Eibelstadt

Eibelstadt: Grüner Stadtrat fordert autofreien Marktplatz

Der Marktplatz vor dem Rathaus in Eibelstadt wird rund um die Uhr als Parkplatz genutzt.  Foto: Marius Flegler

Ein Altort mit historischen Bauten und engen Gassen, die vom Herzen der Stadt in alle Richtungen abzweigen: Für die einen ist Eibelstadt rund um seinen Marktplatz ein malerischer und gemütlicher Weinort. Viele Anwohner jedoch sind in erster Linie genervt von der problematischen Parksituation. Das ist mitnichten ein Problem, welches nur in der Stadt Eibelstadt aufschlägt. Aber hier wird zum Parken auf den Marktplatz ausgewichen. Einigen Bürgern ist das dadurch veränderte Stadtbild ein Dorn im Auge. 

Die maximale Parkdauer ist dort tagsüber auf drei Stunden begrenzt. Um Anwohner mit Bewohnerparkausweis nicht zu benachteiligen, beschloss der Stadtrat jüngst, dass das Parken auf dem Marktplatz für ausschließlich diese ab 18 Uhr über Nacht erlaubt ist. 

Wenn es nach Stadtrat Christoph Trautner (Bündnis 90/Die Grünen) ginge, würde er das Parken auf dem Platz vor dem Rathaus gänzlich untersagen. In einer Presseerklärung schwärmt er vom einmaligen Ambiente der Stadt und ihrem historischen Marktplatz und beteuert, dass dieser viel zu schade sei, um ihn als Parkplatz zu nutzen. Er beklagt die Blechwüste, die in der Mitte des Platzes vorzufinden sei.

Grüne bringen das Thema im Stadtrat ein

Nun haben die Stadträte der Grünen eine Anfrage in den Stadtrat eingebracht: Ein Stadtplaner soll beauftragt werden, um Vorschläge zur Umgestaltung des Marktplatzes auszuarbeiten. Da momentan laut Trautner noch ein anderes Verkehrsgutachten in Bearbeitung sei, sei die Anfrage aber erst einmal bis auf weiteres zurückgestellt worden. Bei dem Gutachten gehe es jedoch nur um den fließenden, nicht aber um den ruhenden Verkehr, so Trautner. "Ich habe mich vom Bürgermeister vertröstet gefühlt", sagt er.

Bürgermeister Markus Schenk (CSU) sieht das anders. Bei dem von Trautner genannten Verkehrsgutachten handle es sich um das sogenannte "Parkraumkonzept" im Rahmen des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) der Stadt. Hierbei werde analysiert, wie stark das Verkehrsaufkommen in Eibelstadt sei, um so den genauen Bedarf an Parkplätzen ermitteln zu können. Des Weiteren solle die Beschilderung für die Parkmöglichkeiten verbessert werden, da diese gerade für Durchreisende sehr unübersichtlich sei. 

Parkplätze könnten anders angeordnet werden

Einen gänzlich autofreien Marktplatz sieht Schenk aufgrund der Geschäfte, des Rathauses und der Anwohner eher nicht. "Gewisse definierte Flächen für Parkplätze, die vielleicht anders angeordnet werden könnten, sind da. Allerdings muss man da auf die Ergebnisse des Planers warten", erklärt er. Außerdem wolle man im Blick behalten, wie andere Städte mit ähnlichen Situationen verfahren. In der finanziellen Bedarfsmeldung der Kommune an die Regierung Unterfranken für 2020 sei das Thema jedenfalls berücksichtigt. 

Im übrigen Stadtrat löst der Antrag von Christoph Trautner geteilte Reaktionen aus. "Meiner Meinung nach muss der erste Schritt sein, dass alternative Parkmöglichkeiten geschaffen werden", sagt die SPD-Stadträtin und dritte Bürgermeisterin von Eibelstadt, Michaela Pfeifer.   

"Ohne konkrete Pläne geht die autofreie Umgestaltung auf Kosten der Anwohner, das darf nicht sein."
Michaela Pfeifer, SPD-Stadträtin

Den Marktplatz von heute auf morgen autofrei zu gestalten, sei nicht gut durchdacht, so Pfeifer weiter. Im Altort gebe es viele Geschäfte. Gerade Besucher von außerhalb, aber auch Anwohner, die schlecht zu Fuß sind, seien auf die zentralen Parkmöglichkeiten angewiesen. Eine Lösung, welche alle Beteiligten zufrieden stelle, sehe sie nicht: "Ohne konkrete Pläne geht die autofreie Umgestaltung auf Kosten der Anwohner, das darf nicht sein."

Diese seien durch den derzeit geltenden Bewohnerparkausweis ohnehin schon benachteiligt, so Pfeifer weiter. Denn für diesen muss eine Gebühr entrichtet werden, während Anwohner am Ortsrand kostenlos parken. Auch Stadtrat Otmar Schlereth (CSU) pflichtet ihr bei: "Ich würde mir auch einen autofreien Marktplatz als Begegnungsplatz wünschen, das ist aber einfach nicht möglich." 

Keine schnelle Lösung in Sicht

Christoph Trautner ist der Ansicht, dass Autos vor den Toren der Stadtmauer oder am Maintor abgestellt werden müssten: "Der Marktplatz sollte zum Mittelpunkt für die Bürger werden. Dort müssten Bänke stehen, Cafés und Eisdielen. Die Autos werfen den historischen Hintergrund durcheinander." Ebenso könne er sich vorstellen, dass die autofreie Zone nur an Wochenenden gilt: "Es gibt da mehrere Möglichkeiten, aber man muss das Problem endlich in Angriff nehmen."

So oder so wird sich an der Situation vermutlich in näherer Zukunft nichts ändern. Für die Analyse des Verkehrsaufkommens zur Verbesserung der Parksituation holt die Stadt laut Markus Schenk momentan drei Angebote bei unterschiedlichen Architekturbüros ein. Diese liegen voraussichtlich im Januar kommenden Jahres vor. Erst dann könne man sehen, wie genau man weiter verfahre. "Das ist eben ein Prozess, aber wir sind da dran", versichert Bürgermeister Schenk. 

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