Güntersleben

Ein Schlepper, der seinen Dienst verweigerte

Ratlose Blicke: Der Lanz-Traktor verweigert den Dienst. Foto: Christian Ammon

Traditionell ist das Maternusfest der Höhepunkt des Günterslebener Festkalenders. Mit dem zum zweiten Mal organisierten Schleppertreffen hatte die örtliche Eigenheimervereinigung, die in diesem Jahr das Fest ausrichtete, eine besondere Attraktion für den Sonntag aufgeboten: Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, um sich den ein oder anderen der etwa 60, meist alten Traktoren einmal genauer anzuschauen. Im Anschluss an die Segnung durch Pfarrer Bernd Steigerwald unternahmen die festlich geschmückten Zugmaschinen und Vertreter der Vereine einen Umzug durch den Ort.

Besonderer Blickfänger war ein Lanztraktor aus dem Jahr 1940. Spannend wurde es, als er kurz vor der zweiten Vorführung seinen Dienst verweigerte. "Den ganzen Tag ist er einwandfrei gelaufen", berichtete Otto Leuckert, der die Arbeitsmaschine von seinem Großvater übernommen hat, der ihn in der heimischen Landwirtschaft in Essfeld eingesetzt hatte. Doch so kräftig sich Martin Landwehr, der mit dem Prachtstück eigens aus Essfeld nach Güntersleben gefahren war, auch bemühte, den Motor über das seitlich angebrachte Schwungrad anzuwerfen. Vergebens. Auch eine Ruhepause und Vorwärmen halfen nicht, den Ein-Zylinder-Motor mit einem Hubraum von fünf Litern wieder zum Laufen zu bringen.

Der Lanz-Oldtimer wollte zur zweiten Vorführung nicht anspringen

Zuvor hatte der Traktor die Strecke nach Güntersleben in eineinhalb Stunden ebenso problemlos gemeistert wie eine erste Vorführung. Spannend wurde es, als Elmar Issing den Traktor seines Vaters Alfred vorfuhr, ebenfalls ein sehenswerter Oldtimer, um den gut drei Jahrzehnte älteren Schlepper anzuziehen. Das Gespann bot einen kuriosen Anblick: Vorne der rote McCormick von 1968, dahinter an einer Kette Martin Landwehr auf dem wippendem Sitz des Lanztraktors, der hin und wieder Rußwolken ausstieß, ohne jedoch noch einmal anzuspringen.

Die Dreschmaschine der Firma Mengele war damit zum Stillstand verdammt. Sie lässt sich über einen Lederriemen über den Traktor antreiben. Matthias Raps hat sie erst vor wenigen Jahren in Helmstadt, wo sich die Schlepperfreunde aufgelöst haben, als Schaustück für das Essfelder Dorffest gekauft. "Die hat es früher in vielen Höfen gegeben", erzählt er. Sie hätten die Arbeit erheblich erleichtert. Dennoch waren mindestens drei Personen bei der staubigen Arbeit nötig, um das Getreide in Garbe und Korn zu trennen. Sie seien auf den Höfen oft solange im Einsatz gewesen, bis sie schließlich von er ersten Generation moderner Mähdreschern abgelöst wurden.

Traktorreifen waren größer als die Besucher selbst

Auch einige hochmodernen Arbeitsmaschinen waren zu sehen: So gehörte schon eine gehörige Portion Mut dazu, um sich in das hinter das Steuerrad der Fahrerkabine des 465 PS starken Fendt-Traktors des Juliusspitals zu werfen. Mit der Reifegröße R46 überragte er die Traktoren der örtlichen Landwirte nochmals deutlich. Stationiert auf dem Gut Seligenstadt hilft er, die 1000 Hektar große Fläche effektiv zu bewirtschaften.

Das Maternusfest zu Ehren des Kirchenpatrons St. Maternus dauert rund um den Festgottesdienst am Sonntag drei Tage. Dabei steht die Geselligkeit im Vordergrund. Schon am Samstag gab es ein Fußballturnier der örtlichen Vereine. Am Montag trafen sich die Senioren, anschließend die Betriebe.

Unterfrankens größter: der Fendt Vario des Juliusspitals Foto: Christian Ammon
Vergebliches Warten: Matthias Raps vor seiner Dreschmaschine von 1936 Foto: Christian Ammon

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