WÜRZBURG

Ehrgeiziger Zeitplan für Bahnhofspavillons

Die alten Pavillons am Bahnhof sollen weg: Bis zur Landesgartenschau 2018, so die Pläne wird es neue Verkaufsgebäude geben. Der Zeitplan erscheint sportlich. Foto: Thomas Obermeier

Schandfleck oder filigrane Architektur? Die Frage mag umstritten sein. Unstrittig ist, dass die beiden Pavillonreihen auf dem Würzburger Bahnhofsvorplatz heruntergekommen und dringend erneuerungsbedürftig sind. Sollte zuerst die Bahn als Bauherr auftreten, steht seit diesem Sommer fest: Die Stadt selbst muss die neuen Pavillons planen und die Kosten dafür übernehmen. Am Donnerstag hat sich der Hauptausschuss mit dem ehrgeizigen Zeitplan befasst, den Stadtbaurat Christian Baumgart vorlegte. Das löste im Gremium heftige Debatten aus.

Unbestritten ist: Die Bausubstanz aus den 50er Jahren ist verbraucht, die energetischen und hygienischen Verhältnisse der Häuschen entsprechen nicht mehr den Anforderungen. Der Stadtrat hat deshalb der Verwaltung den Auftrag zur Neuplanung erteilt. Die neue Bebauung soll klar, flach und eingeschossig sein, dazu durchlässig zum Ringpark hin und mit einem Wetterschutz versehen. Und jeder Bau soll eine eigene Toilette bekommen.

In seiner Haushaltsrede am 15. Oktober hatte Kämmerer Robert Scheller im Stadtrat betont, dass die Gestaltung des Hauptbahnhofes in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen werde: „Erste Anschubmittel sind schon im Haushalt 2016 enthalten, der Rest wird auf die folgenden Jahre verteilt.“ Derzeit geht man bei der Stadt von 4,32 Millionen Euro für einen Neubau der Pavillons aus.

Die Bahn will zwar nicht mehr Bauherr sein, hat der Stadt aber eine Mietvorauszahlung in Aussicht gestellt. Scheller spricht von 2,5 Millionen Euro, der Betrag müsse noch verhandelt werden. Ein ganz normaler Vorgang für den Personal- und Wirtschaftsreferenten. Die Stadt als Projektentwicklerin beabsichtigt laut Ausschussvorlage, die Pavillons an die Bahntochter Station & Service AG auf 20 Jahre zu vermieten. Die AG soll einen Teil der Miete als Investitionszuschuss zahlen.

Scheller machte in der Haushaltsrede und im Ausschuss Dampf: „Erst vor wenigen Tagen waren wir in einer weiteren Abstimmung mit der Bahn. Wenn wir uns ranhalten, und noch in diesem Jahr der Verwaltung einen unmissverständlichen Handlungsauftrag geben, dann ist die Realisierung der neuen Pavillons noch zur Landesgartenschau 2018 möglich.“

Diesen Zeitplan stellte Stadtbaurat Baumgart nun erstmals vor. Das Ziel: Bis Februar 2018 sollen die neuen Gebäude fertig sein. Die Landesgartenschau beginnt im April 2018. Die bestehenden Mietverhältnisse sollen unmittelbar nach der geplanten Beschlussfassung im Stadtrat am 3. Dezember gekündigt werden.

Von Januar bis Juni 2016 sollen dann Abbruch- und Neubaugenehmigung eingeholt werden, die bisherigen Mieter ausziehen und ein Provisorium für das Fahrmeisterbüro der Würzburger Straßenbahn geschaffen werden. Im Juni 2016 sollen die Mietverträge mit der Bahntochter fix sein. Schon im Juli könnten – so die Vorstellungen der Verwaltung – dann die Bagger anrücken und der Abbruch beginnen. Dann sollen zunächst Leitungen für Fernwärme und Entwässerung erneuert werden.

Zwischen August 2016 und September 2017 will Baumgart den Hochbau durchführen lassen. Im Herbst 2017 könnten – so der Plan – die Oberflächen um die Pavillons gemacht und der Rohbau abgeschlossen werden. Da sind auch schon die Überdachungen und Beleuchtungen geplant. Im Oktober 2017 soll die Übergabe an die Mieter erfolgen und der Innenausbau beginnen.

Der Vorteil, die Pavillons an die Bahntochter zu vermieten, liegt für die Stadtverwaltung auf der Hand. Ein Generalmieter regele das Sortiment über einen langen Zeitraum, die Station & Service AG greife auf ein bewährtes Portfolio für Bahnhöfe zurück und gewährleiste ein ausgewogenes Gesamtangebot.

Scheller und Baumgart machten deutlich, dass sie für diese Planungen den Grundsatzbeschluss brauchen. Sie bekamen vom Hauptausschuss – nach langer Diskussion – ein positives Gutachten für den Stadtrat als Entscheidungshilfe mit. Nur drei Räte stimmten dagegen. Aus den Reihen der SPD kam der Wunsch einer nicht-kommerziellen Nutzung in Form von dringend benötigten Radstellplätzen, am liebsten rechts vom Bahnhof. Das wurde abgelehnt.

Allgemein angezweifelt wurde der Zeitplan. Ist der überhaupt realistisch, so die vielfach gestellte Frage. Und was ist mit der Gleisführung der Straßenbahn am Bahnhofsvorplatz? Ein Stadtrat forderte eine Einbettung in eine Gesamtplanung. Sitzungsleiter Bürgermeister Adolf Bauer forderte die Räte auf, etwas mehr Mut zu haben. Die nächste Lesung ist am 24. November im Umwelt- und Planungsausschuss angesetzt.

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