Würzburg

Ein Denkmal mit bewegter Geschichte

Boxkämpfe, Politikerreden  oder Rockkonzerte - die Frankenhalle hat in ihrer 90-jährigen Geschichte schon viel erlebt. Lange dämmerte sie vor sich hin, jetzt ist sie wieder im Gespräch.
Bis 1999 fanden in der Frankenhalle Viehversteigerungen statt. Foto: Norbert Schwarzott

In ihrer nunmehr 90-jährigen Geschichte hat die Frankenhalle an der Veitshöchheimer Straße schon viel erlebt. Von außen betrachtet wirkt sie eher unscheinbar, ihre wahre Qualität zeigt sich erst in ihrem Inneren. Eine stützenfreie Holzbinderkonstruktion überspannt den Innenraum, dazu kommen die Holztribünen, die diesen umschließen. Ursprünglich war die 1927/28 fertiggestellte Halle mit ergänzenden Gebäudeteilen als Mehrzweckhalle für landwirtschaftliche Ausstellungen und Viehversteigerungen errichtet worden. Das machte auch Sinn, denn nicht weit davon entfernt - auf dem Grundstück des heutigen Congress Centrums - befand sich bis Anfang der 1980er-Jahre der alte Würzburger Schlachthof. 1999 fand in der Frankenhalle die letzte Viehversteigerung statt. Seitdem steht sie leer.

Im Oktober 1958 begrüßt Bundeskanzler Konrad Adenauer bei einem CSU-Parteitag seine Zuhörer in der Frankenhalle. Foto: Walter Röder

Forum für Politiker

Da es in Würzburg nur wenige größere Veranstaltungsmöglichkeiten gab, wurde die Frankenhalle hin und wieder für Boxkämpfe, aber auch auch für politische Kundgebungen genutzt. Das begann schon sehr früh: Am 5. August 1930 sprach Adolf Hitler während des Reichstagswahlkampfs in der Frankenhalle.  Nach dem Ende des Nazi-Regimes kam im Oktober 1958 der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer, um bei einem CSU-Parteitag in der Frankenhalle eine Rede zu halten.1966 veranstaltete die CSU im Rahmen des Landtagswahlkampfes eine Großkundgebung in der Frankenhalle, bei der neben dem damaligen Bundesfinanzminister und CSU-Vorsitzenden Franz-Josef Strauß auch der bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel sprach.

der CSU-Parteivorsitzende Franz-Josef Strauß (links) in der voll besetzten Frankenhalle im November 1966. Foto: Walter Röder

1970 waren es dann Neonazis, die die Frankenhalle in Beschlag nahmen. Während die "Aktion Widerstand"drinnen ihre Parolen grölte, hatte sich vor der von der Polizei abgeriegelten Halle Demonstranten, vorwiegend Studenten und Schüler, versammelt, um ihrem Unmut über den braunen Spuk Ausdruck zu verleihen. Zufällig war an diesem Tag Günter Grass zu einer Lesung in Würzburg eingeladen und gesellte sich vorübergehend zu den Demonstranten. 

Ten Years After und AC/DC

Nicht nur Politiker kamen in die Frankenhalle, Ende der 60er und Anfang der 70er-Jahre entdeckten auch Konzertveranstalter die Frankenhalle für sich. Nur ein Jahr nach dem legendären Woodstock-Festival spielte 1970 die britische Bluesrock-Band "Ten Years After" in der Halle mit dem eigenartigen Geruch und den Werbetafeln für Viehfutter. Die Band war in Woodstock gerade zu Weltruhm gekommen. Ein paar Jahre später gab sich in der Frankenhalle eine bis dato noch ziemlich unbekannte junge Band aus Australien die Ehre.  Auf der Website der längst legendären Rockband ist zu lesen, dass sie am1. Oktober 1977 in der Frankenhalle zu Gast war: Es waren keine Geringeren als AC/DC, damals noch mit Sänger Bon Scott. 

Wegen ihrer außergewöhnlichen Inneneinrichtung wurde die Frankenhalle 2003 unter Denkmalschutz gestellt. Foto: Thomas Obermeier

Unter Denkmalschutz

Bald wurde es still um die Frankenhalle, die in einen tiefen Dornröschenschlaf versank. 2003 wurde sie wegen ihrer spektakulären Inneneinrichtung unter Denkmalschutzgestellt. Es war mal die Rede davon, sie zu einer Markthalle umzufunktionieren, und bis zu seiner Sanierung waren die Teile des Kiliansbrunnens hier eingelagert. 

Theatersanierung

Erst 2008 rückte sie wieder in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses, als sie als Ausweichspielstätte und spätere dauerhafte zweite Spielstätte für das sanierungsbedürftige Mainfranken Theater ins Gespräch gebracht wurde. Mehrere Jahre wurde hitzig diskutiert - bis 2013 der Stadtrat dieses Szenario verwarf, weil ihm die Sanierungskosten zu hoch erschienen. Dann wurde es wieder still um die Halle.

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