Mann auf der Couch über die Schulter füttern wollen und ihn dabei versehentlich „mit dem Messer erwischt“…

Den Polizisten, die nach der Tat mit der Frau zu tun hatten, kam die 40-Jährige nicht sonderlich betrunken vor. Man habe zwar Alkohol gerochen, erzählen die Beamten dem Gericht. Aber die Frau habe sich gut artikulieren können, sie sei nicht geschwankt und ihre Gedankengänge seien geordnet gewesen. Umso verwunderter waren sie, als sie den Promillewert der 40-Jährigen erfuhren.

Oft Streit wegen finanzieller Probleme

Die Angeklagte hat ihren Mann geheiratet, als sie 17 war, 1999 ist sie mit ihm und ihrer Tochter aus der ehemaligen Sowjetunion eingewandert. Ihre ganze Familie lebe in Deutschland, sagt sie. Der 15-jährige Sohn, der jetzt bei den Großeltern wohnt, wurde hier geboren. Sie habe immer gearbeitet, betont die Frau, die schon Oma ist. Ihr Mann sei zehn Jahre lang arbeitslos gewesen. Ihre Ehe sei gut gewesen, obwohl es oft Streit wegen finanzieller Probleme gegeben habe. Man habe sich immer wieder versöhnt.

Während des Prozesses wirkt die 40-Jährige ruhig und emotionslos. Als am Richtertisch Fotos vom Tatort und vom Toten angeschaut werden, unterhält sie sich mit ihrer Verteidigerin.

Die Verhandlung wird am Donnerstag (26. April) mit der Vernehmung von zwölf Zeugen fortgesetzt. Auch sollen dann der rechtsmedizinische und der psychiatrische Gutachter gehört werden. Ein Urteil der Ersten Strafkammer wird frühestens am Freitag darauf erwartet.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Gisela Schmidt
  • Betrunkenheit
  • Landgericht Würzburg
  • Messer-Attentate
  • Probleme im Bereich Finanzen
  • Totschlag
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
3 3
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!