Würzburg

Ein Blick hinter die Kulissen im Museum für Franken

Im Rahmen des Zweiten Europäischen Tags der Restaurierung wurde im Museum für Franken ein ganz besonderer Blick hinter die Kulissen geboten. Bei der Station "Untersuchungstechniken" zeigte der freiberufliche Restaurator Martin Pracher, dass sich hinter einem Gemälde mehr verbirgt... Foto: Patty Varasano

Historische und wertvolle Ausstellungstücke gibt es im Museum für Franken auf der Festung Marienberg das ganze Jahr über zu sehen. Doch nun konnten Besucher anlässlich des Zweiten Europäischen Tags der Restaurierung hinter die Kulissen des Museumsgeschehens schauen. An sieben Stationen gaben Restauratoren Einblick in ihre Arbeit und erklärten, wieso Kunstobjekte eben nicht immer auf Hochglanz poliert werden sollten.

Sichtbar machen, was Besuchern normalerweise verborgen bleibt

Dass sich hinter einem Gemälde mehr verbirgt, als auf den ersten Blick sichtbar ist, zeigte der freiberufliche Restaurator Martin Pracher an der Station über Untersuchungstechniken. Mit ultraviolettem Licht ließ Pracher die Retuschen auf dem „Damenbildnis“ von Gottlob Knapp erscheinen. „Dadurch, dass Retuschen und ältere Flächen unterschiedlich fluoreszieren, kann man die Nachbesserungen erkennen“, erklärte Pracher.

Wieso Ausstellungsobjekte meist hinter Vitrinen aufbewahrt werden, erläuterte Brigitte Brühl im Steinsaal des Museums. „Metall braucht eine sehr niedrige Luftfeuchtigkeit. Auf begrenztem Raum in Vitrinen kann man diese Bedingungen, zum Beispiel mit Filtern, viel besser kontrollieren“, erklärte sie. Wenn die Objekte auch Holzelemente beinhalten, muss allerdings ein Kompromiss gefunden werden, denn Holz brauche eine höhere Luftfeuchtigkeit.

Über Tricks und Kniffe beim Transportieren von Kunstwerken

Nicht immer werden die Objekte hinter Glas verwahrt, denn zwischen Museen herrscht reger Leihverkehr von Kunstwerken. „Bevor die Werke sich auf die Reise machen können, muss zunächst ihr Zustand überprüft werden“, erklärte Restauratorin Jill Kruzwicki. Jeder Riss werde dabei dokumentiert. „Für den Transport gibt es speziell gefederte Lkw und besondere Transportkisten, die gegen kurzzeitige Klimaschwankungen absichern“, erläuterte Kruzwicki.

Zur Restaurierung der Bruno-Grotte (rechts in der Glasvitrine) musste da dreidimensionale Andachtsbild erst in die Werks... Foto: Patty Varasano

Zur Restaurierung der sogenannten Bruno-Grotte, ein dreidimensionales Andachtsbild, das den Heiligen Bruno in einer mit reichlich Perlen und Muscheln verzierten Grotte darstellt, musste es erst in die Werkstatt von Restauratorin Susanne Wortmann transportiert werden. Da das fragile Kunstwerk eine Autofahrt über Kopfsteinpflaster kaum unbeschadet überstanden hätte, wurde es per Hand getragen. „Die Bruno-Grotte ist das Lebenswerk eines Mönchs“, erklärte Wortmann den umstehenden Besuchern. Ein halbes Jahr lang ordnete sie in Kleinstarbeit heruntergefallene Perlen und Muscheln ihrem Platz zu und fügte sie wieder ein.

Wenn Dreck ein Kunstwerk stabilisiert

Im Roten Salon drehte sich alles um Holz. Restaurator Andreas Schneider informierte dort über die Materialien und den Erhalt von Holzmöbeln, zum Beispiel mit Hilfe von schützendem Schellack, der die Oberfläche zum Glänzen bringt. „Ich achte allerdings darauf, nicht alles auf Hochglanz zu polieren. Das Aussehen sollte dem Alter des Objekts entsprechen“, betonte Schneider.

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Tag der Restaurierung

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Auch bei Christine Hoffart, ebenfalls Restauratorin, war eine Hochglanz-Restaurierung des von ihr konservierten Tragschildes aus dem 16. Jahrhundert nicht gewollt. „Entscheidend war, die historische Substanz zu erhalten“, erläuterte Hoffart. Nachdem sie jedoch die Lehmschicht entfernt hatte, stieß sie zunächst auf ein Problem. „Der Dreck hat das Schild zusammengehalten“, beschrieb Hoffart. Um fragile Stellen zu stabilisieren, musste sie deshalb auf eine Füllung zurückgreifen, die unter anderem aus geriebenen Korken besteht.

Besondere Verantwortung für zeitgeschichtliche Dokumente

Für die Sonderausstellung „Sieben Kisten mit jüdischem Material“ restaurierten und konservierten Carolin Rötter und Sabine Bottler-Pracher zusammen mit Andreas Schneider einen barocken Tora-Schrein. „Es ging bewusst nicht darum, den Tora-Schrein in neuem Glanz erstrahlen zu lassen“, betonte Bottler-Pracher. Der Schrein, der sich früher in der 1945 zerstörten Synagoge in der Domerschulgasse befand, wurde in der Reichspogromnacht demoliert. „Man kann sehen, dass die Tür mit einem Fußtritt stark beschädigt wurde“, erklärte Bottler-Pracher. „Bei dem Schrein als Zeichen der Geschichte ging es an sich um reine Konservierung.“

Auch da das Museum nicht zu überfüllt war, gab es für Besucher wie Ralf Klene reichlich Gelegenheit, von Experten mehr über die Restaurierungsarbeit zu erfahren. „Ich bin durch Zufall auf die Veranstaltung gestoßen“, berichtete der Rüsselsheimer. „Trotz etwas Vorwissen finde ich es super interessant, den Restauratoren Fragen stellen zu können.“  

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