WÜRZBURG

Ein Löwenpreis für Heimatverbundenheit

Insgesamt sieben unterfränkische Vereine und Einrichtungen erhalten an diesem Donnerstag in der Würzburger Residenz den Heimatpreis. Der sagt ihnen nichts? Den Preis verleiht das Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat in allen bayerischen Regierungsbezirken an „Menschen, die sich um unsere Lebensart verdient gemacht haben“, lässt sich Heimatminister Markus Söder in einer Pressemitteilung zitieren. Das geschieht aber auch erst seit kurzem: Erstmals verliehen wurde der Preis im Herbst 2015.

Konkretere Anforderungen an die Teilnehmer gibt es absichtlich nicht, um möglichst verschiedenen Preisträgern eine Chance zu geben. Die einzige Voraussetzung sei eben, dass sie sich in ihrem Tun für den Erhalt und die Weitergabe unterfränkischer Traditionen einsetzten, so ein Sprecher des Ministeriums. Für den Preis bewerben könne man sich nicht. Dafür darf jeder seinen Favoriten, der unterfränkische Tradition lebendig hält und weitergibt, vorschlagen. Wie viele Vorschläge für den Bezirk Unterfranken eingegangen sind, wollte das Ministerium auf Nachfrage nicht preisgeben.

Ein Gremium, zu dessen Zusammensetzung sich das Ministerium ebenfalls nicht äußerte, entscheidet über die Gewinner der jeweiligen Regierungsbezirke. Der Preis ist mit keinerlei Geldern verbunden, stattdessen gibt es einen bayerischen Löwen, den Professor Ottmar Hörl speziell für die Preisträger entworfen hat. So will das Ministerium den zumeist ehrenamtlichen Einsatz der Menschen würdigen.

Hörl ist Präsident der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg und fertigt die Löwen in einer eigens dafür gegründeten Porzellan-Manufaktur in Neustadt bei Coburg an: „Markus Söder, mit dem ich schon bei früheren Projekten zu tun hatte, kam mit der Idee des Löwen für den Heimatpreis auf mich zu.“ Vorgaben hätte es dabei gar nicht gegeben. „Herr Söder hat mir bei der Interpretation des bayerischen Löwen absolut freie Hand gelassen“, so Hörl weiter. Inzwischen haben schon rund 50 der 30 Zentimeter großen Löwen die Manufaktur verlassen und stehen nun vermutlich bei ihren Preisträgern in der Vitrine.

In Unterfranken erhalten insgesamt sieben Institutionen den Heimatpreis:

Passionsspiele Sömmersdorf

Die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf stellen auf ihrer Freilichtbühne im Wald die Leidensgeschichte Jesu nach. Dabei ist nahezu das gesamte Dorf involviert – 550 Menschen wirken bei einer Einwohnerzahl von 680 bei den Spielen mit. Der Aufwand zahlt sich aber aus. „Wir wollen in der Spielzeit 2018 wieder die 33 000er-Ticketmarke knacken“, erzählt der Vorsitzende Robert König. Das würde bedeuten, dass erneut alle 18 Vorstellungen der Sömmersdorfer ausverkauft wären.

KirchnerHAUS Aschaffenburg e.V.

„Entartete Kunst“ – als solche brandmarkten Nationalsozialisten die Arbeit des Aschaffenburger Künstlers Ernst Ludwig Kirchner 1937. Mehr als 600 Werke wurden daraufhin verkauft und zerstört. Ein Jahr später nahm sich der Expressionist das Leben. Um die Arbeit des Künstlers zu würdigen, gründete sich der Verein KirchnerHAUS in dessen Geburtshaus. Der Verein organisiert regelmäßig Ausstellungen, Vorträge oder Exkursionen rund um das Leben und die Werke Ernst Kirchners und hat inzwischen über 200 Mitglieder.

Main-Franken-Kreis

Frankreich, Polen, Japan, USA – die Liste der Länder, die der Main-Franken-Kreis bereits besucht hat, ist lang. Angefangen hat alles mit einer Fahrt ins österreichische Dienten am Hochkönig, inklusive fränkischer Trachten und der Veitshöchheimer Bauernkapelle. Damals, 1968, entschloss sich Georg Götz zur Gründung eines Vereins, der sich der Pflege der Heimatverbundenheit und der Vermittlung kultureller Werte verschrieb. Überrascht sei er gewesen, als die Einladung zur Heimatpreisverleihung kam: „Die kam direkt per E-Mail vom Ministerium“, so der Vorsitzende Götz.

Rhöner Masken Fastnacht

Wenn Schlappmäuler und Strohmänner mit Schellen durch die Straßen jagen, klingt das zunächst erst einmal gruselig. Das sollte es früher auch sein. Inzwischen vertreiben die Faschingsnarren in Oberelsbach den Winter und bedienen sich dabei ihrer ganz eigenen Bräuche. „Jeder Ortsteil hat seine typischen Masken und Verkleidungen“, meinte Bürgermeistern Birgit Erb. Und die werden teilweise seit Jahrhunderten innerhalb der Familien weitergegeben. „Alle zwei Jahre findet die Maskenfastnacht bei uns statt“, so Erb weiter, „dafür mit dem Heimatpreis ausgezeichnet zu werden, freut uns natürlich sehr“.

Blasorchester Volkach

Als „Nachwuchstruppe“ der Volkacher Stadtkapelle 1978 gegründet, musizieren die Volkacher seit 1998 als „Symphonisches Blasorchester“. Im Jahr 2000 erreichten die derzeit etwa 65 Mitglieder erstmals bei einem Wertungsspiel das Prädikat „mit ausgezeichnetem Erfolg“. Das hat das Aushängeschild der Musikschule 2016 zum zehnten Mal in Folge geschafft – als erstes und einziges Orchester in Bayern. Kein Wunder, dass das Ensemble auch bei der Verleihung des Heimatpreises die musikalische Begleitung übernehmen wird. „Wir freuen uns natürlich sehr“, teilte Musikschulchef Oskar Schwab mit, „ich weiß aber immer noch nicht, wer uns überhaupt vorgeschlagen hat.“

Weihnachtspostamt Himmelstadt

Etwa um 1980 herum erreichten erstmals Briefe mit Weihnachtswunschzetteln das Postamt in Himmelstadt. Adressat: das Christkind. Zunächst beantwortete der damalige Posthalter die Briefe, inzwischen kümmern sich rund 35 ehrenamtliche Helfer um die 80 000 Briefe aus 119 Ländern. „Ich denke, dass der Ortsname Himmelstadt ausschlaggebend war“, berichtet Rosemarie Schotte, Organisatorin und Leiterin des Weihnachtspostamts. „Himmelstadt ist ja eine ziemlich passende Adresse für das Christkind.“

Passionsspiele Dammbach

„Wir freuen uns sehr auf die Verleihung, die kommt genau zur richtigen Zeit“, erklärt Bürgermeister Roland Bauer, „da bekommen wir richtig Lust auf 2019.“ 2019, sollte alles nach Plan laufen, stehen die fünften Dammbacher Passionsspiele an. Darauf fiebert die Gemeinde im Landkreis Aschaffenburg, die die Spiele in einem Fünf-Jahres-Rhythmus abhält, aktuell hin. Und um sich dafür schon einmal etwas einzustimmen, werden die Dammbacher zur Preisverleihung in ihren Bühnengewändern erscheinen: als Apostel, Römer und hohe Räte.

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