Bergtheim

Ein Raum zum Entspannen und Abreagieren

Rektorin Doris Müller (vorne, 3. von links) und Sozialpädagogin Eva Forner (stehend, 2. von links) freuen sich mit Schulkindern über den neuen Auszeitraum in der Bergtheimer Grundschule. Foto: Irene Konrad

In der Bergtheimer Grundschule gibt es seit einigen Wochen ein buntes, helles Zimmer ohne Schultafel, Tische oder Stühle. Stattdessen enthält es dicke Matten am Boden, Kissen, Tücher und Decken sowie allerlei Utensilien zum Austoben und Entspannen. Rektorin Doris Müller und Sozialpädagogin Eva Forner nennen das Zimmer "Auszeitraum". Er ist zum "Dampf ablassen", zum Abreagieren und zum Entspannen konzipiert.

Knapp 5000 Euro hat die Einrichtung des Raumes im Untergeschoss der Schule gekostet. Mit 1000 Euro hat der Förderverein der Grundschule das Anliegen der Rektorin unterstützt. 2500 Euro spendete die Raiffeisenbank Estenfeld-Bergtheim bei der Einweihung des Erweiterungsbaus der Schule im Sommer 2019 und schoss bei der Preisverleihung eines Malwettbewerbs weitere 1000 Euro zu. Außerdem spendierte das Bergtheimer Kinderkleidermarktteam bunte Chiffon-Tücher und 100 Euro.

Ein "Anti-Aggressionsraum" in einer Schule ist heute keine Seltenheit mehr. Selbst in einer Grundschule nicht. Bekannt sind körperliche Gewalt wie einen Schubs oder ein Fußtritt, Mobbing, verbaler Streit, Depressionen und Angststörungen. Als Risikofaktoren für aggressives Verhalten gelten unter anderem Gewalterfahrungen in der Familie, eine allzu strenge Erziehung oder ein instabiles Selbstwertgefühl.

Wertschätzung und Prävention, das sind in diesem Zusammenhang wichtige Worte. Hier setzt auch der Auszeitraum der Bergtheimer Grundschule mit ihren 290 Kindern an zwei Schulstandorten in Bergtheim und Erbshausen an. Zudem hat es sich bewährt, eine sozialpädagogische Kraft im Haus zu haben. Sie hilft dabei, Konflikte zu schlichten und kann notfalls und zeitlich begrenzt einzelne Kinder aus der Klasse herausnehmen.

Sozialpädagogin Forner war für die Gestaltung des Auszeitraumes zuständig. Sie hat beispielsweise einen Standboxsack, Klettermatten für die Wände, eine Hängematte oder Gewichtsdecken besorgt. Es ist ihr wichtig, dass Kinder in diesem Raum "ihre Wut losbekommen", sich "richtig austoben können". Ebenso wichtig sei es, dass sie hier die nötige Ruhe finden, wenn sie Aggressionen ausgesetzt waren.

Wer wütend ist oder sich ungerecht behandelt fühlt, soll im Auszeitraum wieder an Selbstsicherheit gewinnen. "Hier dürfen die Kinder ihren Gefühlen freien Raum lassen", ist Rektorin Müller vom Konzept überzeugt. Der Raum stehe sowohl einzelnen Kindern mit pädagogischer Begleitung zur Verfügung als auch Kleingruppen, die sich dort entspannen oder ihre Mittagspause verbringen wollen.

Die Bergtheimer Grundschule könnte sich auch vorstellen, dass bestimmte Arbeitsgruppen den neuen Auszeitraum für Klangreisen, Yogastunden oder "andere kreative Sachen" nutzen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das Raumkonzept soll generell dazu beitragen, dass Kinder ihre Persönlichkeit und ihre sozialen Kompetenzen stärken, damit sie früh Widerstandskräfte entwickeln und kommenden Belastungen gewachsen sind.

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