LANDKREIS WÜRZBURG

Ein Hamster für den Umweltminister

Eine „Hamstertasche” hat Umweltminister Marcel Huber zur Erinnerung an seinen Besuch in Bergtheim von der Allianz „Würzb... Foto: Irene Konrad

Intensiv, zielorientiert und erfolgversprechend war am Donnerstag eine politische Gesprächsrunde mit dem neuen Staatsminister Dr. Marcel Huber vom „Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz“ im Bergtheimer Rathaus. Es ging um die Themen Grundwasserschutz, Veränderungen in der Landwirtschaft, Pachtpreise, Siedlungsdruck und den Feldhamster.

Eingeladen hatte die kommunale Allianz „Würzburger Norden“. Sprecher Konrad Schlier stellte Umweltminister Huber und Landrat Eberhard Nuß sowie den Vertretern der Fachbehörden „die Themen vor, die uns bewegen“. Schon zwei Mal waren die zehn Allianzgemeinden beim Umweltministerium in München gewesen. Nun war der Minister mit einigen seiner Mitarbeiter nach Unterfranken gekommen.

„Ihr Landtagsabgeordneter Manfred Ländner hat mich gebeten, diesen längst vereinbarten Termin mit meiner Amtsvorgängerin Ulrike Scharf zu übernehmen“, erläuterte Minister Huber. Er mache sich gern „ein Bild vor Ort“ und wisse vom „Hotspot in Unterfranken“ in Verbindung mit der Klimaerwärmung und den geringen Niederschlägen. Gerade in der „Bergtheimer Mulde“ zwischen Estenfeld und Hausen könnte das Trinkwasser einmal knapp werden.

Umweltminister Huber war gut informiert, aber von den größeren Zusammenhängen vor Ort und den Vorstellungen der betroffenen Bürgermeister überrascht. Zum ersten Mal höre er hier, dass die auf freiwilliger Basis beruhenden Förderungen – etwa aus dem Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) – vor Ort offensichtlich nicht passen. „Wir müssen auf landwirtschaftliche Flächen Zugriff bekommen“, meinte etwa Wolfgang Kleiner, der Umweltreferent der Stadt Würzburg.

Der vorrangige Schutz des Grundwassers sei das eine Thema, das andere ist der Schutz des Feldhamsters. In der Bevölkerung und aus der Politik gebe es hohen Druck, Wohnraum zu bauen. „Aber wenn wir es nicht schaffen, den Lebensraum der geschützten Feldhamster in Unterfranken zu sichern, wird er aussterben“, hat Kleiner Sorge. Zudem würden die Landwirte ihre Nutzung ändern. Das ist eine Gefahr für die Population des Feldhamsters.

„In Bayern kommt der Feldhamster nur noch zwischen Schweinfurt und dem Ochsenfurter Gau vor und sein Gebiet wird immer kleiner“, weiß Carola Rein vom Fachbüro Fabion in Würzburg. Sie hat für die Allianz-Gemeinden, die Gemeinde Rottendorf und die Stadt Würzburg ein interkommunales Schutzkonzept erarbeitet. Ein Hamster würde unter jeglicher Art von Monokultur leiden und brauche in seiner aktiven Zeit Nahrung und Deckung.

Die Böden im Würzburger Norden sind fruchtbar. Das mag der Feldhamster. Früher hat er von der gemischten Landwirtschaft mit Getreidefeldern profitiert. Heutzutage produzieren Landwirte Mais für die Biogasanlagen, sie bauen Sonderkulturen an, benützen Folientunnel und bewässern ihre Gurken, das Kraut oder Himbeeren und Erdbeeren mit Grundwasser aus eigenen Brunnen.

Bürgermeister Thomas Eberth will „es schaffen, die Kompensationsfläche für Feldhamster mit der Grundwasserentnahme der Landwirte zu verknüpfen“. „Wir kommen nicht mehr an landwirtschaftliche Flächen und werden somit einmal keine Ausgleichsflächen mehr für Bau- und Gewerbegebiete haben“, verdeutlichte Bürgermeister Roland Schmitt. Ähnlich geht es Bürgermeister Burkard Losert aus Rimpar, der „eine Umgehungsstraße in die Planfeststellung bringen will“ und dafür Ausgleichsflächen braucht.

Die Verknüpfung der Grundwasserproblematik mit dem Feldhamsterschutz, der zunehmenden Gemüseproduktion und der galoppierenden Pachtpreise war Minister Huber neu. „Wir brauchen Programme und Tools, um gemeinsame und gute Lösungen zu finden“, wies er die Behördenvertreter an, rechtliche Schritte zu prüfen, Studien durchzuführen und Gesetze zu ändern, wenn es nötig ist.

„Wir müssen Geld in die Hand nehmen“, wusste der Umweltminister und wies auf das „Förderprogramm Landwirtschaftliche Bewässerung“ hin. „Das Pilotprojekt hat das Ziel, in dieser Region mit wenig Wasser verschiedene Wasserressourcen zu prüfen“, erläutert Ministerialrat Christian Wanger. Der Leiter des Referats Wasserwirtschaft im ländlichen Raum, Gewässerökologie und Wildbäche beim Umweltministerium in München möchte „die Entwicklung der Kulturlandschaft und naturschutzrechtliche Projekte miteinander verknüpfen“.

„Wir wollen dazu beitragen, dass sowohl kleine landwirtschaftliche Betriebe als auch die Feldhamster hier überleben“, ist Bürgermeister Konrad Schlier aus Bergtheim überzeugt, dass „in der Bevölkerung ein Bewusstsein geschaffen werden muss, die Prüfung der Bewässerung der Felder beispielsweise aus dem Main mitzufinanzieren“. „Wir wollen die Pilotstudie“, verdeutlichte er. Obwohl trotz 75 Prozent Förderung durch den Staat ein dicker Batzen auf die Kommunen zukommen wird.

Staatsminister Huber sprach von Hausaufgaben, und zwar für die Behörden sowie für die Allianzgemeinden und deren Umfeld. Er bat um detaillierte schriftliche Unterlagen über die Probleme vor Ort und deren Verknüpfungen miteinander. Damit würde er auch auf Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zugehen. Die gemeinsame Suche nach Lösungen sei ihm ein echtes Anliegen.

Einen lustigen Moment gab es am Ende des offenen und konstruktiven Austausches. Bürgermeister Schlier schenkte Umweltminister Huber von der Allianz Würzburger Norden zum Abschied nicht nur einen Frankenwein, sondern auch eine Stofftasche mit einem Hamsterbild darauf. Als Erinnerung an das Hamsterland rund um Bergtheim.

Gruppenbild vor dem Bergtheimer Rathaus mit den Bürgermeistern des nördlichen Landkreises, Landrat Eberhard Nuß (vorne 2... Foto: Irene Konrad

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