Würzburg

Ein Park & Ride-Parkhaus statt Minigolf in der Sanderau?

Würzburgs erstes P & R-Parkhaus soll in der Stettiner Straße entstehen. Das findet nicht jeder gut, wie die Diskussion in der Sanderauer Bürgerversammlung zeigte.
Auf einem Teil dieser Grünfläche (Archivfoto) an der s.Oliver-Arena und unterhalb der Konrad-Adenauer-Brücke soll Würzburgs erstes Park & Ride-Parkhaus entstehen.  Foto: Thomas Obermeier

Es war das meist diskutierte Thema in der Bürgerversammlung der Sanderau: das neue Park & Ride-Parkhaus, das die Stadt auf der Grünfläche in der Stettiner Straße gegenüber der s.Oliver Arena plant - unterhalb der Konrad-Adenauer-Brücke und unweit der Straba-Haltestelle Königsberger Straße. Am nächsten Dienstag sollen die Stadträte im Planungs-, Umwelt- und Mobilitätsausschuss (PUMA) der Bauverwaltung den Planungsauftrag für das Parkhaus erteilen. Doch schon in der Bürgerversammlung entzündete sich an dem Projekt eine Kontroverse.

Die Versammlung war äußerst schwach besucht. Von den rund 14 000 Menschen, die im Stadtteil leben, verloren sich gerade mal rund drei Dutzend Bürger in der Aula der Klara- Oppenheimer-Schule. Das tat der Diskussionsfreude aber keinen Abbruch, als es um das geplante Parkhaus ging, das für bis zu 600 Autos auf der Fläche, auf der auch ein Minigolf- und ein Bolzplatz angesiedelt sind, 26 Meter hoch enstehen soll.

Diese Park & Ride-Standorte in Würzburg werden untersucht, beziehungsweise sind in Planung.   Foto: MP-Grafik Heike Grigull

Im vergangenen Oktober hatten die Stadträte  beschlossen, sechs Orte für Park & Ride prüfen zu lassen: die Talavera, den Dallenberg-Parkplatz, in der Ständerbühl- und Frankfurter Straße sowie die Feggrube und – neben möglichen P&R-Stellplätzen bei Ikea und am Hubland – eben das Areal in der Stettiner Straße. Das ist als Knotenpunkt zwischen Auto- und ÖPNV-Nutzung schon seit Jahrzehnten im Gespräch – und umstritten.

Stadtrat Dürrnagel will Unterschriften gegen das Projekt sammeln

"Das war bisher politisch nicht durchsetzbar", sagte im vergangenen Oktober der damalige Stadtbaurat Christian Baumgart und votierte gegen den Standort, weil mit erheblichem Widerstand der Anwohner zu rechnen sei. Diese Befürchtung schien sich in der Bürgerversammlung zumindest teilweise zu bewahrheiten.

Grundsätzliche Einwände gegen das Projekt brachte der Sanderauer Thilo Wagenhöfer vor: Er sei enttäuscht, weil "die einzige größere Grünfläche der Sanderau" als Park & Ride herhalten solle. Sinnvoller wäre nach seiner Meinung, die Autos oberhalb des Talkessels abzufangen. Wünschenswert wäre das schon, antwortete Baureferent Benjamin Schneider, die Frage aber sei: "Wo kann ich was realisieren?" Er berichtete, Gespräche mit Bürgermeistern von Umlandgemeinden zu führen, sagte das aber ohne sichtbare Zuversicht.

Massiven Widerstand kündigte der Sanderauer CDU-Stadtrat Willi Dürrnagel an. Seit 47 Jahren kämpfe er um den Erhalt der Grünfläche an der Stettiner Straße. Das werde er weiterhin tun, auch mit einer Unterschriftensammlung. Dürrnagel  prognostizierte, es werde "erhebliche Schwierigkeiten mit den Sanderauern geben". Während der Versammlung wurde allerdings auch deutlich, dass nicht alle Sanderauer Dürrnagels Kampf um die Grünfläche mitkämpfen wollen. Mancher findet das Parkhaus sinnvoll, vorausgesetzt, das Parken sei da "nicht so teuer wie in der Stadt". 

Der Standort Stettiner Straße geeigneter als die Feggrube 

Als Standort für ein Park & Ride-Parkhaus war auch das benachbarte TGW-Gelände in der Feggrube im Gespräch. Doch, wie den Unterlagen für die PUMA-Sitzung am Dienstag zu entnehmen ist, halten die Planer im Rathaus den Standort Stettiner Straße für geeigneter. So sei dieser durch die B 19 am südlichen Stadteingang "ideal angeschlossen", auch südlich über die B 13 in Richtung Ochsenfurt. Die Anbindung zum Parkhaus sei zudem über die Stettiner Straße als auch über die B 19/Adenauer-Brücke möglich. Das führe zu einem schnelleren Aus-und Einfahren gerade in Stoßzeiten. Die Straba-Haltestelle Königsberger Straße ist nur 200 Meter entfernt und durch die Brückenunterführung der Mainradweg in Richtung Innenstadt erreichbar.

Dagegen sei die Feggrube nur über eine Achse, die Stettiner Straße, anfahrbar. Zudem liege der  Straba-Halt weiter weg, der Mainradweg sei umständlicher zu erreichen. Außerdem müsste ein Parkhaus auf dem Feggrube-Platz wegen des Umfeldes niedriger ausfallen – mit weniger Stellplätzen. Es sei außerdem mit mehr Staus in Stoßzeiten als bei einem Parkhaus in der  Stettiner Straße zu rechnen. Deshalb schlägt die Verwaltung für die Feggrube einen bewirtschafteten Parkplatz sowie Stellplätze für Wohnmobile vor. 

Was die Umsetzung dieser Planungen kostet, steht nicht in den Unterlagen, sondern nur, dass die Finanzierung derzeit noch nicht gesichert sei. Ein Park & Ride-Parkhaus in der Sanderau hatte im Herbst 2017 die FDP/Bürgerform-Stadtratsfraktion beantragt.

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