WÜRZBURG

Ein-Euro-Shop sorgt für Wallung

Es ist eine der besten und prominentesten Würzburger Einkaufslagen: Das ehemalige Arena-Haus in der Domstraße, in dem bis zum 31. Dezember die Bücherkette Thalia Literatur verkaufte. Sechs Monate stand der Laden leer, jetzt eröffnet die Firma Schum einen Ein-Euro-Shop. In Würzburg ist das der Aufreger der Woche.
Die Domstraße als 1a-Einkaufslage in Würzburg: Im früheren Arena-Haus will in einer Woche ein Ein-Euro-Shop eröffnen. Foto: FOTO Thomas Obermeier

Im Online-Forum der Main-Post geht es seit gestern zur Sache. Fast im Minutentakt melden sich Leser zur Wort. Die allermeisten reagieren mit Unverständnis auf den Billigladen in der 1a-Lage, auch Hohn und Spott bleiben nicht aus. Nur wenige sehen die Neueröffnung als Antwort auf die Schnäppchenjäger-Mentalität von Kunden. Einige machen die hohen Mieten in der Innenstadt für die Expansion der Filialisten verantwortlich. Das Gros der Kommentatoren dagegen ist verärgert und frustriert.

Teils wird das Rathaus dafür verantwortlich gemacht. Wobei man dort alles andere als begeistert ist von dem neuen Laden direkt am Sternplatz. Oberbürgermeister Georg Rosenthal wurde gestern deutlich: „Ich bin enttäuscht darüber, dass der Hausbesitzer nicht auch im Interesse der historischen Würzburger Innenstadt gehandelt, sondern ausschließlich auf seinen Geldbeutel geachtet hat. Diese Ansiedlung des Ein-Euro-Shops schädigt nicht nur den Standort Innenstadt, sondern auch die Qualität einer Haupteinkaufsstraße.“ Verständnis zeigt der OB für die Firma Schum und deren Suche nach einem guten Standort. Er bittet, beim Konzept für den Laden dessen besondere Lage in der Domstraße zu berücksichtigen.

Das hofft auch Wirtschaftsförderer Klaus Walther. Wie er auf Anfrage sagte, habe er einige Interessenten an Karl-Heinz Pfister als Eigentümer und Makler für das ehemalige Arena-Haus vermittelt. Dieser habe ihm erklärt, für eine hochwertige Nutzung sorgen zu wollen. „Ich bin massiv enttäuscht“, so Walther, Mitglied im Fachbeirat Attraktive Innenstadt. „Eine Aufwertung der Innenstadt sieht für mich anders aus.“ Die Ansiedlung eines Ein-Euro-Shops gelte im Gegenteil als Hinweis für ein „Downgrading“. Dafür also, dass es mit einer Ecke abwärts geht. Auch Adolf Wolz jun., Kreisvorsitzender des Einzelhandelsverbandes, ist nicht glücklich über den Ein-Euro-Shop in der Domstraße. Er hätte sich einen „hochwertigeren Ladenbesatz“ gewünscht. Gleichwohl weiß er, dass das Haus schwierig zu bewirtschaften ist.

Pfister hatte das Gebäude 2008 erworben. Seit dem Auszug der Thalia-Buchhandlung versuchte er das Objekt zu vermieten. „Doch die Wirtschaftskrise ist auch nach Würzburg gekommen“, sagt der Kaufmann. Über die Interessenten schweigt er, doch auf der Domstraße wurden unter anderem Nordsee, Fielmann, Beate Uhse und Schnellimbiss-Läden gehandelt. „Ich habe überall angeklopft, doch entweder war das Objekt den Interessenten zu groß oder zu klein“, erklärt Pfister.

Er bestätigt, von der Stadt zwölf Vorschläge bekommen zu haben: „Ich habe alle abtelefoniert, ohne Ergebnis.“ Dann hat der Kaufmann den Vertrag mit Schum gemacht. Pfister: „Das ist eine Würzburger Traditionsfirma, die in die Innenstadt zurückkehrt. Ich habe mich in vollster Überzeugung für sie entschieden.“ Die öffentliche Kritik versteht er nicht: „Schum erwartet etwa 2000 Kunden täglich, das ist ein Schub für die Domstraße, von dem andere profitieren werden.“

Nach Angaben von Schum-Geschäftsführer Jürgen Scheller ist die Eröffnung für Samstag, 18. Juli, geplant. Wenn der Umbau bis dahin abgeschlossen ist. Neue Böden, neue Wände, neue Beleuchtung: „Das wird alles andere als ein Ramschladen.“ Man habe einen speziellen, aufwändigen Ladenbau entwickelt. Gegenüber der Main-Post zeigt er sich betroffen von der Wortwahl mancher Kritiker. Die Aufregung verwundert ihn. Auch in anderen Städten verkaufe man in 1a-Lagen. Scheller geht davon aus, dass die Kritik verstummt, wenn das Geschäft erst mal geöffnet hat. „Wir werden mit Leistung überzeugen.“

Im Parterre und im Obergeschoss werden auf rund 300 Quadratmeter alle möglichen Kleinartikel für den täglichen Bedarf in allen Lebensbereichen verkauft. Einen zweiten Laden betreibt Schum seit 2006 in der Kaiserstraße. Geschlossen wurde zum Jahresende die 55 Cent-Filiale in der Haugerpfarrgasse.

Schum Euroshop ist eine Tochtergesellschaft der Würzburger Traditionsfirma J.E. Schum GmbH & Co KG, die seit 132 Jahren existiert. Vor 16 Jahren gab Schum sein Haushaltswarengeschäft am Schmalzmarkt auf. Schum Euroshop beschäftigt heute 1500 Mitarbeiter an 120 Standorten in ganz Deutschland.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!